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Hundebekleidung: Sinn oder Unsinn? (in Arbeit)

In Arbeit: damit der Artikel nicht erst online geht, wenn die fragliche Jahreszeit vorbei ist habe ich erstmal die vorläufige Version online gestellt. In jedem Fall werde ich noch detailierte Fotos einfügen, ganz sicher auch noch ettliche Tippfehler eliminieren und ggf auch noch einige Formulierungen umstellen/vereinfachen/kürzen. 

1. same procedure as every year

2. Früher gabs doch auch nur für kleine Hunde Kleidung, warum ist da heute anders?

3. "Grosse Hunde brauchen keine Klamotten! Nur kleine Hunde frieren!"

4. "Der hat genug Fell!"

5. Wölfe tragen auch keine Mäntel!

6. Was denn nun? Anziehen ja oder nein?

7. Was für Möglichkeiten gibt es, wo liegen die Vor- und Nachteile?

8. Sinnvolle Sommerbekleidung für Hunde, gibt es sowas überhaupt?

9. Und was ist mit Kleidung zum Schutz von chirurgischen Nähten bzw Wunden und Läufigkeitshosen für Hündinnen?

10. Fazit


1.same procedure as every year

Der Herbst neigt sich dem Ende, der Winter steht vor der Tür.
Wie jedes Jahr, habe ich Magnis Pullover mit meinen Winterjacken vom Dachboden geholt und gewaschen.  Filipendula, die im letzten Jahr noch nicht ausgewachsen war bekommt einen Pulli und einen Regenmantel neu, beides wird dann den Rest ihres Lebens halten.
Wie in jedem Jahr, wird Munin keine Kleidung anbekommen, er hat nie gezeigt, dass er das möchte, sollte dies aus welchen Gründen auch immer in diesem Jahr anders sein, dann liegt für ihn ein Pulli bereit, den er vor 5 Jahren mal für eine Woche trug, als eine größere Wunde an seiner Schulter Schutz bedurfte.

Wie in jedem Jahr werden mir auf unseren Spaziergängen vorallem zwei Typen von Menschen begegenen:
Die Einen, die entsetzt fragen warum der arme Munin als einziger keine Kleidung bekommen hat und
die Anderen, die nicht minder entsetzt fragen warum die anderen beiden angezogen sind, mindestens aber warum denn solch ein großer Hund (damit ist dann Magni gemeint) mit so dichtem Fell eine Jacke braucht.
Wie in jedem Jahr, werden all diese Personen von mir die gleiche kurze knappe Antwort bekommen:
"Weil die beiden ohne Pulli frieren und der Weisse (Munin) eben nicht."

Wie in jedem Jahr gehen jetzt überall in Hundeschulen, an Stammtischen, im Internet und wo immer Hundefreunde aufeinander treffen die Diskussionen los. Darüber ob man Hunde anziehen muss, soll oder vielleicht gar nicht darf.
Darüber ob Hunde überhaupt frieren können oder der Griff zu Mantel, Pullover oder Ähnlichem nicht eher einem Knachs des Halters zuzurechnen ist.

Um aus dieser same procedure as every year einmal auszubrechen, habe ich mich entschieden mein Statement hier nun einmal nieder zu schreiben. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen Hundehalter, der sich mit der Entscheidung schwer tut oder befürchtet sich mit Rechtfertigungen anderen gegenüber rumärgern zu müssen warum er sich nun für oder gegen Hundebekleidung entschieden hat.

Im ersten Teil dieses Artikels werde ich mich mit Winterbekleidung für Hunde, also dem Kälteschutz beschäftigen, da dies ohne Frage der größere Themenkomplex ist. Im letzten Abschnitt gehe ich dann nocheinmal auf das Thema Sommerbekleidung bei Hunden ein.

