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Wundauflagen 1: Passive Wundauflagen (in Arbeit: Verlinkungen zu weiteren Artikeln folgen)

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Literaturverzeichnis

Artikel ID: 12

Passive Wundauflagen

Passiven Wundauflagen: Vorwort

1.Verbandmull

2. Vliesstoff

3. Saugkompressen

4. Gittergazen

Fettgazen

hydrophil imprägnierte Gazen

hydroaktiv imprägnierte Gittergazen

Wunddistanzgitter

5. Aluminisierte Wundauflagen

6.  Wundauflagen mit Folienbeschichtung

7. Nachtrag, Humanmedizin

8. Literaturverzeichnis

 

Passive Wundauflagen: Vorwort

 

Unter einer passiven Wundauflage versteht man eine Wundabdeckung, deren Funktion auf die Abdeckung der Wunde und die Aufnahme von Wundexsudat beschränkt ist.
Neben den klassischen Wundauflagen, den Kompressen aus Verbandmull oder Vliesstoff gehören auch kombinierte Saugkompressen, Gittergazen und aluminisierte und folierte Wundauflage in diese Produktgruppe.
Kompressen aus Mull und Vliesstoff weisen, ebenso wie Saugkompressen ohne spezielle Wundkontaktschicht, eine hohe Verklebungsneigung auf und sind daher nur in wenigen Ausnahmefällen für die Anwendung als Primärauflage direkt auf der Wunde geeignet, um eine Verklebung mit der Wunde sicher auszuschließen.
Dies kann gegeben sein, wenn es sich um eine Wunde in der Reinigungsphase handelt, bei der:

  1. viel oder sehr viel Wundexsudat gebildet wird
  2. ein hohes Maß an Zelltrümmern (z.B. von Nekrosen) aus dem Wundbett an die Oberfläche tritt
  3. ein häufiger Verbandswechsel (mindestens 1-2x täglich) ohnehin notwendig ist und zuverlässig durchgeführt wird.

Sind diese Kriterien nicht erfüllt und oder spricht sich ein Tierarzt dagegen aus, ist die Anwendung klassischer Kompressen direkt auf der Wunde zu vermeiden. Durch getrocknetes Blut und/oder Wundsekret, dem Einsprießen von Blutkapillaren sowie dem Einwachsen von Epithelzellen und Granulationsgewebe verklebt die Kompresse mit der Wundauflage.
Obwohl das Einweichen der Kompresse (z.B. mit steriler Infusionslösung) die Entfernung der Kompresse beim Verbandwechsel etwas weniger schmerzhaft gestalten kann bedeutet dennoch jede Entfernung einer festgeklebten Wundauflage eine Neuverletzung und somit eine Störung der Wundheilung.

Diese Verklebung wirkt nicht nur einem günstigen Wundklima entgegen, sondern schadet der Wundheilung ganz konkret, da es bei jedem Verbandwechsel zu einer Neuverletzung kommt, die außerdem ausgesprochen schmerzhaft sein kann.
Die Hauptaufgabe der klassischen Wundauflagen besteht darin als Sekundärverband Wundexsudat aufzunehmen.
Hier ist jedoch der Unterschied zu der Funktion von interaktiven ( im speziellen hydroaktiven) Wundauflagen zu beachten:

 

Exsudatmanagement
je nach abgegebener Menge
hydroaktive
Wundauflage

passive/klassische
Wundauflage

geringe Exsudation Speicherung des Exsudates im
Bereich der Wundkontaktschicht
-> Schaffung und Aufrechterhaltung
eines feuchten Wundmilieus

 Aufnahme des Exsudates
-> Risiko des Trockenlegens und
des Verklebens der Kompresse mit der Wunde

mäßige Exsudation

Bindung des Wundexsudates in den
Wundnahem Bereichen der Auflage
bei Aufrechterhaltung des feuchten
Wundmilieus

Aufnahme des Exsudates
-> Verklebungsrisiko bleibt bestehen
starke Exsudation Überschüssiges Wundexsudat wird von
der Wunde weg transportiert und in der Auflage
gebunden.
Trotz zuverlässiger Aufrechterhaltung des feuchten
Milieus besteht kein Risiko des Nässestaus
 
sehr starke Exsudation    

Hydroaktive Wundauflagen wirken regulierend:

  • eine gewisse Menge an Wundsekret wird im Bereich der Wundkontaktschicht gebunden um ein feuchtes Wundmilieu zu schaffen und aufrecht zu erhalten.
  • überschüssiges Sekret wird nicht nur aufgenommen, sondern wirksam von der Wunde weg transportiert. So wird ein Nässestau, der Wundinfektionen begünstigen und den Wundrand schädigen könnte wirksam vermieden.

Demgegenüber sind passive Wundauflagen lediglich in der Lage Flüssigkeit aufzunehmen. Bei stark sezernierenden Wunden kann dies zu einem Nässestau führen, vor allem, wenn der Verband zu selten gewechselt wird.
Gibt eine Wunde hingegen zu wenig Exsudat ab besteht bei passiven/klassischen Wundauflagen das Risiko des Trockenlegens der Wunde.

 

Zwischen diesen sehr einfachen und preisgünstigen klassischen Wundauflagen und den hochmodernen, aber sehr teuren, interaktiven Wundauflagen bilden die Gittergazen (Fettgazen, hydrophil imprägnierte Gazen, hydroaktive Gazen und Wunddistanzgitter) und Wundkompressen mit einer Aluminisierung oder einer aufgeschweißten, perforierten Folie eine Art "Mittelweg".

Diese Wundauflagen beteiligen sich (mit Ausnahme der hydroaktiv imprägnierten Gaze) ebenfalls nicht an der Schaffung und Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus und zählen daher ebenfalls zu den passiven Wundauflagen.
Den klassischen Mull-, Vlies- und unbeschichteten Saugkompressen gegenüber haben sie jedoch den Vorteil, dass sie eine Verklebung zwischen Wunde und Verbandmittel zuverlässig verhindern, solange es sich nicht um zu trockene Wunden handelt.

Daher stellen Gittergazen, aluminisierte und folierte Wundauflagen eine gute Möglichkeit kleinere, oberflächliche Verletzungen adäquat und kostengünstig zu versorgen, ohne auf die weitaus teureren, interaktiven Wundauflagen zurückgreifen zu müssen.
Auch in der Akut- und Notfallversorgung sind insbesondere aluminisierte Verbandmittel in der Lage die klassischen Mull- und Vliesstoffkompressen sowie die unbeschichteten Verbandtücher und Verbandpäckchen zu ersetzen. (siehe auch Nachtrag)

Als Sekundärauflagen, auf z.B. Gittergazen, bei Wunden in der Reinigungsphase (sofern diese viel Wundsekret und Zelltrümmer absondern) sowie in der Wundversorgung während des Verbandwechsels haben die klassischen Wundkompressen weiterhin einen festen Platz.

1.Verbandmull

Produkteigenschaften
Bei Mullkompressen handelt es sich um Baumwollgewebe. Die Schnittkanten werden bei der Herstellung nach innen eingeschlagen, sodass ein Ausfransen zuverlässig verhindert wird.
Durch das Antrocknen von Blut und Wundsekret, sowie dem Einwachsen von Blutkapillaren, Epithel- und Granulationsgewebe weisen Mullkompressen eine ausgesprochen hohe Neigung zur Verklebung mit der Wunde auf, die bei jedem Verbandswechsel zu einer schmerzhaften Neuverletzung führt.

Die Flüssigkeitsaufnahme erfolgt erst horizontal und setzt sich dann erst nach vertikal fort. Dadurch kann überschüssiges Sekret nicht wirksam von der Wunde weg geleitet werden, erfolgt kein sehr zeitnaher Verbandswechsel kann es durch den oben bereits beschriebenen Nässestau zum Aufweichen und damit verbundener Schädigung des Wundrandes kommen. Das Flüssigkeitsbindevermögen ist eher gering.

Innerhalb der Gitterstruktur können sich Zelltrümmer, Bakterienbestandteile und Wundsekret gut festsetzen, man spricht dann vom "Löschblatteffekt", dieser kann bei Wunden, die in der Reinigungsphase erhebliche Mengen an Zelltrümmern abstoßen von Nutzen sein, solange gebildete Sekretmenge erheblich ist und ein häufiger Verbandwechsel gewährleistet werden kann.
Obgleich es zahlreiche, interaktive Auflagen gibt, die in dieser Phase der Wundbehandlung von großem Nutzen sein können und eine größere Anwendungssicherheit mit sich bringen (z.B. Alginate, Cutimed Sorbact, Aquacel) kann die Nutzung der deutlich preisgünstigeren Mullkompressen vertretbar sein, wenn ein Tierarzt dem zustimmt, ein mindestens täglicher Verbandwechsel zur Wundinspektion unabdingbar ist und keinerlei Verklebung beobachtet werden kann.
Dennoch ist die Nutzung der weitaus preisgünstigeren Mullkompressen unter den genannten Umständen vertretbar, vor allem wenneine infektionsgefährdete Wunde ohnehin (mehrfach) täglich begutachtet werden muss und Eignung der Alginate zum längeren Verbleib auf der Wunde ohnehin nicht ausgeschöpft werden kann.

Die Polsterwirkung ist gering und sollte nicht überschätzt werden. Insbesondere im feuchten Zustand ist nahezu keinerlei Polsterwirkung mehr vorhanden.
Aufgrund des Risikos des Ausfaserns sollten Mullkompressen nicht zugeschnitten werden. Soll ihre Größe den Abmessungen der Wunde angeglichen werden, so kann dies durch Zurechtfalten erfolgen.

Anwendungsgebiete

  • zur Wundreinigung:
    • trocken oder feucht zum Auswischen der Wunde, gerade bei nekrotischen, schmierigen Wunden ist die raue Struktur von Vorteil
    •  gut angefeuchtet auf die Wunde gelegt und nach ca. 15 Minuten vorsichtig entfernt können Rückstände vom vorherigen Verband,  trockene Nekrosen u.Ä. eingeweicht und  leichter entfernt werden.
  • als primäre Wundauflage
    • als Schutz chirurgischer Nähte
    • zur Erstversorgung akuter Verletzungen bis eine professionelle Versorgung möglich ist
    • bei stark exsudierenden Wunden in der Reinigungsphase, wenn entsprechend häufiger Verbandswechsel (mindestens 1-2x/Tag) sichergestellt ist 
    • mit steriler Infusions- oder Wundspüllösung getränkt um hartnäckige Verklebungen/Verkrustungen und Biofilme zu lösen, die Tragedauer sollte hier auf wenige Stunden begrenzt werden. Wurde kein ausreichender Effekt erzielt ist eine erneute Anwendung ist einer längeren Tragedauer vorzuziehen.
  • als sekundäre Wundauflage
    • trocken auf imprägnierter Gaze/Wunddistanzgitter zur Ableitung geringerer Exsudatmengen
    • feucht auf imprägnierter Gaze/Wunddistanzgitter zur Schaffung eines idealfeuchten Wundmilieus
  • als Zehenzwischenpolster bei Pfotenverbänden
  • als Binde zum Fixieren des Verbandes

Kontraindikationen
Mullprodukte dürfen nicht verwendet werden:

  •  als primäre Wundauflage für sekundär heilende Wunden in der Granulations- und Epithelisierungsphase verwendet werden
  •  als primäre Wundauflage bei epithelialen Wunden
  •  bei bereits geschädigtem Wundrand
  •  bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Cellulosepartikeln
  •  zur Reinigung epithelisierender Wunden

Produkte verschiedener Hersteller:

Im Handel werden Mullkompressen in unterschiedliche groben Gitterstrukturen sowie in verschiedenen Größen und Formen (z.B. flache oder runde Tupfer, mehrlagiger Verbandmull) angeboten. Erhältlich sind Mulltupfer steril oder unsteril abgepackt, sie sind gut sterilisierbar. Verbandmull ist ein standardisiertes Produkt, dessen Produktmerkmale sowie die Anforderungen an Herstellung und Qualität der bei der Herstellung verwendeten Rohstoffe verbindlich im Arzneimittelbuch festgehalten und vorgeschrieben sind. Entsprechend gering sind die qualitativen Unterschiede bei Produkten unterschiedlicher Hersteller.

Preise:
unsterile 10x10er erhält man bereits ab etwa 5 Euro in der 100er Verpackungseinheit, steril zahlt man pro 50 Stück (jeweils 2 in einem Briefchen) etwa ab 7 Euro. Der Markt ist hier extrem groß, aber nicht vielfältig. Bis auf die Anzahl der Lagen, die Abmessungen und die Sterilisierung unterscheiden sich die erhältlichen Produkte nicht voneinander.

2. Vliesstoff

Produkteigenschaften

Vliesstoffkompressen sind nichtgewebte, textile Erzeugnisse, die aus Faservlies hergestellt werden. Als Materialien für diese Vliese werden Baumwolle, Viskose, verschiedene Kunstfasern oder Fasergemische eingesetzt. Wundschnellverbände ("Pflaster") und Verbandpäckchen verfügen üblicherweise über ein Wundkissen aus Vliesstoff.  Produkteigenschaften, Anwendungsgebiete und Kontraindikationen entsprechen im Wesentlichen denen von Mullkompressen. Die wenigen Unterschieden seien hier eben aufgelistet:

  • weicher und anschmiegsamer als Mull
  • Wasserbindevermögen geringfügig besser
  • die Reinigungswirkung beim Auswischen der Wunde ist weniger ergiebig, der "Abrieb" jedoch auch geringer. Ist also bei einer granulierenden oder epithelisierenden Wunden eine Reinigung durch Wischen oder Tupfen unvermeidbar, sind Vliesstoffe hier dem Mull vorzuziehen.

Produkte verschiedener Hersteller:

Vliesstoffe sind als Kompressen in verschiedenen Größen und mit verschiedener Lagenanzahl als sterile und unsterile Verpackungseinheiten im Handel. Unsterile Kompressen sind sterilisierbar. Auch Vliesstoff ist ein standardisiertes Produkt, allerdings schreibt das Arzneimittelbuch im Hinblick auf die verwendeten Materialien nur Rahmenbedingungen vor, deswegen können die Fasergemische von Hersteller zu Hersteller abweichen.

Preise:
Unsterile Vliesstoffkompressen bekommt man 4-lagig in 10x10cm für unter 5 Euro je 100Stk. Steril liegen die Preise je nach Anbieter ab 8 Euro für 50 Stück (25x 2).

3. (kombinierte) Saugkompressen

Produkteigenschaften

Wie die Produktbezeichnung bereits  offenlegt handelt es sich bei Saugkompressen um Wundauflagen, die zum Aufsaugen größerer Flüssigkeitsmengen befähigt sind. Produkt abhängig eignen sie sich entweder ausschließlich zur Absorption von Wundsekret bei stark sekretierenden Wunden oder können auch angefeuchtet (z.B. mit steriler Infusionslösung oder einem Lokaltherapeutikum) als Sekundärauflage auf Wunden mit geringerer Sekretion genutzt werden.
Den Grundaufbau einer Saugkompresse habe ich in der folgenden Grafik schematisch dargestellt:

Dieses Schema erklärt gut, warum Saugkompressen in der Literatur häufig als "kombinierte Saugkompressen" bezeichnet werden. Sie bestehen aus miteinander kombinierten, unterschiedlichen Verbandstoffen, die Folgendes gewährleisten soll:

  • geringere Verklebungsneigung mit der Wunde durch hydrophoben Vlies bzw Verklebungsschutz durch separat aufgebrachte Wundkontaktschicht
  • rundherum geschlossene Hülle aus hydrophobem Material, welches die Flüssigkeit von der Wunde weg in den Kern der Auflage bringt
  • Hüllschicht um den Kern aus saugfähigem Material stellt die sogenannte "Verteilerschicht". Diese ist dafür zuständig die anfallende Flüssigkeit möglichst auf die gesamte Fläche des Saugkerns zu verteilen
  • Saugkern, der die Flüssigkeit aufnimmt und sicher einschließt
  • Wäscheschutz: eine wasserabweisende Schicht (meist aus blau gefärbtem) speziellen Vlies schützt Kleidung und Umgebung des Patienten vor dem Durchtreten ("Durchschlagen") der Flüssigkeit
  • Saugkompressen haben darüber hinaus eine gute Polsterwirkung, die auch bei Durchnässung nicht komplett verloren geht

Aufgrund ihres Aufbaus können die meisten Saugkompressen nicht zugeschnitten werden, da ein Eröffnen des Saugkernes die Eigenschaften der Kompresse stört. Außerdem sind Saugkompresse in der Regel nicht zum zurechtfalten geeignet. Sie sollten daher in der passenden Größe zur Wunde gewählt werden.
Im Handel sind Saugkompressen in verschiedenen Größen und Formaten, etwa ab 10x10cm bis 20x40cm erhältlich. Zu erwerben sind Saugkompressen sowohl unsteril als auch steril. Manche Produkte können in der Praxis sterilisiert werden, bei Anderen ist dies aufgrund des Aufbaus nicht möglich (Herstellerhinweise beachten!)
Im wesentlichen sind zwei verschiedene Ausführungen zu unterscheiden:

  1. Saugkompressen mit Saugkern aus Zell-, oder Verbandwolle
    • einfache, preisgünstige Alternativen zu teureren Wundauflagen, wenn besonders in der Reinigungsphase ein häufiger Wechsel angezeigt ist
  2. Saugkompressen mit Saugkern aus Natur- oder Kunstfasern bzw Flocken mit eingebetteten Superabsorbern
    • eingebettete Superabsorberpartikel erhöhen die Aufnahmekapazität und ermöglichen so die Herstellung, im Vergleich zu einfachen Saugkompressen, dünnerer Wundauflagen bei gleicher oder gar höherer Aufnahmekapazität
    • das von Windeln bekannte Prinzip schließt die Flüssigkeit besser ein als der Saugkern aus Zell- oder Verbandwolle. Von daher sind diese Auflagen bei Kompressionsverbänden und an Körperstellen, die viel belastet oder bewegt sind besser geeignet
    • durch das höhere Bindevermögen ist das Risiko der Trockenlegung einer Wunde noch höher als bei "normalen" Saugkompressen. Eine Anwendung sollte daher in jedem Fall mit dem Tierarzt besprochen werden
    • je nach Menge der eingebetteten Superabsorberpartikel kann die Auflage bei Absorption einer größeren Menge Flüssigkeit deutlich an Volumen zunehmen. Dies muss bei Verbänden, die dann eventuell einschnürend wirken können bedacht werden
    • durch die extrem schlechte (bzw praktisch nicht vorhandene) Kompostierbarkeit sind Superabsorber ökologisch betrachtet keine gute Wahl, solange kein Nachteil für den Patienten entsteht sollte auch dies bei der Auswahl bedacht werden

(Saugkompressen deren Innenleben ausschließlich aus Superabsorbern bzw Superabsorbern und geschäumten Gelen oder Schaumstoffen besteht sind nicht mehr den passiven Wundauflagen zuzuordnen. )

 

Anwendungsgebiete

  • als Primärauflage auf Wunden in der Reinigungsphase mit extremer Sekretbildung (Wechsel mindestens 1-2x/Tag)
  • als Sekundärauflage auf Wunden mit extremer Sekretbildung (z.B. bei Nutzung von Alginaten oder Gittergazen als Primärauflage) 
  • getränkt als feuchter Verband bei zu trockenen Wunden als Sekundärauflage oder zur Wundreinigung als Primärverband
  • als "Sohle" bei Pfotenverbänden zum Schutz vor Aufweichung bei nach unten ablaufender Flüssigkeit

Kontraindikationen

  • normale Saugkompressen (ohne nichthaftende wundseitige Beschichtung) dürfen aufgrund des Verklebungsrisikos nicht als Primärauflage auf granulierenden und epithelisierenden Wunden eingesetzt werden
  • bei nichtangefeuchteten Saugkompressen ist zu beachten, dass das erhebliche Wasserbindungsvermögen zur Austrocknung der Wunde führen kann, wenn die Wunde nur mäßige bis geringe Sekretmengen abgibt. 
  • bei zerklüfteten, tiefen Wunden, diese sollten vor Auflegen der Saugkompresse austamponiert werden

Produkte verschiedener Hersteller:

Während sich "normale" Saugkompressen (ohne Superabsorber im Saugkern) unterschiedlicher Hersteller sowohl optisch als auch funktional kaum voneinander unterscheiden (Draco Saugkompressen waren etwas dicker als die anderen getesteten Saugkompressen) sind die hersteller- und produktabhängigen Eigenschaften bei den mit Superabsorbern kombinierten Wundauflagen relativ groß. Während sich einige Auflagen (z.B. Mextra) nicht deutlich von den einfachen Saugkompressen unterscheiden bilden andere Produkte einen fließenden Übergang zu den hydroaktiven Wundauflagen. Insbesondere bei der Wundkontaktschicht bzw. deren Fähigkeit eine Verklebung mit der Wunde sicher zu verhindern sind die Unterschiede enorm.
Bei der Auswahl sollte hier maßgeblich darauf geachtet werden, ob die Auflage (außerhalb des ersten Abschnittes der Reinigungsphase bei entsprechend starker Sekretion) als primäre oder sekundäre Wundauflage eingesetzt werden. Soll die Saugkompresse direkt auf die Wunde aufgebracht werden sollte die Produktbeschreibung eine Folienbeschichtung anführen, die das Verkleben mit der Wunde ausdrücklich verhindert (siehe auch 4.2. Folierte, passive Wundauflagen)
Erfahrungsgemäß bieten Wundauflagen die mit der Formulierung "verklebungsarm" bzw "durch .... wird eine Verklebung mit der Wunde weitgehend verhindert" oder Ähnlicher Beschreibung versehen sind bei nachlassender Exsudatmenge keinen sicheren Verklebungsschutz mehr.

 

Anwendungsbeispiele:


Erfahrungsbericht:
Mullkompressen, Vliesstoffkompressen und Saugkompressen haben mir bereits gute Dienste auf allen genannten Anwendungsgebieten geleistet.
Aufgrund ihrer strukturbedingt guten "Bindungseigenschaften" im Bezug auf Zelltrümmer und Ähnliches setze ich Mullkompressen sehr gerne zum Auswischen von Wunden beim Verbandwechsel in der Reinigungsphase ein.
Benötige ich eine feuchte Abdeckung für eine Primärauflage, dann leisten mir mit Ringer- oder einem Lokaltherapeutikum angefeuchtete Vliesstoffkompressen gute Dienste, da sie sich hervorragend an jede Applikationsstelle anschmiegen und sich sehr gut auf die benötigte Größe zurechtfalten oder zuschneiden lassen.
Saugkompressen verwende ich hauptsächlich bei stark bis sehr stark sekretierenden Wunden in der Reinigungsphase. Je nach Zustand der Wunde mit oder ohne Gittergaze als Verklebungsschutz.
Hervorragende Dienste leisten sie mir auch als "Sohle" bei Pfotenverbänden (siehe Bild "Anwendungsbeispiele), so wird bei stark sekretierenden Wunden oder Angussverbänden ablaufende Flüssigkeit aufgesogen und weicht den Ballen nicht auf. Bei mäßiger und starker Sekretion habe ich hier noch sehr gute Erfahrungen mit normalen Saugkompressen gemacht, ist das Sekretaufkommen sehr stark kann hier eine Saugkompresse mit Superabsorbern gute Dienste leisten, vor allem, wenn die Wundheilung einen längeren Zeitraum umspannt oder der Hund sehr empfindliche Pfoten hat. (Bei Kleinhunden und Katzen können hier einige Lagen Vliesstoff genutzt werden, wenn die kleinsten Saugkompressen zu groß sind.
Angefeuchtet nutze ich Saugkompressen eher bei großen Wundflächen, zum Einweichen sehr hartnäckiger Wundbeläge (dann getränkt mit Prontosan oder Octenillin) auch bei trockenen Nekrosen kann dies der Wundheilung zuträglich sein.
Im Test hatte ich bisher folgende normale Saugkompressen: der Firma/Marke Draco (unsteril im Karton), Curimed (unsteril im Polybeutel), Vliwazell (einzeln steril verpackt) und Mextra (einzeln steril verpackt) als Saugkompresse mit Superabsorberpartikeln. Zum Test bereit liegen "Zetuvit Saugkompressen".