2. Früher gabs doch auch nur für kleine Hunde Kleidung, warum ist da heute anders?

Mit "Schrecken" erinnere ich mich noch an meinen ersten Windhund. Mit seinen knapp 70cm Schulterhöhe recht groß, aber mit nackigem Bauch, grundsätzlich kälteempfindlich und einer alten Verletzung im Ellenbogengelenk, die ihn  eindeutig bei Kälte quälte. Damals war es fast unmöglich überhaupt irgendeine Klamotte in seiner Größe zu finden. Auch wies die Optik und Beschaffenheit der erhältlichen Produkte darauf hin, dass es zu dieser Zeit noch deutlich mehr um "Fashion" ging, als darum Hunde vor dem Frieren zu schützen.
Die Diskussion unter Hundehaltern entsprach der Unsachlichkeit des Marktangebotes. Verhärtete Fronten auf beiden Seiten und sehr wenig sachliche Argumente.

Schon im nächsten Jahr, sah der Markt aber deutlich freundlicher aus und auch die Debatten unter den Hundefreunden gewannen hier und da an Sachlichkeit.
Auch ich kann nur darüber spekulieren, worin dieser Wandel begründet liegt, ich vermute u.A., dass die steigende Zahl an Windhundhaltern erheblich dazu beigetragen hat. Während ein Hundehalter, der einer Dogge oder einem Dobermann einen Mantel anzieht vielerorts noch seinerseits eines dicken Felles bedarf, stieß das "Einkleiden" von Windhunden seltsamerweise von Anfang an auf eine ziemlich breite Akzeptanz.
Eine andere Ursache wird schlicht und ergreifend sein, dass sich viele Fronten unter Hundehaltern ohnehin "aufweichen", es wird immer mehr von dem, dessen einziger Fürsprecher ein zünftiges "Na weil das immer schon so war" gewesen ist kritisch hinterfragt.

Heute kriegt man nicht nur eine Vielzahl verschiedener Hundebekleidungen selbst in Doggengröße, sondern hat es auch nicht mehr so schwer schlichtere Kleidung zu finden. Der "Modegag Hundekleidung" hat sich durch die geänderte Nachfrage zum seriösen Zubehör gemausert, zumindest vielerorts.

3.Grosse Hunde brauchen keine Klamotten! nur kleine Hunde frieren!

Gemeinsam ist diesen Aussagen erstmal, dass sie beide auf einen Ursprung zurückzuführen ist, der nicht einer gewissen Logik entbeehrt. Machen wir doch einen kleinen Ausflug in die Ökologie und ziehen die Bergmannsche und ergänzend die Allensche Regel heran, die durchaus verdeutlichen, dass unterschiedliche, morphologische Vorraussetzungen einem Hund auch vor unterschiedliche Anforderungen  hinsichtlich der Thermoregulation stellen. Die Bergmannsche Regel lehrt uns, dass wenn man einen Körper vergrößert, das Volumen in der 2. die Oberfläche jedoch in der 3. Potenz wächst.
Schlicht gesagt: ein kleiner Hund hat pro kg das er wiegt mehr cm² Körperoberfläche über die er Wärme verliert.
Nimmt man dann noch die Allensche Regel hinzu, die deutlich macht, dass auch (relativ zum Körper) größere "Anhängsel" wie etwa Ohren den Wärmeverlust erheblich erhöhen, dann  ist es ersteinmal nicht überaschend festzustellen, dass ein 1,5kg Chihuahua mit Radaröhrchen hinsichtlich der Thermoregulation andere Probleme hat als ein großer Herdenschutzhund, der im Verhältnis zum Körper auch noch recht kleine Ohren hat.
Desweiteren ist es wohl nicht umstritten, dass es in Bodennähe kälter ist und ein geringer Abstand zwischen Bauch und Boden auch ohne hohen Schnee nicht grad förderlich ist.
Es gibt also in der Tat eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, dass kleine Hunde schneller auskühlen als Große, aber man sollte meiner Meinung nach nicht den Fehler machen und den Umkehrschluss ziehen, dass große Hunde grundsätzlich nicht frieren.