Preise:(Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux)

 

 Produkt Grösse
(in cm)
Packungsgröße  Preis Einzelpreis
Draco Saugkompressen, unsteril 10 x 10 cm 30 Stk  6,69 € 0,22 €
Draco Saugkompressen, steril 10 x 10 cm 25 Stk 13,59€ 0,54 €
Curi Med Saugkompressen, unsteril 10 x 10 cm 50 Stk 11,59 € 0,23 €
Mextra Superabsorbent, steril 10 x 10 cm 10 Stk 29,95 € 3,00 €
Vliwazell, unsteril 10 x 10 cm 100 Stk 27,95€ 0,28 €
Vliwazell, steril 10 x 10 cm  25 Stk 14,95 € 0,60 €

 

 

 

 

 

4. Gittergazen

imprägnierte Gazen

Produkteigenschaften

Imprägnierte Gazen sind Gewirke aus Baumwolle, Viskose oder Kunstfasern, die wie ihr Name schon sagt imprägniert worden sind. Diese Imprägnierung kann
1. mit Fettzubereitungen (meist Vaselin oder Paraffin) bzw Wachsen vorgenommen werden, dann spricht man von Fettgazen, diese sind hydrophob (wasserabstoßend)
2. hydrophil sein, dann kommen z.B. Salbenmassen auf Triglyceridbasis oder eine Öl-in-Wasser-Emulsion in Frage
3. mit hydroaktiven Substanzen geschehen, die so entstehenden hydroaktiven Wundgazen stellen einen Übergang zu den aktiven Wundauflagen dar.
Gittergazen verhindern weitgehend das Verkleben des Verbandmaterials mit der Wunde.
Durch ihre Gitterstruktur kann Wundsekret abfließen. Gittergazen werden je nach Exsudatmenge mit einer Mull- bzw Vliesstoffkompressen oder einer Saugkompresse abgedeckt. Einige Produkte können mehrere Tage auf der Wunde verbleiben, wenn deren Zustand das erlaubt, ggf muss in der Zeit jedoch die Sekundärauflage gewechselt werden.
Gittergazen lassen sich gut auf die Größe der Wunde zuschneiden, sie dürfen nicht gefaltet oder umgeschlagen werden, da sich die Gitterstruktur hierbei so verlegen kann, dass kein Exsudat mehr abfließen kann. Es entstünde eine Flüssigkeitsansammlung die eine Infektion verursachen könnte.

Anwendungsgebiete

  • als preiswerte Alternative zu  interaktiven Wundauflagen bei leichteren Verletzungen
  • in der Reinigungs- und Granulationsphase als Primärauflage unter der Saugkompresse
  • bei Erstversorgung akuter Verletzungen zur Vermeidung einer Verklebung von Wunde und Verbandsmaterial

Kontraindikationen

trockene Wunden: insbesondere Fettgazen können bei nachlassender Exsudation mit dem Wundgrund verkleben. Aufgrund ihrer wasserabweisenden Eigenschaften ist ein Ablösen durch Einweichen dann nicht möglich. Die Entfernung dergestalt verklebter Fettgazen ist extrem schmerzhaft und dürfte bei den meisten Tieren nur unter Narkose möglich sein.
Nach meiner persönlichen Erfahrung hatte ich häufig den Eindruck, dass die Epithelisierung bei der Anwendung von Gittergazen deutlich langsamer abläuft als bei der Nutzung von z.B. Schaumstoffen, Hydrokolloiden oder Hydrogelauflagen. Darüber ob dies der Struktur oder der hydrophoben Beschichtung zuzuschreiben ist kann ich keine sichere Aussage tätigen.

Produkte verschiedener Hersteller:

Nahezu jeder Hersteller von Wundauflagen hat auch mindestens eine Version imprägnierter Gazen im Angebot. Bei den von mir getesteten Fettgazen Jelonet, Grassolind, Branolind und Lomatuell-H habe ich keine nennenswerten Unterschiede zueinander feststellen können.
Die von mir getesteten Gittergazen mit Öl in Wasser Emulsion unterscheiden sich sowohl deutlich von den Fettgazen, sowie untereinander.

Erfahrungsbericht Fettgazen :

Neben der Verwendung bei der akuten Notversorgung einer Wunde habe ich Fettgazen bisher hauptsächlich am Übergang zwischen Reinigungs- und Granulationsphase eingesetzt, wenn die Exsudation zwar so nachließ, dass ein Verklebungsschutz unter der Saugkompresse notwendig war, die Exsudatmenge eine Verklebung der Gaze mit dem Wundgrund jedoch noch ausschloss. In diesem Rahmen werde ich sie auch weiter verwenden. Für die Unterstützung der Wundreinigung am Anfang der Reinigungsphase und die Förderung der Wundheilung während der Granulations- und Epithelisierungphase gibt es meiner Meinung nach jedoch deutlich bessere Produkte.
Getestet habe ich an hydrophoben Fettgazen bisher: Jelonet, Grassolind, Branolind und Lomatuell-H und konnte keine nennenswerten Unterschiede zwischen diesen Produkten feststellen.
Deswegen habe ich diese Artikel auch in einer einzigen Collage dargestellt. In der Anwendung selbst sind Fettgazen sehr angenehm. Sie lassen sich hervorragend zuschneiden und schmiegen sich auch an sehr unebene Körperstellen gut an.

Verpackt sind Fettgazen üblicherweise in sterilen Einzelverpackungen, den sogenannten Siegelbriefen. Bei den meisten Herstellern befindet sich die Gaze innerhalb dieses Siegelbriefchens zwischen zwei Schutzpapierschichten mit denen es aus der Packung entnommen werden kann. Anschließend kann ein Zuschneiden erfolgen.. Vor der Applikation auf die Wunde wird zunächst das eine Schutzpapier abgezogen, nach Platzierung auf der Wunde das Zweite. So ist eine sterile Applikation auch ohne die Verwendung einer sterilen Pinzette möglich. Bei allen mir bekannten Fettgazen sind beide Seiten identisch beschaffen sodass bei der Anwendung nicht darauf geachtet werden muss welche Seite zur Wunde zeigt.  

Preise:(Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux)

 

 Produkt Grösse
(in cm)
Packungsgröße  Preis Einzelpreis
 Jelonet  10x10  10 Stk  10,69 €  1,07€
 Grassolind  10x10  10 Stk  14,90 €  1,49€
 Branolind  7,5x10  10 Stk  12,50 €  1,25€
 Lomatuell-H  10x10  10 Stk  12,50 €  1,25€

Fettgazen: 

 

Weitere imprägnierte Gittergazen:

Neben den beschriebenen Fettgazen habe ich bisher noch folgende, imprägnierte Gittergazen getestet:

Hydrophil imprägnierte Gazen:

  • Atrauman Ag,mit Silberfasern ummantelt, imprägniert mit Salbenmasse auf Triglyceridbasis
  • Adaptic: Viskosegewirk, imprägniert mit Öl in Wasser Emulsion
  • Sofra-Tüll classics: Spezialtüll aus Polyethylen mit Öl in Wasser Emulsion

Atrauman Ag und Adaptic nenne ich direkt hintereinander, weil sie sich in der Anwendung recht ähnlich darstellten. Zumal es Atrauman auch ohne Silber gibt und mir berichtet wurde, dass Atrauman und Adaptic sich kaum unterscheiden. Beide sind deutlich weicher und feinmaschiger als die Fettgazen. Auch fühlt sich ihre Imprägnierung deutlich wässrig an. Im Gegensatz zu den Fettgazen hinterlassen sie keine fettigen, klebrigen Rückstände an der Wunde selbst oder der Wundumgebung.
Beide Gazen habe ich bereits bei oberflächlichen Wunden auch in der Epithelisierung eingesetzt. Atrauman Ag kann laut Hersteller auch bei infizierten Wunden genutzt werden (bei infizierten Wunden müssen stets weitere Maßnahmen, z.B. eine systemische Antibiose erwogen werden. Selbst habe ich Atrauman Ag nur einmal bei einer bereits abklingenden Wundinfektion verwendet, kann über die Auswirkung auf die Wundinfektion also nicht berichten.

Vom Einsatzspektrum her sind diese hydrophil imprägnierten Gazen den Fettgazen sehr ähnlich. Aufgrund der deutlich geringeren Maschenweite sind die oben beschriebenen Fettgazen in der Reinigungsphase vorzuziehen, wenn es sich um eine Wunde mit zähflüssigem Sekret oder größeren Gewebetrümmern handelt. Im Hinblick auf die Epithelisierung habe ich mit den hydrophil imprägnierten Gazen bessere Ergebnisse erzielt als mit den Fettgazen. Dies kann sowohl an der Struktur (weicher und deutlich feinmaschiger) als auch an der hydrophilen Imprägnierung liegen. Dennoch waren auch diese Gazen bezüglich der Epithelisierung im "Nachteil", wenn ich sie mit interaktiven Wundauflagen verglich. Für kleinere Wunden sind sie meiner Meinung nach aber sehr gut geeignet und den Fettgazen vorzuziehen. Der etwas höhere Kaufpreis, der auf Atrauman und Adaptic im Vergleich zu Fettgazen entfällt lohnt sich meiner Meinung nach bzw zahlt sich meiner Erfahrung nach durch eine schnellere Wundheilung aus. Inwiefern sich die Kosten für Atrauman Ag lohnen ist eine schwierige Frage, da der Nutzen von Silber in der Wundbehandlung nicht ganz unumstritten ist (siehe "Wundauflagen mit Silber").

Die Verpackung entsprach bei Atrauman Ag der von Fettgazen. Adaptic habe ich in einer Großpackung erworben, bei der jeweils 3 Streifen ohne weitere Schutzfolie eingesiegelt sind. In kleineren Verpackungseinheiten (z.B. 10er Packungen) ist jede Auflage einzeln eingesiegelt. Auch die von mir getesteten, hydrophil imprägnierten Gittergazen sind beidseitig anwendbar (Ausnahme Sofra-Tüll).

 

Atrauman Ag :

 

Adaptic:

 

Sofra-Tüll classics:

Wie auf der Collage zu erkennen handelt es sich um ein sehr feinmaschiges Gewebe. In der Anwendung fand ich diese Auflage eher suboptimal, da sie recht steif ist und sich nicht so gut an Unebenheiten anpasst. Daher ist sie eher für ebene Wunden geeignet. Bei einem Selbsttest stellte ich außerdem ein Brennen in den ersten paar Minuten nach dem Auflegen auf offene Wunden fest. Den Einfluss auf die Wundheilung konnte ich eher bei mir testen. Ich wende sie gerne bei leichten, nicht zu tiefen Kratzern (etwa durch Katzenkrallen) an, weil meine Haut schnell zu Narbenbildung neigt. In der Tiermedizin habe ich diese Auflage als Schutz von chirurgischen Nähten und geklammerten Wunden angewendet und bin mit der Wirkung in diesem Zusammenhang zufrieden.
Sofra-Tüll classics ist einzeln in einem Siegelbriefchen ohne weitere Schutzfolien verpackt. Für die Applikation empfiehlt sich also (gerade wenn eine chirurgische Wunde steril abgedeckt werden soll) die Verwendung einer sterilen Pinzette. Auf der Verpackung befindet sich der Vermerk "Wundseite oben" woraus hervor geht, dass die Auflage mit der in der Verpackung oben liegende Seite auf die Wunde aufgebracht werden soll. Optisch ist jedoch kein Unterschied zwischen der Wund- und Rückseite zu erkennen, weswegen die richtige Anwendung eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert.