4. "Der hat genug Fell!",

Das Argument, das Fell vor Kälte schützt ist ersteinmal ganz sicher nicht zu widerlegen. Dennoch kommt es weniger auf die Länge des Fells an als auf die Dichte und Beschaffenheit der Unterwolle. Mit "Beschaffenheit der Unterwolle" ist hier aber viel eher der Fettstoffwechsel der Haut gemeint. Eine Fettschicht auf der Haut, das weiß zumindest jeder Pferdehalter, schützt vor Nässe und vor Kälte. Eine dichte, durch die Talgdrüsen der Haut gut gefettete Unterwolle ist ganz sicher ein besserer Kälte- und Nässeschutz als ein noch so langes, seidiges Deckhaar. Letzteres kommt erstaunlich oft bei Hunde/Hunderassen vor die über keine sonderlich schützende  Unterwolle verfügen. Die "beste" Unterwolle hinsichtlich des Kälteschutzes kommt meiner Erfahrung nach bei Hundetypen mit "mittellangem Fell" vor, wie z.B. das Stockhaar des Schäferhundes.
Bei Hundetypen mit kurzem Fell liegt das Problem üblicher Weise nicht so sehr im Fehlen des langen Deckhaares, sondern eher darin, dass man bei diesen Hundetypen auch häufig kaum nennenswerte Unterwolle antrifft.  Während Rottweiler und Co dieses "Manko" vermutlich oft durch ihren kräftigen, gedrungenen Körperbau ausgleichen können kommen Dobermann, Dogge und Windhund schon des Öfteren ins Frösteln. Nur während man dem Windhund das sehr häufig zugesteht haben Dobermann und Dogge sehr oft das Pech, dass ihre Halter das nicht wahr haben wollen bzw Angst haben durch den Kauf einer Hundeklamotte doof da zu stehen.
Schaut man sich die kleinen, drahtigen West Highland White Terrier an, die meiner Erfahrung nach nur äußerst selten Probleme mit Kälte und Nässe haben und stellt eine schlotternde Dogge daneben, so entsteht zumindest aus meinen Beobachtungen der Eindruck, dass die Fellbeschaffenheit eine größere Rolle spielt als die Größe.

5. Wölfe tragen auch keine Mäntel!

Dieses Argument steht ganz oben auf der Top Ten Liste der Sprüche der "Hundeklamottengegner" und ich muss durchaus zugeben:
Dat stimmt schon so. Bekleidete Wölfe kommen statistisch betrachtet ausgesprochen selten vor.
Nur was das nun für den Haushund bedeutet versteh ich nicht so ganz.
Das man die Thermoregulation eines Wolfes, der  (so er in kälteren Gebieten lebt) recht groß ist, ein mittellanges "Stockhaar" mit äußerst dichter, gut gefetteter Unterwolle trägt und relativ zum Körper ausgesprochen kleine Ohren hat ohnehin nicht mit Hundetypen vergleichen kann, die morphologisch völlig anders beschaffen sind, das sollte einleuchten.
Aber auch Hunde, die sich morpholigisch nicht oder nicht deutlich vom Wolf unterscheiden sind nur sehr bedingt mit dem Wolf vergleichbar:
Der Wolf, lebt nämlich nicht, wie die meisten Hunde, ca 20 Stunden im beheizten Wohnraum und ist mit der Witterung nur für wenige Stunden am Tag konfrontiert.
Dies hat zum Einen damit zu tun, dass ein Hund der 24/7 draußen ist ein ganz anderes Winterfell ausbilden kann und zum Anderen damit, dass man sich mal klar machen muss welch erheblicher Temperaturdifferenz ein Hund, der sein Leben ca 20 Stunden am Tag bei seiner Menschenfamilie im Haus verbringt ausgesetz ist.
Viele Menschen heizen ihren Wohnraum auf Temperaturen von ca 20°C. Geht man dann Gassi, so ist es je nach Witterung beim Spaziergang mal eben 20, 30 oder sogar 40°C kälter als in dem Umfeld in dem der Hund den Großteil seiner Zeit verbringt.
Es gibt nuneinmal Hunde die das (unabhängig von Körpergröße und Fellbeschaffenheit) nicht so gut wegstecken können. Ein gesunder, mindestens mittelgroßer Hund mit "ausreichend Fell", der einen Großteil des Tages draußen lebt wird in der Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht frieren, solange es nur kalt ist, d.h. solange er sich vor dauerhafter Nässeeinwirkung schützen kann.
Aber auf die große Mehrheit der als Haustier gehaltenen Hunde trifft dies eben nicht zu. Die Mehrheit der Haushunde lebt mit der Familie (und das ist auch gut so!) im beheizten Haus und ist nur stundenweise der winterlichen Witterung ausgesetzt.

6. Was denn nun? Anziehen ja oder nein?

Wie so oft gibt es auf diese Frage keine Patentantwort, die Antwort ist individuell und hängt neben der Größe und der Fellbeschaffenheit auch noch von zahlreichen anderen Faktoren ab. Niemanden wird es wundern, dass ein sehr junger oder alter Hund ebenso wie einer in einem schlechten Ernährungszustand schneller friert. Eine weitere Rolle spielt die Aktivität. Ein junger, kleiner Terrier, der sobald die Tür aufgeht in flotter Bewegung ist (am Fahrad, Bälle Jagend, Spuren suchend, mit anderen Hunden spielend) wird möglicherweise nur für den Moment den er kurz an einer Ampel warten muss etwas frieren, während einem in die Jahre gekommenen Schäferhund, der gemütlich neben seinen Menschen herwandert bereits kurz nach der Haustür kalt sein kann.
Auch das eine bestehende oder grade überwundene Erkrankung "frieriger" macht dürfte einlechten. Neben den üblichen Infektionserkrankungen ist hier besonders auch an Erkrankungen des Bewegungsapparates zu denken. Grade für Hunde mit HD, ED, Arthrosen, diversen Wirbelsäulenerkrankungen usw kann es eine unglaubliche Entlastung sein, wenn sie bei kalter/nasser Witterung etwas übergezogen bekommen.
Und nicht zuletzt:
Die Kälteempfindung ist bei Hunden ebenso individuell wie beim Menschen! Wir heizen sehr wenig und jedes Jahr greife ich schon zur Strickjacke, während mein Mann noch im T-Shirt durchs Haus läuft.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass ein Hund es stets zeigt wenn er friert. Manche tun dies mehr, andere weniger deutlich, aber der Hundehalter, der sein Tier kennt wird die Signale zu deuten wissen, wenn er nur gezielt darauf achtet.
Manche Hunde machen es dem Halter "leicht" indem sie dastehen und so deutlich zittern, dass man sich manchmal schon fragen muss was der Hund noch tun muss um einen Pulli zu bekommen.
Andere sind da subtiler, gehen bei Nässe, großer Kälte, fiesem Winterwind, usw auf einmal ungern raus obwohl sie eigentlich gerne draußen sind.
Wieder andere gehen zwar freudig raus, werden aber nach einiger Zeit (meist sind es so 5-15 Minuten) deutlich lustlos, streben nach Hause, verzichten aufs Spielen und/oder trotten mit gesenktem Kopf daher.
Insbesondere Hunde mit Problemen rund um den Bewegungsapparat werden, wenn sie frieren oft regelrecht steif, wenn es draußen kalt ist.
Auch wiederkehrende Blasenentzündungen sollten zu denken geben, obgleich hier natürlich auch zu prüfen ist ob der Hund Tendenzen zeigt sich daheim z.B. auf kalte Fliesen zu legen.

Angemerkt sei noch, dass all diese Signale natürlich auch krankheitsbedingt sein können und es immer vom Einzelfall abhängt ob man erst ausprobiert ob es mit einer einfachen Klamotte besser ist oder ob dem die Abklärung durch den Tierarzt vorangestellt wird.

7. Was für Möglichkeiten gibt es, wo liegen die Vor- und Nachteile?

Die Möglichkeiten, die der Markt bereitstellt sind vielfältig (um nicht zu sagen unübersichtlich vielfältig) und für jedes Witterungsproblem und jeden Hund ist etwas dabei.
Vielfältig ist das Angebot nicht nur im Bezug auf die verschiedenen Funktionen und Stoffe, sondern auch hinsichtlich der unterschiedlichen Schnitte.