Hydroaktiv imprägnierte Salbenkompressen, am Beispiel Hydrotüll

Auf dem Markt sind bisher zwei verschiedene Varianten dieses Wundgazentypes, welcher wie bereits geschrieben eine Zwischenstellung zwischen aktiven und passiven Wundauflagen einnimmt. Die eine Art dieser Produktgruppe besteht aus einer Gaze, die mit einem Hydrogel beschichtet ist, die andere enthält Hydrokolloidpartikel, meist in einer neutralen Salbenmasse eingebettet.
Beide Sorten können geringe Mengen Wundsekret aufnehmen, und durch einen Quellvorgang zum Zwecke der Schaffung und Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus speichern. Getestet habe ich bisher nur den nachfolgend beschriebenen Hydrotüll.

 

Produkteigenschaften

Bei diesen Wundauflagen handelt es sich um ein wabenförmiges Gewirk (Maschenweite ist etwas geringer als bei Fettgazen), welches mit einer wirkstoffreien Neutralfettsalbe imprägniert ist.  In dieser Salbenmasse sind sogenannte Hydrokolloidpartikel eingearbeitet. Während die Salbenmasse bei Kontakt mit Wundsekret eine Öl-in-Wasser-Emulsion bildet sind die Hydrokolloidpartikel quellfähig, also zur Aufnahme und Speicherung kleinerer Mengen des Wundsekretes befähigt.

Bei Kontakt mit Wundsekret bilden Salbenmasse und Hydrokolloidpartikel zusammen ein Gel, welches ein optimales Wundmilieu schafft und aufrecht erhält. Überschüssiges Wundsekret kann durch die Wabenstruktur abfließen.

Hydrotüll sollte mit einer saugfähigen Sekundärauflage kombiniert werden. Diese fängt nicht nur Wundsekret auf, sondern kann auch bei Bedarf gewechselt werden, während Hydrotüll selbst mehrere Tage auf der Wunde verbleiben kann, wenn keine medizinischen Gründe (z.B. eine Wundinfektion) dagegen spricht. Bei jedem Wechsel müssen Reste des gebildeten Gels gründlich entfernt werden.(siehe -> Wundversorgung(geplant)).

Anwendungsgebiete

Hydrotüll ist meiner Erfahrung nach gut geeignet für die Behandlung oberflächlicher Wunden. Je nach Sekretmenge ist als Sekundärauflage Vliesstoff oder eine Saugkompresse zu verwenden.

Kontraindikationen

"Kontraindikationen" im eigentlichen Sinne gibt der Hersteller nicht an, empfiehlt das Produkt jedoch explizit nur für oberflächliche Wunden und hauptsächlich für Granulations- und Epithelisierungsphase.

Erfahrungsbericht:

Sowohl bei Mensch als auch beim Tier habe ich Hydrotüll mehrfach zur Behandlung oberflächlicher, nichtinfektiöser Wunden verwendet. Das Produkt ist gut drapierbar (passt sich beim Auflegen auf die Wunde gut an) auch lassen sich die Auflagen gut zuschneiden (gefaltet werden dürfen sie aufgrund der Gefahr, dass sich eine feuchte Kammer bildet nicht).

Eine Verklebung mit der Wunde konnte ich selbst bei schwacher Wundsekretion nicht beobachten. Meiner Erfahrung nach eignet sich Hydrotüll gut für die Behandlung nichtinfektöser, oberflächlicher Wunden in der Granulationsphase. In der Epithelisierungsphase verwende ich Hydrotüll nur bei kleineren Defekten, bei größeren Wunden habe ich mit interaktiven Wundauflagen bessere Ergebnisse (schnellere Heilung, geringere Narbenbildung, weniger Juckreiz) erzielt.

Preise:

Mit 36,90 € pro 10er Päckchen Hydrotüll in den Abmessungen 10 x 12 cm (Apolux, 2013) ist Hydrotüll deutlich teurer, als die anderen, in diesem Kapitel vorgestellten Wundauflagen. Bei der Beurteilung des Preises sollte jedoch bedacht werden, dass es sich bei diesem Produkt nicht um eine rein passive Wundauflage handelt, sondern um eine Gaze deren Imprägnierung aktiv an der Schaffung und Aufrechterhaltung eines optimalen Wundklimas beteiligt ist.
Während Hydrotüll im Vergleich zu anderen passiven Wundauflagen relativ teuer erscheint, ist es im Preisvergleich mit interaktiven Wundauflagen (deren Aufgaben Hydrotüll bei kleineren Wunden recht gut erfüllen kann) als günstig zu bewerten.

 

Anwendungsbeispiel:

 

Preise: (Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux)

 

 

 

 

 Produkt Grösse
(in cm)
Packungsgröße  Preis Einzelpreis
Atrauman  7,5x 10 10 Stk 16,50 €  1,65€
Atrauman Ag 10 x 10 10 Stk  45,90 €   4,59€
Adaptic 7,6 x 7,6 10 Stk 18,50 €  1,85€
Sofra-Tüll classics 10 x 10 10 Stk 10,99 €  1,10€
Hydrotüll 10 x 12 10 Stk 36,90 €  3,69€

Wunddistanzgitter

Die Bezeichnung Wunddistanzgitter habe ich für die Gittergazen gewählt, die nicht im eigentlichen Sinne imprägniert sind. Im Test hatte ich Mepitel, Mepitel One und Adaptic touch. Bei allen dreien handelt es sich um Auflagen, deren Wundkontaktschicht aus Silikon besteht. Mepitel und Mepitel One unterscheiden sich nur dahingehend, dass die Wundseite von Mepitel One leicht haftend (nur auf der gesunden Haut, nicht auf der Wunde) ist. Dies erleichtert das Anlegen bei zappeligeren Tieren enorm und eignet sich auch für Wunden an Körperstellen, die viel in Bewegung sind.

In der Anwendung sind alle 3 sehr angenehm, lassen sich gut zuschneiden und schmiegen sich gut an die jeweilige Körperstelle an. Mir persönlich fällt die Applikation von Mepitel und Mepitel One leichter, als die von Adaptic touch. Adaptic touch ist innerhalb des Siegelbriefchens zwischen zwei Schutzpapierblättchen verpackt, dies ermöglicht eine unkomplizierte Applikation auf der Wunde. Mepitel und Mepitel One sind ebenfalls einzeln, steril eingesiegelt. Beide haben zur Wundseite hin zwei einander überlappende Schutzfolien, die ein sehr einfaches, berührungsfreies Aufbringen auf die Wunde erlauben. Hervorzuheben ist außerdem noch die hohe Transparenz von Mepitel und Mepitel One. Dies ermöglicht bei jedem Verbandswechsel (Erneuerung der saugenden Sekundärauflage) einen prüfenden Blick auf die Wunde und die Wundränder ohne die Wundkontaktschicht anzuheben. Eine Beurteilung ohne Entfernung ermöglicht zwar auch die Beschaffenheit von Adaptic touch, bei Mepitel und Mepitel One empfinde ich persönlich die Wundkontrolle jedoch als eindeutiger.
Hervorzuheben sei noch, dass der Hersteller Mepitel und Mepitel One unter günstigen Umständen eine Verweildauer auf der Wunde bis zu 14 Tagen zu spricht.
Ansonsten zeigen sich mir alle 3 Produkte als ebenbürtig. Geeignet sind sie zur Behandlung von oberflächlichen Wunden (vor allem Schürf-, Brand-, und Schnittverletzungen). Auch ermöglichen alle 3 die Kombination von Lokaltherapeutika (z.B. Wundgele zum Anlösen von Fibrinbelägen und Wundschorf, Hydrogele zur Schaffung und Aufrechterhaltung eines feuchten Wundklimas bei zu trockenen Wunden, pflegende oder schützende Cremes für Wundränder, usw).

Preise: (Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux)

 

 Produkt Abmessungen in cm  Packungsgröße  Preis Einzelpreis
 Mepitel  5 x 7   5 Stk  15,90 €  3,18€
 Mepitel One  5 x 7,5  10 Stk  33,90 €  3,39€
 Adaptic touch  5 x 7,6  10 Stk  23,90 €  2,39€

 

Anwendungsbeispiele: 

 

 

 

 

 

5.Aluminisierte Wundauflagen

Da Vliesstoff- und Saugkompressen in der Wundversorgung gute Dienste leisten (sie sind preisgünstig, leicht anzuwenden und sehr saugfähig) und ihre Brauchbarkeit dadurch eingeschränkt wird, dass sie mit der Wunde verkleben sind sie "pur" wie oben beschrieben nur in sehr wenigen Fällen als primäre Wundauflage sinnvoll. Eine weitaus größere Rolle spielen sie als Sekundärauflagen.
Ist die Wunde in einem Zustand, in dem die primäre Wundauflage (z.B. ein Wunddistanzgitter) länger auf der Wunde verbleiben kann, ist es sogar von Vorteil, dass man die preisgünstige Sekundärauflage unabhängig von der Wundkontaktschicht entfernen und wechseln kann.

Bei einer Wunde, die z.B. aufgrund einer Infektionsgefahr eine engmaschige Kontrolle und oder Behandlung bedarf erhöht der Umstand, dass das Verkleben der saugenden Kompresse durch das Unterlegen einer Primärauflage verhindert werden muss die Zahl der Arbeitsschritte und verkompliziert den Verbandwechsel nicht unerheblich.

Auch für diese Fälle stellt der Markt mittlerweile Lösungen bereit: die kombinierten, passiven Wundauflagen.
Hierbei handelt es sich um Vliesstoff- oder Saugkompressen (die ja auch mit einem Vliesstoff ummantelt sind), die wundseitig über eine Beschichtung verfügen, welche zwar durchlässig für das Wundsekret ist (welches ja von der Sauglage aufgenommen werden soll),  das Verkleben mit der Wunde jedoch verhindert.

Im wesentlichen sind zwei unterschiedliche Beschichtungen auf dem Markt:

  • Vliesstoffkompressen mit wundseitiger Aluminiumbeschichtung (oder -bedampfung)
  • Vliesstoff- und Saugkompressen, die mit einer perforierten Folie beschichtet sind

 

4.2.1. Aluminisierte Vliesstoffkompressen

Produkteigenschaften

Ich stelle diese optisch doch sehr stark voneinander abweichenden Produkte hier als eine Produktgruppe vor, weil mir in der praktischen Anwendung bei den 3 verschiedenen, getesteten Produkten keine nennenswerten Unterschiede aufgefallen sind und die "Wirkweise" stets darauf beruht, dass die glatte Aluminiumoberfläche keine Verklebung mit der Wunde eingeht. Je nach Produkt ist das Aluminium zu einer ebenen Fläche aufgedampft oder aufgetragen. Während Aluderm eine ebene Oberfläche zeigt hat Metalline erkennbare, kleinere Vertiefungen. alumin Kompressen weichen optisch deutlich ab, denn statt einer ebenen, aufgedampften Aluminiumoberfläche ist hier ein feinmaschiges Aluminiumnetz aufgebracht.

Anwendungsgebiete

Aluminisierte Wundauflagen eignen sich für oberflächliche Wunden. Bei infizierten oder infektionsgefährdeten Wunden muss die Anwendung mit einem Tierarzt abgesprochen werden (das gilt für jede infizierten Wunden).

Von großem Nutzen sind diese Produkte in der ersten Hilfe. Auch für den Menschen. Alle 3 Hersteller der von mir getesteten Produkte bieten neben Wundkompressen auch u.A. Verbandpäckchen an. Von Wero Medical (alumin) und Söhngen (Aluderm) sind auch sogenannte Wundschnellverbände ("Pflaster") erhältlich. Diese spielen zwar in der Tiermedizin eine untergeordnete Rolle, ich halte sie aber hier für erwähnenswert, da ich sicher nicht der einzige Mensch bin, der sich mit Grauen an Kindertage erinnert in denen die Vlies- oder Zellstoffoberfläche mit der Schürfwunde am Knie verklebte, das Ablösen extrem schmerzhafte machte und der Wundheilung keineswegs zuträglich war.
Als ich einem Kind, das beim Spielen mit seinem Hund hingefallen war, ein Aludermpflaster aufs Knie klebte und die Mutter am nächsten Tag bei mir klingelte und begeistert fragte welch Zaubermittel ich da benutzt hätte, das klebe ja gar nicht an der Wunde fest, wurde mir klar, dass auch Tierhalter oft genug betroffen sind, dass es sich meiner Meinung nach lohnt hier darauf hinzuweisen, dass auch die so üblichen Wundschnellverbände ("Pflaster") auch nichts mehr auf den Verletzungen von Herrchen und Frauchen verloren haben, sondern es hier bereits zahlreiche Alternativen gibt (nicht nur Aluminiumprodukte, sondern auch Pflaster mit folienbeschichtetem Wundkissen, sowie es auch so manche mit Wundkissen aus modernen, interaktiven Wundauflagentypen).

Positiv hervorzuheben sei hier der KFZ-Verbandskasten der Firma Söhngen (Aluderm).
Dieses Produkt hat "herkömmlichen KFZ-Verbandskästen" zwei erhebliche Vorteile voraus:

  • jedes für Wundkontakt gedachte Produkt (Wundschnellverbände ("Pflaster", Wundkompressen, Verbandpäckchen, Verbandtücher) zeichnen sich durch die aluminiumbedampfte Wundkontaktschicht auf. Das ist gerade in der Erstversorgung angenehm für den Verletzten (keine Verklebung der Wunde mit dem Verbandsmaterial durch getrocknetes Blut). Veraltete, verklebende Wundkompressen sind nicht enthalten.
  • jedes Sterilprodukt in diesem Verbandskasten (mit Ausnahme der Einweghandschuhe, die materialbedingt nur ca 4 Jahre halten) hat ein Ablaufdatum von 20 Jahren(!) nach Herstellung. Das Austauschen des (glücklicherweise ja i.d.R. ungebrauchtem) KFZ-Verbandskastens alle paar Jahre entfällt also

Kontraindikationen

Die Hersteller nennen keine Kontraindikationen, begrenzen den Anwendungsbereich jedoch sehr konkret auf oberflächliche Wunden.

Erfahrungsbericht:

Ich habe folgende, aluminiumbeschichtete Wundkompressen getestet:

  • Aluderm (Söhngen)
    • sterile, einzeln verpackte Kompressen
    • unsterile Kompressen
    • Verbandpäckchen
  • Metalline (Lohmann und Rauscher)
    • einzeln, steril verpackte Kompressen
  • alumin (Wero Medical)
    • einzeln, steril verpackte Kompressen
    • Verbandpäckchen
    • Wundschnellverbände ("Pflaster") bei Menschen

Alle steril verpackten Kompressen sind ohne weitere Innenverpackung einzeln in ein Papierbriefchen eingesiegelt, bei steriler Anwendung muss also eine sterile Pinzette oder sterile Handschuhe verwendet werden.
In der Anwendung waren alle Produkte sehr angenehm, ließen sich gut zurechtschneiden, Aluderm lässt sich außerdem prima zurecht falten. Verklebungen mit der Wunde gab es ebenso wenig wie Nässestau, alle 3 Produkte leiteten in den Tests auch dann noch sehr gut Exsudat von der Wunde weg, wenn sie in Kombination mit Wundgelen oder -cremes verwendet wurden. Bei kleineren, oberflächlichen Wunden und in der ersten Hilfe kann ich diese Produkte voll und ganz empfehlen.

Die Verbandpäckchen werde ich im Kapitel "Verbandstoffe" noch gesondert ansprechen. Da es sich lediglich um die auch als einzelne Kompressen erhältliche Wundauflagen handelt, die mit einer elastischen Mullbinde verbunden und steril verpackt geliefert werden wundert es wenig, dass sie ebenso überzeugen konnten wie die Wundkompressen der jeweiligen Hersteller.

Auch die Wundschnellverbände ("Pflaster"), die ich von den Firmen Söhngen (Aluderm) und Wero Medical am Menschen getestet habe erwiesen sich als sehr empfehlenswert.
Aludermpflaster habe ich schon mehrfach verwendet um Schürfwunden bei Kindern und Erwachsenen zu versorgen. Nie kam es zu Verklebungen mit der Wunde, die Entfernung des Pflasters war stets schmerzfrei.
alumin-Pflaster habe ich als Fingerkuppen- und Fingergelenkpflaster in Gebrauch und diese überzeugen sowohl mit ihrer "Passform" als auch durch zuverlässiges Nichtverkleben mit der Wunde.

Aluminisierte Kompressen sind üblicherweise nur einseitig verwendbar, durch die deutliche Optik der Alubeschichtung ist die Anwendungssicherheit jedoch gewährleistet.

Produkte verschiedener Hersteller:

Neben den von mir getesteten Wundauflagen gibt es noch vergleichbare  Produkte anderer Hersteller, die ich selbst nicht getestet habe, bei denen Beschreibung und verfügbare Abbildungen aber vermuten lassen, dass sie in Wirkung und Anwendung keine großen Unterschiede zu den von mir getesteten Produkten aufweisen.

 Beispiele für weitere Wundkompressen mit Aluminium: 

  • Nobaline (Noba Verbandmittel)
  • Alumed (Holthaus Medical)
  • Leinatex (Leina Werke)

Anzunehmen ist, dass es noch weitere Produkte, anderer Hersteller gibt.

 

 

Produktbeispiele:

Preise: (Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux/Wero medical shop)

 

 Produkt  Abmessungen Stk/Packung  Preis Einzelpreis
 Aluderm Kompressen, steril einzeln verpackt  10 x 10cm  1  0,39 € 0,39€
 Aluderm, unsteril, Großpackung  10 x 10cm 50  10,95 €

0,22€

Aluderm, Verbandpäckchen, klein Verband 6cm x3m
Wundauflage 6 x 8cm
1  0,99€  0,99€
Metalline, steril    8 x 10 10   9,39 € 0,94€
Metalline, unsteril Rolle 500 x 10
(entspr 50 Stk 10 x10)
50 13,95 € 0,28€
alumin Kompresse, steril  10 x 10 6  3,45€  0,58€
alumin, Verbandpäckchen, klein Verband 6cm x3m
Wundauflage 6 x 8cm
1  1,95€  1,95€

 

 

 

 

4.2.2. Wundauflagen mit Folienbeschichtung

Produkteigenschaften

Neben den verschiedenen Wundauflagen, die als Verklebungsschutz mit Aluminium beschichtet wurden sind auf dem Markt verschiedene Wundauflagen erhältlich, bei denen dieser Verklebungsschutz durch eine wundseitig aufgebrachte Folie gewährleistet wird.
Um einen Stau von Wundsekret zu verhindern ist diese Folie perforiert. Diese Mikroperforation gewährleistet den Abfluss von Wundsekret, die geringe Größe der einzelnen Löcher verhindert dennoch ein Verkleben mit der Wunde durch die Perforation hindurch.
Im Gegensatz zu den aluminisierten Wundauflagen, welche mir bisher nur als Vliesstoffkompressen ("pur" oder als Verbandpäckchen) und als Wundschnellverband bekannt sind, gibt es "folierte" Wundauflagen sowohl als Vliesstoff-, als auch als Saugkompresse (meist mit Superabsorberpartikeln).

Anwendungsgebiete

Kleinere, oberflächliche Wunden. Schutz chirurgischer Nähte. 

Kontraindikationen

Die Hersteller nennen keine Kontraindikationen, begrenzen den Anwendungsbereich jedoch sehr konkret auf oberflächliche Wunden und die Abdeckung chirurgischer Nähte.

Erfahrungsbericht

Getestet habe ich bisher nur Rondopad, ein Produkt, das hauptsächlich für die Anwendung in der Veterinärmedizin beworben wird. Bei diesem Produkt handelt es sich um eine wundseitig  mit perforierter Folie beschichtete Vliesstoffkompresse.
Rondopad ist steril, einzeln in Papier ohne weitere Innenverpackung eingesiegelt, zur sterilen Applikation wäre also eine sterile Pinzette oder sterile Handschuhe notwendig.
Aufgrund der Festigkeit ist das Zurechtfalten eher nicht praktikabel, Rondopad ist aber in verschiedenen Größen erhältlich und lässt sich auch sehr gut zuschneiden. Bisher hat es noch mit keiner Wunde auf der ich es angewendet habe eine Verklebung gegeben. Die Vliesstofflage von Rondopad ist sehr saugstark, die Anwendung auf schwach sezernierenden Wunden kann ich folglich nicht empfehlen, da die Gefahr der Austrocknung besteht. Es ist anzunehmen, dass Selbiges auch für vergleichbare Produkte anderer Hersteller gilt.

Produkte verschiedener Hersteller:

An von mir (bisher) nicht genannten Produkten sollen hier beispielhaft genannt werden:

  • Askina Pad (vergleichbar mit Rondopad)
  • Solvaline N (beidseitige Beschichtung mit perforierter Folie erhöht die Anwendungssicherheit)
  • Vliwin (Saugkompresse mit Superabsorber und Verklebungsschutz durch wundseitiges Propylennetz)

 

Anwendungsbeispiel Rondopad:

Preise: (Stand 2013 beim Internetanbieter Apolux, alle Produkte in steriler Einzelverpackung)

 

 

 

 

 

 

Produkt  Abmessungen  Stk/Packung  Preis  Einzelpreis
Rondopad 10 x 10 cm 10 3,59 € 0,36 €
Rondopad 10 x 10 cm 100 26,95 € 0,27 €
Solvaline N 10 x10 cm 10 6,39 € 0,64 €
Solvaline N 10 x 10 cm 100 38,95 € 0,39 €
Askina Pad 10 x10 cm  10  6,39 € 0,64 €
Askina Pad 10 x 10 cm 100 40,95 € 0,41 €

 

 

 

 

 

Continue reading "Wundauflagen 1: Passive Wundauflagen (in Arbeit: Verlinkungen zu weiteren Artikeln folgen)"

Über diese Kategorie

Hier stelle ich die Produkte vor, Über deren Verwendung ich im Blog berichte.

Ich möchte in den Artikeln selbst keine zig Fußnoten und Erläuterungen haben. Spielt ein bestimmtes Produkt in einem der Artikel eine Rolle so taucht es in dem Artikel als Link auf und erfährt hier eine Beschreibung und Erläuterung.

Eins vorweg: Ich freue mich zwar über jede Zuschrift, die ein Nützliches Produkt aus eigener Erfahrung beschreibt und mich anregt es selbst zu testen. Werbung kann hier aber nicht platziert werden.

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Wundarten1: Epitheliale Wunden (aktualisiert: Bilder wieder eingefügt)

Zeichen: 8264
Zeilen: 165
Zwischensumme: 49,50€
einfache Bilder: 2
Grafiken: 1
Artikelpreis: 69,50€
Artikel ID: 11
Wozu diese Angaben?

Epitheliale/oberflächliche Wunden


Definition:

Als epitheliale Wunden werden Verletzungen bezeichnet, die nur die Epidermis und keinerlei tieferen Hautschichten betreffen. Bei ungestörtem Heilungsverlauf heilen diese Wunden ohne Narbenbildung, also unter vollständiger Reparation ab. Dies bedeutet, dass die Hautschicht, welche den Wundbereich von den Wundrändern her abdeckt sämtliche Funktionalität der zerstörten Epidermis wieder herstellen kann.


Abbildung1: epitheliale Wunde an der Rute einer Hündin durch Auflecken und Beknabbern nach (bereits abgeheiltem) Insektenstich


Um diesen Verletzungstyp anschaulicher zu machen, habe ich zwei schematische Grafiken erstellt:
Abbildung 2 ist eine schematische Darstellung des Aufbaus der Haut: Haare, Talg- und Schweissdrüsen habe für eine bessere Übersicht nicht dargestell. Eine exaktere Beschreibung des Aufbaus der äußeren Haut könnt ihr in einem gesonderten Artikel nachlesen (in Vorbereitung, wird dann hier verlinkt)


 Abbildung2: Schematischer Aufbau der Haut



Wie der Name "oberflächliche Wunde". bereits vermuten läßt sind bei diesem Wundtyp nur die beiden Schichten der Epidermis betroffen.  Durch eine oberflächliche Verletzung der, in der Lederhaut endenden, Blutgefäße kann es zu kleinen, punktförmigen Blutungen kommen. Aufgrund der dicht unter dem Wundgrund liegenden freien Nervenenden können epitheliale Wunden sehr schmerzhaft sein.
Hier eine schematische Darstellung:


Abbildung3: epitheliale Wunde(Schema)

Genese/Entstehung:

Bereits bei der üblichen Herrkunft dieser einfachen Wunden zeigt sich ein gravierender Unterschied zwischen Mensch und Tier:
Während solche oberflächlichen Wunden bei Menschen in den meisten Fällen als Schürfwunde (also durch die Reibung der Haut über eine raue Oberfläche) auftreten, dürften sie bei Tieren u.A. aufgrund der deutlich besseren Verschieblichkeit der Haut und den zusätzlichen Schutz durch das Fell deutlich seltener durch Abschürfung entstehen.