Funktionell/hinsichtlich des Stoffes gibt es vorallem folgende Produktvarianten:

  • Regen- und winddichte Bekleidung (meist erhältlich als Mantel oder Overall)
    • entweder als reiner Nässe-/Windschutz
    • oder zusätzlich gefüttert als wärmender Schutz vor kaltnasser Witterung
  • "Übergangskleidung", die im Wesentlichen eine zusätzliche, wärmende Luftschicht zwischen Stoff und Fell erzeugen (sowohl als Pullover, Mantel, Overall oder Jacke erhältlich
  • dicke, warme Kleidung (meist als Mantel, Jacke oder Overall erhältlich)
  • Produktgruppen, die nichts mit der Witterung zu tun haben, sondern z.B. langhaarige Hunde vor Kletten und ähnlcihen Pflanzen schützen sollen)

Bei den Schnitten würde ich vorallem folgende Variationen unterscheiden:

  • Mäntel
    • ähneln im Schnitt und der Art wie man sie anzieht den meisten Pferdedecken, sprich sie werden auf den Rücken gelegt und dann zumeist mit Gurten fixiert, in der Regel schützen sie lediglich den Rücken (incl Schultern und Hüften) vor Witterungseinflüssen. Mitlerweile sind jedoch auch Modelle erhältlich die zusätzlich zwischen den Vorderbeinen durchgeführt werden und so auch Brust und einen Teil des Bauches wärmen. Diese Modelle werden üblicherweise über den Kopf gezogen
    • Pro:
      • im Gegensatz zu anderen Schnitten erfordert das Anlegen eine deutlich geringere Kooperation Seitens des Hundes
      • da der Bauch frei bleibt gibt es beim Mantel üblicherweise keine Probleme beim Urinabsatz bei Rüden
    • Contra:
      • bei empfindlichen Hunden und solchen mit kurzem Fell/wenig Unterwolle kann sich der Schutz vorallem bei stark windigem Wetter aufgrund des erheblichen "Durchzuges" als nicht ausreichend erweisen
      • meiner Erfahrung nach eignen sich die meisten Mantelmodelle ausschließlich zum Spazierengehen, sprich: sitzen am stehenden und laufenden Hund sehr gut, sind dem Hund beim Sitzen oder liegen aber schnell unbequem und eignen sich daher nur sehr bedingt, wenn der Hund z.B. eine Weile im kalten Auto warten muss
  • Pullover
    • werden wie ihr Name vermuten läßt über den Kopf des Hundes gezogen und verfügen dann Aussparungen oder Ärmel durch welche die Vorderbeine geführt werden.
    • in der richtigen Größe gewählt (lang genug) schützen ebenso wie Mäntel Rücken, Schulterbereiche und Hüften. Durch ihre geschlossenere Form bieten sie zusätzlich einen bessern wärmenden Effekt rund um den Brustkorb und den Oberbauch.
    • je nach Bedarf gibt es unterschiedlichste Ausführungen mit oder ohne Ärmel (z.B. sind längere Ärmel bei Arthrosen im Ellenbogen für viele Hunde sehr angenehm, während ein Hund der gern und viel buddelt Gefahr läuft einen Großteil des Spazierganges mit unangenehm nassen, matschigen Ärmeln zu verbringen), mit oder ohne Bündchen an den Vorderlaufaussparungen (Bündchen können das Durchpfeifen von Wind verhindern und Brust und Bauch warmhalten auch wenn Ärmel für diesen Hund eher ungeeignet sind), mit oder ohne Rollkragen (grade Hunde mit langem, dünne Hals wie z.B. Windhunde, Dobermänner usw fühlen sich sichtbar wohl mit einem Schal oder eben einem Rollkragen am Pulli. Außerdem werden Modelle mit Kapuzen angeboten. Diese sind meiner Meinung nach jedoch eher als modischer Gag zu sehen Hunde die das Aufsetzen der Kapuze dulden oder gar davon profitieren sind mir nur sehr, sehr wenige bekannt.