Die meisten mir bei Tieren bekannten epithelialen Wunden sind selbstbeigebracht, beispielsweise durch Kratzen, das intensive Belecken oder leichtes Beknabbern einer Körperregion; etwa als Reaktion auf Juckreiz, Schmerz oder psychische Anspannung.
Als Ursachen kommen neben psychischen Ursachen u.A. Parasitenbefall, Infektionen der Haut, Allergien, Schmerzhaftigkeit der tiefer liegenden Strukturen (z.B. Gelenke) in Frage. 
Ein häufiges, klinisches Bild stellt die sogenannte Leckdermatitis (über Leckdermatosen schreibe ich ggf nochmal einen gesonderten Artikel) dar.

Therapie: 

Die zu empfehlende Therapie hängt maßgeblich von der Herkunft der Wunde, ihrer Größe, einer eventuellen Infektion und dem Verhalten bzw den Haltungsbedingungen des Patienten ab.
Neben der Wunde an sich ist die Ursache zu klären und zu behandeln.

Insbesondere kleine, oberflächliche Wunden heilen (ggf nach erfolgter Wundreinigung) ohne weitere Versorgung unter Schorf ab. Soweit die Theorie und in der Humanmedizin im weitesten Sinne auch die Praxis.
Diese unproblematische Abheilung ist aber nur möglich wenn folgende Vorraussetzungen erfüllt sind:

  • es darf keine kritische Kolonisation oder Infektion vorliegen
  • der Patient und mit ihm zusammenlebende andere Tiere dürfen die Wunde nicht belecken, beknabbern oder sie wieder aufkratzen
  • die Wunde muss so lokalisiert sein, dass sie bei den Haltungsbedingungen des Patienten keiner andauernden, weiteren Verschmutzung, mechanischer Belastung oder Neubesiedelung mit Infektionserregern ausgesetzt ist

Während diese Vorraussetzungen bei Menschen häufig erfüllt sind ist hier selbst bei größeren, epithelialen Wunden meist keine Behandlung zwingend notwendig. Eine Abdeckung von epithelialen Wunden erfolgt bei Menschen eigentlich nur dann, wenn sie sich an Stellen befinden an denen Narbenbildung aus kosmetischen Gründen unerwünscht ist oder wenn sie so lokalisiert sind, dass Kleidung anhaftet oder surch Wundsekret verschmutzt wird.
In der Tiermedizin zwingt allein die Tendenz vieler Tiere zum Belecken der Wunden häufig zu mindestens zu einem Leckschutz.
Auch wenn die Maniulation der Wunde durch den Patienten häufig bereits durch einen Leckschutz  unterbunden werden kann, sollte zumindest bei größeren Wunden eine Abdeckung der Wunde mit einer modernen Wundauflage in Erwägung gezogen werden, die Vorteile liegen auf der Hand:

  •  praktische Aspekte:
    • der Patient kann auch dann nicht ohne Weiteres an die Wunde gelangen, wenn ihm der Leckschutz einmal abgenommen wird
    • Artgenossen/anderen Tieren wird der Zugang zur Wunde verwehrt
    • eine Verschmutzung/mechanische Belastung der Wunde wird vermieden
    • Wundsekret wird von der Wundauflage aufgenommen und verschmutzt nicht das Umfeld des Tieres/Tierhalters
  • Vorteile des feuchten Wundmileus durch modernes Wundmanagement gegenüber der trockenen Heilung unter Wundschorf:
    • Wundschorf wird leicht ungewollt von der Wunde gerissen, öffnet die Wunde dann wieder für Infektionserreger und verzögert die Heilung
    • Die Neubildung von Zellen und deren Einwanderung in das Wundgebiet werden durch Wundschorf stark ausgebremst und erfolgen im feuchten Wundmileu deutlich schneller (manche Quellen sprechen von 40% schnellerer Heilung bei feuchtem Wundmileu, Andere gar von 100%)
    • im Gegensatz zu modernen Wundauflagen bietet Wundschorf keinen zuverlässigen Schutz vor dem Eintrag von Infektionserregern
    • Wundschorf ermöglicht keinerlei Kontrolle der Wunde während der Heilung, Wundinfektionen fallen oft erst spät auf (etwa wenn die Wundumgebung Anzeichen einer Entzündung zeigt)
    • überschüssiges Wundexsudat, welches von modernen Wundauflagen gebunden oder abgeleitet wird kann sich unter dem Wundschorf ansammeln und einen Nährboden für Infektionserreger bilden
    • bei feuchter Wundheilung entsteht weniger Juckreiz, der Patient wird weniger zur Manipulation verleitet
    • bessere Heilungsergebnisse (stark verminderte Narbenbildung auch bei größeren Defekten) erhöht den Erhalt der Funktion der verletzten Bereiche

In der Humanmedizin sind bei epithelialen Wunden Hydrokolloide (Link folgt) Mittel der Wahl.
In der Tiermedizin, kann ich nur unter Berücksichtigung einiger Aspekte zu diesen Auflagen raten:
Hydrokolloide erzeugen eine sogenannte Okklusion, einen Abschluss, der eine mehrtägige Wundruhe erforderlich macht und darüber hinaus für infizierte Wunden kontraindiziert ist. Da das Infektionsrisiko aufgrund des größeren Eintrages an Infektionserregern (z.B. durch Speichel) bei Tieren oftmals höher ist, hat es sich für mich bewährt die Wunde zunächst ca 2-3 Tage lang antiseptisch und nichtokklusiv zu versorgen und  täglich zu kontrollieren. Anschließend kann auf Hydrokolloidverbände oder andere Auflagen und längere Tragedauer gewechselt werden.  Welche Wundauflagen geeignet sind hängt maßgeblich von der Exsudatmenge ab. Viele Wundauflagen Hersteller bieten ihre Wundauflagen zusätzlich in einer "Version" mit Silber, PHMB oder einem anderen antiseptischen Wirkstoff an, die bei kritischer Kolonisation gewählt werden kann.

lokale Wundtherapeutika (links mit Erläuterungen folgen):

  • Hydrogele (bei zu geringer Exsudation/drohender Austrocknung)
  • antiseptische Wundspüllösungen: Prontosan, Octenillin (zur Reinigung der Wunde)
  • antiseptische Wund- bzw Hydrogele: Prontosan, Octenisept

Wundauflagen (Verlinkungen folgen):

  • schwache Exsudation (Wunde muss vor drohender Austrocknung geschützt werden)
    • Hydrokolloid (Kontraindikationen beachten!)
    • Hydroballance
    • Hydrogel
    • hydroaktive Wundgazen
    • Schaumstoff (bei gleichzeitiger Hydrogelverwendung)
  • mäßige Exsudation (Wunde ist ausreichend feucht)
    • Vliesauflagen mit Aluminiumbedampfung/-beschichtung
    • Wunddistanzgitter
    • Schaumstoffauflagen
    • Hydrokolloide
    • Rondopad
  • starke Exsudation (überschüssiges Exsudat muss gebunden werden)
    • Alginate
    • Hydrofiber
    • Schaumstoffauflagen
    • Rondopad
  • infizierte, kritisch kolonialisierte oder Wunden mit schlechter Heilungstendenz
    • Alginate + AG
    • TenderWet
    • Cutimed Sorbact
  • bedingt geeignete Wundauflagen ("besser als nichts")
    • imprägnierte Wundgazen
    • ggf mit passiver Sekundärauflage zur optimierung des feuchten Klimas
  • kontraindizierte Wundauflagen (völlig ungeeignet)
    • alle passiven Wundauflagen ohne "Antihaftbeschichtung" (Mull, Vliesstoff, ..)

Bei infizierten und infektionsgefährdeten Wunden muss stets der behandelnde Tierarzt konsultiert und in die Therapieentscheidung miteingebunden werden!

Siehe auch:  Wundversorgung: oberflächliche Wunden (folgt)

Quellen:

Wild, Thomas: Manual der Wundheilung (2011)

Voggenreiter, Gregor: Wundtherapie - Wunden professionell beurteilen und erfolgreich behandeln (2009)

Lippert, Hans: Wundatlas Kompendium der komplexen Wundbehandlung(2012)

Anette Seidel: Fortbildung - moderne Wundversorgung

Michael Nerlich,Alfred Berger: Tscherne Unfallchirurgie: Weichteilverletzungen und Infektionen, Band 6 (2002)

Striebel, Hans Walter: Operative Intensivmedizin: Sicherheit in der klinischen Praxis (2007)

Vasel-Biergans, Anette: Wundauflagen für die Kitteltasche (2010)

Wasserstoffperoxid und Sonnenblumen

Zeichen: 9888
Zeilen:  197
Artikelpreis: 29,55€
Artikel ID: 05
Wozu diese Angaben?

Es gibt so Tage....
an denen die gesamte Belegschaft einer Tierarztpraxis ihren Job hasst.
Dieser Tag war so einer.

Eigentlich begann er wie jeder Andere und ich machte meinen Rundgang durch die Praxis. An diesem Tag war keine Vormittagssprechstunde, weil 2 zeitaufwändige Operationen anstanden.
Während meine Cheffin mit der ersten Operation begann, richtete ich die Instrumente für die Nächste; als das Telefon klingelte.

Aus dem Höhrer vernahm ich ein kaum verständliches Schluchzen und brachte ersteinmal ein paar ruhige Worte an, innerlich mehr als froh grade ausnahmsweise mal nicht unter Zeitdruck zu stehen.
Wenige Worte später erkannte ich unsere Kundin Frau Bach, deren Pudel Max regelmäßig die Praxis aufmischte, im guten Sinne.

An diesem Morgen war Max unbemerkt aus der Terrassentür entwischt und durch das nicht richtig verschlossene Gartentor spaziert. Als er auf der anderen Straßenseite seinen guten Freund, den Briefträger sah zischte Max los, direkt vor ein Auto.
Ein wenig tröstete es mich, dass aus der zittrigen Erläuterung des Frauchens hervorging, das Max sofort tot gewesen sein muss. Wenigstens kein schmerzhafter, qualvoller Tod auf dem Beifahrersitz, während Herrchen/Frauchen mit durchgetretenem Gas noch versucht zum Tierarzt zu gelangen, wie es leider keine Seltenheit ist.
Das ist dann nicht nur schlimm für das Tier, sondern auch traumatisierend für den Halter.

Mäxchen auf jeden Fall liege nun in eine Decke gewickelt in ihrem Hauswirtschaftsraum, der Briefträger (wohl ein Freund der Familie) habe verhindert, dass sie ihn nocheinmal ansieht, er sei blutverschmiert und "völlig zerfetzt" wodrunter ich mir gar nichts vorstellen konnte und wollte.
Sie habe schon mit dem Tierbestatter, der die Einäscherung organisieren würde telefoniert, aber der könne Mäxchen erst am Abend abholen und sie könne es nur schwer ertragen ihr "zerfetztes Mäxchen" solange im Haus zu haben, außerdem machte sie sich verständlicher Weise Sorgen um ihre Kinder.
Zwar empfehlen wir grundsätzlich eher auch Kindern den Abschied von ihrem toten Kameraden zu ermöglichen, aber selbst bei intakten Leichen gibt es Kinder, die das nicht so gut verkraften und der Anblick eines überfahrenen, blutverschmierten Pudels ist wirklich weit weg von dem wovon ein Kind friedlich Abschied nehmen kann.
Wir vereinbaren, dass Mäxchen den Rest des Tages bei uns in der Praxis verbringen und dann abends vom Bestatter bei uns abgeholt werden soll. Wenig später erscheint Frau Bach in Begleitung eines blutverschmierten, kreidebleichen Briefträgers, der mir ein, in eine große Decke eingewickeltes, Mäxchen überreicht.
Die Halterin übergibt mir noch eine Tüte mit Mäxchens Lieblingsdecke, gegen die ich die vollgeblutete "Packdecke" austauschen könne, falls der Bestatter ihn so nicht mitnähme.
Meine Cheffin nimmt Halterin und Briefträger mit in die Teeküche und läßt beide bei einem Kaffee ein bischen zur Ruhe kommen ehe sie sich bei dem Gedanken sie heimfahren zu lassen wohl fühlt.
Nach der zweiten Op fährt meine Cheffin wie üblich ihre Tochter von der Schule abholen und daheim das Essen vorbereiten, um dann zur Nachmittagssprechstunde zurückzukehren.