    • Vorteile:
      • einmal an das Anlegen gewöhnt ist die Akzeptanz hinsichtlich des Tragens oft höher als bei Mänteln
      • gut geschnittene Pullover sind dem Hund auch im Sitzen und Liegen nicht unbequem
    • Nachteile:
      • das "Durchfummeln" der Vorderbeine durch die Aussparungen/Ärmel muss mit manchen Hunden geübt werden und kann für Hunde mit Schmerzen im Schulter- oder Elllenbogengelenk sehr unangenehm sein
      • ist der Pulli am Bauch zu lang oder liegt nicht gut an (hier kann man gut mit einem Gummizug "Nachrüsten") besteht bei Rüden das Risiko, dass sie beim urinieren den Pulli einnässen
  • Jacken
    • bis auf den Umstand, dass es Hundejacken auch in gefütterter und wind- und wasserabweisender Version gibt, liegt der einzige Unterschied zum Pullover darin, dass Hundejacken über einen Verschluss (Klett, Zipp oder Druckknöpfe) am Bauch oder Rücken verfügt. Dies erleichtert das Anlegen mitunter erheblich, ansonsten bleiben Vor- und Nachteile mit denen des Hundepullovers identisch und auch die Variantenvielfalt (Ärmel, Rollkragen, Kapuzen und Co) ist vergleichbar
  • Overalls
    • Overalls kann man sich wie "erweiterte Jacken" vorstellen. Die Verfügen zusätzlich über "Hosenbeine" und bieten daher einen ziemlich kompletten "Rundum-Witterungsschutz". Verschlossen werden sie meist über Knopfleisten oder Zippverschlüsse am Bauch oder dem Rücken. Bei Hunden mit schmerzhaften Gelenken empfielt es sich ein Modell zu wählen, welches am Rücken verschlossen wird: hier ist es "nur" notwendig den Hund in die 4 "Ärmel" zu stellen. Anschließend kann man den Overall am Hund hochziehen und über dem Rücken verschließen, jedes verdrehen der Beine entfällt. Ist ein Hund gelenkig und neigt eher zu Zappeligkeit ist das Anziehen eines Overalls mit Verschluss im Bauchbereich stressärmer.  
    • der von Overalls gebotene Witterungsschutz sollte besonders sorgfältig abgewägt werden. Ein ungefütterter Regenoverall ist bei vielen empfindlichen Hunden eine sinnvolle Ergänzung zu einem dünneren Kleidungsstück. Bei der Verwendung von gefütterten Overalls oder solchen aus dicken Stoffen muss besonders stark darauf geachtet werden, dass nicht das Gegenteil erreicht und der Hund überhitzt wird. Als normaler Kälteschutz für gesunde und noch halbwegs aktive Hunde sind solch warme Overalls in der Regel zuviel des Guten.
      Die Haupteinsatzgebiete besonders warmer Overalls sehe ich z.B. bei besonders empfindlichen Hunden die
      • an kalten Tagen im Auto warten müssen
      • in Fahrradkörben/ -Anhängern reisen
      • aus irgendwelchen Gründen einen Großteil des Spazierganges in einem Wagen gefahren werden müssen


Ich halte es für ausgesprochen wichtig sich hier viel Zeit zu nehmen, denn zuviel oder die falsche Kleidung ist für den Hund mitunter ebenso belastend wie das Frieren.

Zeigt ein Hund deutlich, dass er sich bei Nässe nicht wohl fühlt, gibt aber keinen Anlass zu der Vermutung, dass er friert, dann sollte er auch nur einen Nässeschutz bekommen. Ein gefütterter Mantel kann für einen solchen Hund sehr unangenehm sein.

Auch kenne ich Hunde, die bei Kälte und vorallem im Schnee bzw auf gefrorenem Boden wie auf Zehenspitzen laufen, sonst aber nicht frieren. Meistens kann diesen Tieren durch eincremen der Pfoten geholfen werden, manche aber fühlen sich mit Schuhen wohler. Zeigt der Hund ansonsten keinerlei Anzeichen die darauf hindeuten, dass er friert, ist eine zusätzliche Ausstattung mit Mantel, Pulli und Co auch nicht notwendig.

Wieder sind es die Tiere, die (manchmal direkt, manchmal erst nach einer Gewöhnungszeit) deutlich zeigen was ihnen angenehm ist und was nicht.

8. Sinnvolle Sommerbekleidung für Hunde, gibt es sowas überhaupt?

Kurzum:
Ja, es gibt sie, die "sinnvolle Sommergarderobe", aber sie ist deutlich seltener als die sinnvolle Winterbekleidung.

Einen Hund bei sommerlichen Temperaturen nur aus dem Grund einzukleiden, weil man es schick findet, halte ich persönlich für stark an der Grenze zur Tierschutzwidrigkeit.
Dennoch gibt es Fälle in denen auch im Sommer gute Gründe für Bekleidung sprechen können. Als Beispiele seien hier genannt:

  • der Schutz vor UV-Strahlung (Sonnenbrand, Hauttumore)
    dies kann nicht nur für Nackthunde, sondern auch für (vorallem kurzhaarige) wenig pigmentierte Hunde sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn schon tumorverdächtige Hautveränderungen aufgetreten sind.
  • Schutz vor Verletzung
    ich kenne mehre Hunde (meist Nackthunde oder Hunde mit sehr kurzem, feinen Fell), die unter Umständen, die "normalen Hunden" nichts ausmachen zu Verletzungen neigen. Hunde die wie ausgepeitscht aussehen, wenn sie mit Artgenossen getobt haben oder durchs Unterholz gekrochen sind. Bei einer derart empfindlichen Haut kann es je nach Situation durchaus sinnvoll sein eine leichte Bekleidung anzuziehen
  • Schutz vor Überhitzung
    unterscheiden muss man hier zwischen aktiver und passiver Kühlung:
    • zunächst seie hier aktive Kühlbekleidung erwähnt, die z.B. durch spezielle Kühlwesten erreicht werden kann. Bei diesen Funktionstextilien (es gibt sie auch als Halsbänder und Decken) wird ein eingenähtes Granulat mit Wasser aktiviert. Das Granulat saugt sich voll und gibt die gespeicherte Flüssigkeit bei Wärme in Form von Wasserdampf nach außen ab, hier durch entsteht Verdunstungskälte, die den Körper abkühlt.
      Ich selbst kann aufgrund eines genetischen Defektes nicht schwitzen und habe solch ein Weste, die mir praktisch ein neues Leben geschenkt hat. Bei Hunden jedoch bin ich etwas skeptisch:
      • ein Hund kann nicht wirklich äußern, wenn es ihm zu kühl ist und grade am Rücken kann das dann sehr unangenehm sein
      • bei langhaarigen Hunden halte ich es für möglich, dass die zwischen dem Fell und der Weste befindliche Luftschicht den Kühlungseffekt komplett verhindert und sogar der gegenteilige Effekt eintritt.
Dennoch gibt es Hundehalter, die mit großer Begeisterung von der Anwendung dieser Westen sprechen, insbesondere sind mir aus Agility, Zughundesport und der Rettungshundearbeit solche positiven Berichte zugetragen wurden. Noch deutlich mehr Hundehalter schwören jedoch auf die ebenfalls angebotenen Kühldecken, bei denen der Hund frei wählen kann ob, wie lange und wie vollständig er sich auf die Decke legt, bei Aktivität nutzt das natürlich nicht.
Vorallem Hundehalter die ohne Klimaanlage mit dem Hund Autofahren sprechen oft sehr begeistern von Westen und Kühldecken, dies nimmt mitunter die Panik vor einem möglichen Stau.

Auf keinen Fall jedoch stellen Kühlwesten eine Möglichkeit einen Hund bei sommerlichen Temperaturen im Auto zu lassen! Die dort entstehende Hitze kann keine Kühlweste/-decke der Welt abfangen!

    • "Funktionsbekleidung zur passiven Kühlung" kenne ich eher aus Einzelfällen und "Selbstbau":
      Einige meiner Bekannten haben dunkle Hunde mit einer unglaublich dichten Unterwolle, die auch wenn sie geschoren wurden im Hochsommer deutlich leiden. Irgendwann hat irgendwer mal angefangen, dem Hund eine Jacke aus diesen Rettungsdecken (silberfarbene Seite nach außen) zu nähen. Richtig durchdacht, mit Netzeinsätzen zur Ventilation schauen die Hunde zwar anschließend wie eine Mischung aus Silberfisch und Weltraummännchen aus, aber meiner Einschätzung nach ging es den Hunden mit dieser Weste tatsächlich besser. 