Meine Aufgabe besteht in diesen Stunden darin, den OP und die Instrumente schnellstmöglich wieder einsatzbereit zu machen, falls ein Notfall kommt, dann habe auch ich Zeit für ein Mittagessen.
Nachdem der OP wieder verfügbar ist möchte ich mich auch eben von Mäxchen verabschieden. Als ich die "Packdecke" abwickel merke ich, dass die Hundehalterin nicht übertrieben hat. Das einst mehr oder weniger weiße Pudelchen ist blutverkrustet, hat die Augen weit aufgerissen und am Köpfchen klaffen zwei hässliche Wunden.
So werde ich das Mäxchen nicht auf seine letzte Reise schicken, das ist mal sicher.
Aus dem "Übungsschrank für Angestellte" besorge ich mir ein bischen abgelaufenes Nahtmaterial, aus dem Lager hole ich Wasserstoffperoxid. Die praxisübliche 3%ige Zubereitung bleicht nicht, eigenet sich aber hervoragend als Blutlöser.

Langsam, aber für meine minimalen Fähigkeiten gar nicht so übel, nähe ich Mäxchens Wunden zu, mit Hilfe von ziemlich viel Wasserstoffperoxid und Leitungswasser wasche ich das Blut aus seinen Locken.
Nachdem ich ihn trockengerubbelt, etwas gefönt und ein bischen gebürstet habe schaut er schon wieder eher nach Mäxchen aus.
Einige Tropfen Sekundenkleber schließen seine Augen für immer zu einer friedlichen Miene (ein Trick dessen ich mich auch gerne bediene, wenn verstorbene Tiere von ihren Haltern mitgenommen und daheim bestattet oder selbst zum Einäschern gebracht werden). Als ich ihn dann schließlch in seine Lieblingsdecke kuschel bin ich zwar immernoch hungrig, kann den Gedanken, dass Mäxchen nie wieder mit dem Ball in der Schnute zur Türe reingeturnt kommen wird aber deutlich besser akzeptieren, dafür reicht dann auch ein Notfallmüsliriegel.

Da gegen Ende der langen Dienstagnachmittagssprechstunde erfahrungsgemäß weniger los ist und nicht selten der Lebensgefährte meiner Cheffin mit anpackt endet mein Dienst etwa eine Stunde vor Sprechstundenende, an Tagen wie diesen kann es mir eh nicht schnell genug gehen bis ich meine eigenen Fellgesichter wieder in die Arme schließen kann.

Bevor ich gehe halte ich noch mit dem Tierbestatter telefonisch Rücksprache und erinnere meine Cheffin daran, dass er Mäxchen wie üblich etwa 10 Minuten nach Sprechstundenende abholen wird.

Daheim gehts erstmal los, mit meinen Jungs entlang der Rennstrecke, alle traurigen Gedanken sind fort, sobald die Jungs rennen und mir der Wind durchs Gesicht streicht.

Als ich mich für diesen Beruf entschied fürchtete ich mich vor Einschläferungen, das hat sich schnell geändert. Zu oft bin ich froh, dass es bei alten/leidenden Tieren diese Möglichkeit gibt sie in Frieden gehen zu lassen und grad bei älteren Tieren, die ein gutes Leben haben komme ich sehr gut damit klar, sogar wenn es meine eigenen sind.
Als Tierarzt/Tierarzthelfer arbeitet man nunmal viel mit alten/kranken Tiere und die sterben nunmal auch irgendwann.

Aber dagegen, dass es mich aus der Bahn wirft, wenn ein junges/gesundes Tier so sinnlos sein Leben lassen muss kann und will ich nichts tun, dennoch gehört es dazu auch mit soetwas fertig zu werden und am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder freundlicher aus.

Auf Arbeit geht alles seinen gewohnten Gang, vormittags freie Sprechstunde, Mittags Papierkram und bloß das Essen nicht vergessen und Nachmittags die Terminsprechstunde. Kurz vor Sprechstundenende reinige ich auf Station die Boxen, als die Türe aufgeht und ich meine Cheffin höre, wie sie sagt "Hier ist sie."

Als ich mich umdrehe steht Mäxchens Halterin vor mir, weinend mit einer Schachtel Pralinen in der einen und einer Sonnenblume in der anderen Hand. Wortlos nimmt sie mich in die Arme, schaut mich an und presst ein "Danke" über ihre Lippen. Dann reicht sie mir Pralinen und Blume, legt mir kurz die Hand auf die Schulter, schenkt mir ein trauriges aber warmes Lächeln und geht wieder.

Ich hingegen stehe etwas verdattert da, weiß nicht so recht wie ich das einordnen soll und verstehe ehrlich gesagt nur Bahnhof.
Ich spule den Vortag nochmal ab, morgens hat sie mich angerufen, da hab ich mir zwar Zeit genommen, aber das war nu nichts Besonderes. Als sie Mäxchen brachte war es meine Cheffin die erstmal Kaffee machte und als ich Mäxchen "hübsch" gemacht habe war sie längst wieder weg. Zwischen meinem Feierabend und Mäxchens Abholung war sie meines Wissens auch nicht nochmal in der Praxis, warum auch? Für die "Aufbewahrung" bis zur Abholung durch den Bestatter fallen keine Kosten an, die sie hätte zahlen können und dass sie Max nochmal sehen wollte schließe ich völlig aus zu entschlossen klang ihr "Ich behalte ihn im Herzen wie er war."
Dass ich ihn etwas "aufgehübscht" habe konnte sie eigentlich überhaupt nicht wissen.

Zum Glück ist es in der Praxis grad ruhig und so tapere ich mit meiner Sonnenblume, den Pralinen und einem vermutlich noch immer extrem "Nulldurchblick-Gesicht" in die Teeküche und frage meine Cheffin ob sie mich nicht mal aufklären könne, ihre Erklärung leuchtet ein:

Frau Bach hatte den Bestatter "vorgewarnt", ihm beschrieben, dass er einen weißen Pudel abholen solle, dem man sehr deutlich ansehe, dass er unter ein Auto gekommen sei.
Er hatte folglich auch einen entsprechenden Anblick erwartet, etwa den, der sich mir beim Öffnen der Decke geboten hatte.

Meine Cheffin erzählt mir weiter, dass er sichtlich verunsichert fragte ob das sicher der Hund der Frau Bach sei.
Da es nicht völlig ungewöhnlich ist solche Tiere nochmal zu waschen war meine Cheffin da weniger überascht und meinte nur, dass sie den Hund kenne, sich sicher sei und ihre Angestellte den kleinen Mann wohl für seine letzte Reise etwas schick machen wollte.

Während Frau Bach uns gegenüber nur gesagt hat sie wolle Mäxchen gar nicht tot sehen, sondern ihn lebend in Erinnerung behalten, hat sie dem Bestatter gegenüber wohl eingeräumt, dass sie es lieber hätte, wenn sie und die Kinder sich verabschieden könnten, grad ihr Jüngster sei damit, dass Pudelchen "einfach weg" sei sichtlich überfordert. Aber die vom Briefträger beschriebenen Wunden, die aufgerissenen Augen und das viele Blut ließen ihr keine Wahl.

Nachdem nun also dieser Bestatter (ein guter, kluger Mann) Mäxchen in sein Auto getragen und dort nocheinmal begutachtet hatte, zückte er sein Handy und rief Frau Bach an um ihr mitzuteilen, dass Mäxchen in der Praxis von den Spuren dieses Unfalls befreit worden sei und nun einen friedlichen, schlafenden Eindruck mache, ihre Adresse läge ohnehin auf seinem Weg und wenn sie ihm einen Kaffee koche käme er gern noch eben rum, damit die Familie Abschied nehmen kann.

So ist es dann auch geschehen und scheinbar hat es gut getan. Schon seltsam, was ein paar Nadelstiche, Wasserstoffperoxid und Sekundenkleber erreichen können, wenn man einen so aufmerksamen Tierbestatter hat.

Ich hoffe er hat auch Pralinen bekommen

und eine Sonnenblume.

Lohn und Arbeit

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Muss ich fürs Vetmedblog bezahlen?
Nein, ich überlasse es jedem Leser selbst ob und in welchem Umfang er meine Arbeit vergüten möchte.


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Nicht direkt. Bei Paypal fallen Gebühren an, die Geldanweisungen im einstelligen Centbereich wohl vollständig aufknuspern.

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Wenn ich einen Artikel für eine Fachzeitschrift schreibe, dann erhalte ich etwa 30-40ct pro Zeile (50 Zeichen) und 15 Euro je abgedrucktes Bild.
"Gebührenmäßig" möchte ich die Artikel hier in 3 Kategorien teilen:

  • Artikel in der Kategorie "Fraukie und Hof" in der ich mich vorstelle und über meine Tiere und mich berichte erhalten keine ID und keine "Preisangabe"
  • Anekdoten und Unterhaltsames setze ich mit 15ct je Zeile/50 Zeichen an  
  • Fachartikel "berechne" ich mit 30ct pro Zeile/50 Zeichen Der Grund liegt darin, dass das Niederschreiben von Anekdoten weniger zeitintensiv ist als die Recherche und Aufbereitung von Fachartikeln. Pro umfangreich bearbeitetes Foto, komplexere Grafik und je umfangreichere Tabelle veranschlage ich 10 Euro, bei einfachen Fotos, Grafiken und Tabellen 5 Euro.

Warum überhaupt die Möglichkeit zu zahlen?
Oft muss ich schmunzeln, wenn ich in Foren lese "Spende für den Erhalt/Betrieb des Forums!", denn tatsächlich sind die eigentlich anfallenden Kosten für den Betrieb eines Forums oder Blogs eher gering. Was nicht gering ist, ist der Arbeitsaufwand, wenn man eine Plattform nicht nur bereitstellt, sondern auch selbst mit Inhalten füllt. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich dieses Blog so gestalten kann, dass zumindest die Aussicht darauf besteht, dass mir ein Teil der Arbeit, die ich hier reinstecke vergütet wird aber ohne den Lesern, die nichts zahlen etwas vorzuenthalten. Auch wollte ich unter allen Umständen das Wort "Spende" vermeiden, denn eine Spende ist immer etwas, das man ohne direkte Gegenleistung erhält und mit dem Annehmen von Spenden habe ich mich schon immer mehr als schwer getan. Lieber nenne ich das Kind beim Namen und gebe zu, dass ich für mich und meine Tiere Rechnungen zu zahlen habe, mein Studium Geld kostet und ich seit ich mich entschieden habe Tierärztin zu werden generell erhebliche Summen in meine (Aus)Bildung investiert habe und weiterhin investiere.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt Bücher zu schreiben, aber bisher setzten sich immer die Zweifel durch. So z.B. die reine Problematik, dass ich ein Buch entweder selbstveröffentlichen, also den Druck vorfinanzieren muss oder aber die Rechte an einen Verlag abgeben was es mir dann unmöglich macht Abschnitte, die ich für wichtig halte öffentlich zugänglich im Netz zu veröffentlichen. Immer hängten sich meine Gedanken auch daran auf. dass Bücher wie ich sie schreiben möchte (Ratgeber) doch immer zu spät zur Hand sind und jedes "Hätte ich DAS mal so vorher gewußt..." für eine Menge Ärger steht, den Mensch und Tier ausbaden müssen. Einer weiterer Grund warum ich lange darüber nachgedacht habe Bücher zu schreiben ist der, dass mir ständig und von allen Seiten gesagt wurde und wird: "Niemand bezahlt etwas, das er auch umsonst haben kann".
Ist das wirklich so? Probieren wir es doch einmal aus.
Eine "Paywall" würde gegen alles verstoßen an das ich "glaube" und deswegen habe ich mir die Existenz dieses Blogs so vorgestellt:
Ich schreibe bis auf Weiteres je nachdem wieviel ich schaffe mindestens einen Artikel in der Woche. Das werde ich immer und unter allen Umständen tun und auch völlig unabhängig davon ob meine Leser bereit sind die Artikel zu bezahlen. Über jeden Artikel, der über eine kurze Bemerkung hinausgeht werde ich schreiben wieviel der Artikel kosten würde, außerdem bekommt jeder Artikel eine ID. Wenn Euch der Artikel gefällt/weiterhilft und ihr mich für meine Arbeit bezahlen möchtet, dann könnt ihr einen Betrag Eurer Wahl entweder per Paypal oder Überweisung zahlen. Schreibt dazu immer Euren Namen und die ID des Artikels für den ihr bezahlen möchtet. Per Email sendet ihr mir dann Eure Daten zu und erhaltet nach Zahlungseingang ein Quittung mit ausgewiesener Mehrwehrtssteuer. Die Untergrenze „ein Artikel/Woche“ setze ich deswegen, weil ich hier niemanden "erpressen" möchte: ich werde also nicht weniger schreiben, weil keine Zahlungen eingehen, kann aber mehr von meiner Zeit, die ich sonst in andere „Geldverdiensachen“ stecken müßte, mit recherchieren und schreiben verbringen sollten die Artikel auch entsprechend vergütet werden. Mit irgendwas muss ich das Stopfen der Mäuler und mein Studium finanzieren, dat ist einfach so.
Ein Statement, das mir sehr wichtig ist: Ich freue mich über jeden Leser und jeder Leser ist mir ausdrücklich willkommen. Hier gibt es keine "Schwarzleser". Bezahlt mich für meine Arbeit, wenn ihr das könnt und möchtet aber fühlt Euch nicht schlecht, schuldig oder unwillkommen, wenn ihr das nicht könnt. Auch wenn ihr mich anschreibt, weil ihr Rat oder Hilfe benötigt, hängt die Geschwindigkeit meiner Antwort davon ab wieviel Zeit ich grade habe, niemals aber davon ob ihr "Zahler" oder "Nichtzahler" seid!

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Die Kategorie "Anekdoten aus der Tierarztpraxis" greift tatsächliche und mögliche Begebenheiten aus dem Alltag in einer Tierarztpraxis/Tierklinik oder bei anderen Dienstleistungen rund ums Tier auf und verarbeitet diese verfremdet und künstlerisch zu unterhaltsamen Anekdoten.
Die in diesen Geschichten agierenden Personen sind grundsätzlich frei erfunden, sollten dennoch einmal Ähnlichkeiten zu tatsächlichen Personen bestehen so sind diese rein zufällig und in keinster Weise beabsichtigt.

Überlässt mir ein Gastautor eine Geschichte aus seinem Umfeld zur Veröffentlichung, so hat er selbst Sorge dafür zu tragen, dass durch die Art der Schilderung keinerlei Rechte Dritter verletzt werden.

Über diese Kategorie

Vieles an Leid auf Seiten der Tiere und mindestens genauso viel Frust und Enttäuschung seitens der Menschen könnten vermieden werden..

Früher habe ich immer gesagt, dass es all dieses Leid und diesen Frust nicht gäbe, würden sich Menschen, die ein Tier zu sich nehmen möchten vor der Anschaffung schlau machen.

Wie falsch und arrogant diese Annahme war, habe ich erst später erkannt und mich auch an meine Kindheit erinnert.

Aus heutiger Sicht und mit jetzigem Wissensstand ist das Leid, das die Meerschweinchen, die man mir als Kind anvertraute gar nicht in Worte zu fassen. Sie vegetierten alleine ohne Artgenossen in viel zu kleinen Käfigen und erhielten völlig falsches Futter. Dabei wollten meine Eltern alles richtig machen. Meeri 1 Fiffi kam von Bekannten die "züchteten". Dort hatten die Meeris es sonst gut. lebten in Gruppen, hatten Platz und Heu. Aber in dem Buch das meine Mutter kaufte, stand ja, dass Meeris so anpassungsfähig sind, dass sie auch alleine mit einem Mensch als Freund glücklich sind. In der gleichen Zoohandlung, in der dieses Buch gekauft wurden war, verkaufte man meiner Mutter auch einen winzig kleinen Käfig, der ausreichend sei, wenn das Tier denn ab und zu Auslauf in der Wohnung hätte und Meerschweinchenfutter, dass angeblich alles enthielt, was für das Meeri wichtig sei. Heu... das war eher Beiwerk, WIE wichtig reichlich gutes Heu für Meeris ist, das stand weder in dem Buch noch sagte man es in der Zoohandlung, warum die Züchterin es nicht Mitteilte, das weiß ich nicht, ich selbst war auch noch viel zu klein um selbst irgendwas zu entscheiden, aus heutiger Sicht ganz sicher zu klein für ein eigenes Tier, aber meine Eltern hatten auch von Anfang an vor sich mit zu kümmern, meine Versorgung zu kontrollieren und selbst für Fiffi dazu sein und genauso ist es auch geschehen.

Es lief also alles falsch. Fiffi hatte in schreckliches Leben und starb mit 5 Jahren an etwas, das ich als virusbedingten Durchfall in Erinnerung habe, heute weiß ich, dass es sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die falsche Haltung und Ernährung sein Todesurteil war.

Und all dies geschah obwohl meine Eltern sich informiert hatten und alles richtig machen wollten. Das Wohl des Tieres war ihnen wichtig, genutzt hat dem Tier das so gar nicht.

Die Geschichten von leidenden Tieren und frustrieren Menschen, die ich heute erlebe ähneln auch 25 Jahre später noch dem Schicksal der Tiere meiner Kindheit.
Ich habe mit Menschen zu tun, die nur das Beste für Tier und Mensch wollten.
Diese Menschen gerieten dann an schlechte Ratgeber (sowohl Mensch als auch Literatur) und immer wieder ist das Problem das Gleiche:


Es gibt kein Patentrezept, dass es dem Laien ermöglicht einen guten Rat von einem Schlechten zu unterscheiden.

Am sichersten erscheint es mir, nachzulesen, wie das ausgewählte Tier natürlicher Weise leben würde. Dann zu überlegen wie diese Bedürfnisse in der Haustierhaltung umgesetzt werden können. Anschließend hat man eine gewisse Datenbasis anhand derer man abgleichen kann ob diese Tierart den Erwartungen, die man an den künftigen Hausgenossen hat gerecht werden kann und ob man in der Lage ist ihm ein gutes Heim zu bieten.

Ich möchte nach und nach die Eigenheiten und Bedürfnisse der gängigen Haustierarten beleuchten und habe eine erste Checkliste aufgestellt anhand derer ich dies vornehmen werde:

  • Lebensweise (solitär, Gruppe) 
  • Lebenserwartung
  • Eignung für Kinder / Beziehung zum Menschen
  • Platzbedarf/Auslauf
  • Pflegeaufwand/Kosten/Hygiene
  • Ernährung/Eignung der Handelsfutter als Alleinfutter/Futterkosten
  • Bezugsquellen
  • Erstanschaffungs-/Grundausstattungskosten
  • regelmäßige Tierarztkosten
  • Unterbringung/Fremdversorgung im Urlaub bzw Mitnahme auf Reisen

Ggf ändert sich diese Liste noch einmal, aber im Wesentlichen wird es das sein.
Beginnen wird meine Beleuchtung der unterschiedlichen Spezies vermutlich mit:

  1.  Meerscheinchen
  2. Hamstern
  3. Kaninchen
  4. Mäuse

Da diese 4 auf meiner persönlichen Liste der "am häufigsten und gravierensten mißverstandenen Haustierarten" ganz oben stehen und ich insbesondere Meerschweinchen, Mäsuen und Hamstern gegenüber noch etwas gut zu machen habe. Das ist alles was ich tun kann um dem fürchterlichen Dasein der Haustiere meiner frühen Kindheit wenigstens noch ein Denkmal zu setzen. 

Über diese Kategorie

Berichte über die Arbeit in einer Tierarztpraxis sind eine sensible Sache.
Nicht nur rechtlich schützt die (wichtige!) Schweigepflicht all das, was rund um Mensch und Tier passiert, auch der Ruf einer Praxis und das Vertrauen bestehender und zukünftiger Patientenbesitzer hängt maßgeblich von der Verschwiegenheit der Mitarbeiter ab.

Aus diesen Gründen, beschränke ich mich bei den hiesigen Geschichten stets darauf, dass die Grundinfo der Geschehnisse unverfälscht klar wird. Namen von Haltern und Tieren, Berufe der Halter, Tierarten, Rassen und auch die exakten Krankheitsbilder sind frei erfunden.

Die Geschichte der Menschen und Tiere ändert dies nicht, aber es schützt die Privatsphäre der Betroffenen.

Beispiel: Wenn ich die Geschichte von Menschen und ihrem Tier erzählen will, das von daheim weglief, viele km später verletzt auftauchte, beim Tierarzt gesund wurde und über viele, verschlungene Wege wieder zurück nach Hause kam, dann ist es für die Geschichte doch völlig egal, ob es sich um einen Hund handelte, der ein Vorderbein verlor oder eine Katze, die schließlich mit einem Hinterbein weniger, aber ansonsten gesund zurück in den Armen ihrer Halter landete.

Es ändert den Weg von Mensch und Tier nicht. Aber die Geschichte wird lebendiger, wenn "Herr und Frau Müller ihre Katze Mimi wieder in die Arme schließen konnten.
Ihr habt eine lebendige Geschichte und "Herr und Frau Meier", die samt Hund Bello wirklich hinter diesen Ereignissen standen bleiben wie es ihr Recht ist: völlig anonym.
Viele der hier geschriebenen Geschichten liegen Jahre zurück, andere sind aktuell und wieder andere enthalten Elemente aus mehreren, unterschiedlichen Begebenheiten.
Ich habe in mehreren Bundesländern, bei unterschiedlichsten Tierärzten gearbeitet und so sind auch die Orte dieser Geschichten bunt verstreut. Da wo ich sie hier ansiedel, muss also eine Geschichte tatsächlich gar nicht gespielt haben und ob Bayern oder Hamburg ist doch auch ganz egal.

Manchmal wird vielleicht ein Leser fälschlicherweise glauben sich wiederzuerkennen, ein Anderer wird gar nicht merken, dass Elemente seiner Geschichte hier eingeflossen sind.

In jedem Fall eins vorweg: Ich schreibe die Geschichten absichtlich so auf, dass keinerlei Rückschlüsse auf die wahren Beteiligten möglich sind! Jedwede Nachfrage ob es sich vielleicht um Person X oder Y handelt, ob die Geschichte der "Katze mit dem Hinkebein" wirklich um eine Katze spielte oder in Wirklichkeit um einen Hund, ob Tierarzt XY in der Geschichte vorkommt, oder oder oder bitte ich also zu unterlassen!
Ich werde unter keinen Umständen Infos dazu rausgeben.
Auch wenn eine Geschichte bereits 10 Jahre zurückliegt und auch wenn beteiligte Personen bereits verstorben sind oder sich gewaltig daneben benommen haben: ihre Privatsphäre ist ein Recht, dass ich unter keinen Umständen verletzten werde.
Ausnahme: wenn ich mich rückversichert habe, dass es ihnen Recht ist und die Anonymität der anderen Beteiligten nicht stört, dann werde ich die Helden einiger Geschichten auch beim Namen nennen.
Ich hoffe, dass Ihr das versteht.