Dennoch ist zu beachten, dass jedwede Bekleidung im Sommer auch zum unerwünschtem Effekt einer zusätzlichen Wärmebelastung führen kann. Indikation, angedachte Bekleidung und Einsatz sind daher gründlichst zu prüfen und idealerweise mit einem Tierarzt zu besprechen. Auf keinen Fall kann ich dazu raten irgendeine Sommerbekleidung zu nutzen, wenn der Hund nicht beaufsichtigt wird.

9. Und was ist mit Kleidung zum Schutz von chirurgischen Nähten bzw Wunden und Läufigkeitshosen für Hündinnen?

Mir sind viele Berichte von Hunden bekannt, die sich mit einem OP-Body tatsächlich davon abhalten lassen, an eine Naht oder Wunde zu gehen. Auch einem meiner eigenen Hunde konnte ich jüngst durch eine Kombination aus Pflaster und Pullover den Halskragen nach einer Hautnaht am Rumpf ersparen, dies ist jedoch auch zu erheblichen Anteilen auf seinen Charakter zurückzuführen, bei meiner Hündin oder meinen Katzen würde ich dieses Risiko nicht eingehen.

Auch kenne ich durchaus Hundehalter, die in einem gemischten Rudel in der Läufigkeit mit Schutzhöschen arbeiten und auf diese Weise noch nie eine Trächtigkeit hatten.

Dennoch ist es einfach eine unbestreitbare Tatsache, dass weder ein OP-Body/Pullover, noch ein Schutzhöschen ein echtes Hindernis für einen Hund darstellt.
Beides ist jeder Hund zu entfernen im Stande und zwar in einem Zeitrahmen der mitunter nichteinmal groß genug ist um eben die Waschmaschine einzuschalten.
Beides kann vom Hund entfernt worden sein, ehe der Mensch auch nur von der Toilette oder aus dem Keller zurück ist.

Die Überlegung, die jeder Hundehalter, der in Erwägung zieht sich auf den Schutz solch einer Klamotte zu verlassen machen sollte ist schlicht die Abwägung von Möglichkeiten/Einfachheit der sicheren Vermeidung (z.B. eines Halskragens), gegen die Eintrtittswahrscheinlichkeit (manche Tiere neigen einfach mehr dazu als andere) und das Ausmaß des Schadens der entstehen kann (ist ja ein Unterschied ob ein Hund sich nach der Entfernung einer Warze die Fäden der Hautnaht zieht oder eine Hündin an die frisch vernähte Bauchnaht wie sie z.B. nach einer Entfernung der Gebärmutter vorläge geht).

In Abhängigkeit dessen ist dann die Entscheidung zu treffen in welchen Fällen Verlass auf solch eine Bekleidung (oder einen Verband) ist und in welchen Situationen man besser auf einen „echten Leckschutz (→ Artikel geplant) zurückgreift.

10.Fazit

Bei winterlichen Temperaturen, insbesondere in Verbindung mit Nässe ist Hundebekleidung weit nützlicher als ihr Ruf.
Sommerbekleidung und der Einsatz von „Schutzklamotten“ hingegen ist eher im Einzelfall sinnvoll und bedarf einer äußerst gründlichen Abwägung.

In jedem Fall ist sorgsam, individuell auszuwählen welcher Bekleidung ein Hund bedarf. Eine Bekleidung über den Bedarf hinaus kann dem Hund ebenso unangenehm sein/schaden, wie das Fehlen einer Bekleidung von der er profitieren würde.


Kommentare

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Martina am :

Wow.. Ich finde ausführlicher kann man einen Artikel über Hundebekleidung einfach nicht schreiben. Besonders das mit dem Sommeroutfit und Schutz vor UV Strahlen.. Darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Danke, dass es endlich mal jemand so ausführlich beschrieben hat!

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