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Vorübergehend geschlossen

Wegen eines Trauerfalls, den ich momentan nicht zu bewältigen vermag kann ich vorrübergehend keine neuen Einträge garantieren, habe aber noch zwei fast fertige Artikel, die ich bei Gelegenheit online stellen werde.

Sobald ich mich wieder gefangen habe gehts hier weiter.

Hundebekleidung: Sinn oder Unsinn? (in Arbeit)

In Arbeit: damit der Artikel nicht erst online geht, wenn die fragliche Jahreszeit vorbei ist habe ich erstmal die vorläufige Version online gestellt. In jedem Fall werde ich noch detailierte Fotos einfügen, ganz sicher auch noch ettliche Tippfehler eliminieren und ggf auch noch einige Formulierungen umstellen/vereinfachen/kürzen. 

1. same procedure as every year

2. Früher gabs doch auch nur für kleine Hunde Kleidung, warum ist da heute anders?

3. "Grosse Hunde brauchen keine Klamotten! Nur kleine Hunde frieren!"

4. "Der hat genug Fell!"

5. Wölfe tragen auch keine Mäntel!

6. Was denn nun? Anziehen ja oder nein?

7. Was für Möglichkeiten gibt es, wo liegen die Vor- und Nachteile?

8. Sinnvolle Sommerbekleidung für Hunde, gibt es sowas überhaupt?

9. Und was ist mit Kleidung zum Schutz von chirurgischen Nähten bzw Wunden und Läufigkeitshosen für Hündinnen?

10. Fazit


1.same procedure as every year

Der Herbst neigt sich dem Ende, der Winter steht vor der Tür.
Wie jedes Jahr, habe ich Magnis Pullover mit meinen Winterjacken vom Dachboden geholt und gewaschen.  Filipendula, die im letzten Jahr noch nicht ausgewachsen war bekommt einen Pulli und einen Regenmantel neu, beides wird dann den Rest ihres Lebens halten.
Wie in jedem Jahr, wird Munin keine Kleidung anbekommen, er hat nie gezeigt, dass er das möchte, sollte dies aus welchen Gründen auch immer in diesem Jahr anders sein, dann liegt für ihn ein Pulli bereit, den er vor 5 Jahren mal für eine Woche trug, als eine größere Wunde an seiner Schulter Schutz bedurfte.

Wie in jedem Jahr werden mir auf unseren Spaziergängen vorallem zwei Typen von Menschen begegenen:
Die Einen, die entsetzt fragen warum der arme Munin als einziger keine Kleidung bekommen hat und
die Anderen, die nicht minder entsetzt fragen warum die anderen beiden angezogen sind, mindestens aber warum denn solch ein großer Hund (damit ist dann Magni gemeint) mit so dichtem Fell eine Jacke braucht.
Wie in jedem Jahr, werden all diese Personen von mir die gleiche kurze knappe Antwort bekommen:
"Weil die beiden ohne Pulli frieren und der Weisse (Munin) eben nicht."

Wie in jedem Jahr gehen jetzt überall in Hundeschulen, an Stammtischen, im Internet und wo immer Hundefreunde aufeinander treffen die Diskussionen los. Darüber ob man Hunde anziehen muss, soll oder vielleicht gar nicht darf.
Darüber ob Hunde überhaupt frieren können oder der Griff zu Mantel, Pullover oder Ähnlichem nicht eher einem Knachs des Halters zuzurechnen ist.

Um aus dieser same procedure as every year einmal auszubrechen, habe ich mich entschieden mein Statement hier nun einmal nieder zu schreiben. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen Hundehalter, der sich mit der Entscheidung schwer tut oder befürchtet sich mit Rechtfertigungen anderen gegenüber rumärgern zu müssen warum er sich nun für oder gegen Hundebekleidung entschieden hat.

Im ersten Teil dieses Artikels werde ich mich mit Winterbekleidung für Hunde, also dem Kälteschutz beschäftigen, da dies ohne Frage der größere Themenkomplex ist. Im letzten Abschnitt gehe ich dann nocheinmal auf das Thema Sommerbekleidung bei Hunden ein.

2. Früher gabs doch auch nur für kleine Hunde Kleidung, warum ist da heute anders?

Mit "Schrecken" erinnere ich mich noch an meinen ersten Windhund. Mit seinen knapp 70cm Schulterhöhe recht groß, aber mit nackigem Bauch, grundsätzlich kälteempfindlich und einer alten Verletzung im Ellenbogengelenk, die ihn  eindeutig bei Kälte quälte. Damals war es fast unmöglich überhaupt irgendeine Klamotte in seiner Größe zu finden. Auch wies die Optik und Beschaffenheit der erhältlichen Produkte darauf hin, dass es zu dieser Zeit noch deutlich mehr um "Fashion" ging, als darum Hunde vor dem Frieren zu schützen.
Die Diskussion unter Hundehaltern entsprach der Unsachlichkeit des Marktangebotes. Verhärtete Fronten auf beiden Seiten und sehr wenig sachliche Argumente.

Schon im nächsten Jahr, sah der Markt aber deutlich freundlicher aus und auch die Debatten unter den Hundefreunden gewannen hier und da an Sachlichkeit.
Auch ich kann nur darüber spekulieren, worin dieser Wandel begründet liegt, ich vermute u.A., dass die steigende Zahl an Windhundhaltern erheblich dazu beigetragen hat. Während ein Hundehalter, der einer Dogge oder einem Dobermann einen Mantel anzieht vielerorts noch seinerseits eines dicken Felles bedarf, stieß das "Einkleiden" von Windhunden seltsamerweise von Anfang an auf eine ziemlich breite Akzeptanz.
Eine andere Ursache wird schlicht und ergreifend sein, dass sich viele Fronten unter Hundehaltern ohnehin "aufweichen", es wird immer mehr von dem, dessen einziger Fürsprecher ein zünftiges "Na weil das immer schon so war" gewesen ist kritisch hinterfragt.

Heute kriegt man nicht nur eine Vielzahl verschiedener Hundebekleidungen selbst in Doggengröße, sondern hat es auch nicht mehr so schwer schlichtere Kleidung zu finden. Der "Modegag Hundekleidung" hat sich durch die geänderte Nachfrage zum seriösen Zubehör gemausert, zumindest vielerorts.

3.Grosse Hunde brauchen keine Klamotten! nur kleine Hunde frieren!

Gemeinsam ist diesen Aussagen erstmal, dass sie beide auf einen Ursprung zurückzuführen ist, der nicht einer gewissen Logik entbeehrt. Machen wir doch einen kleinen Ausflug in die Ökologie und ziehen die Bergmannsche und ergänzend die Allensche Regel heran, die durchaus verdeutlichen, dass unterschiedliche, morphologische Vorraussetzungen einem Hund auch vor unterschiedliche Anforderungen  hinsichtlich der Thermoregulation stellen. Die Bergmannsche Regel lehrt uns, dass wenn man einen Körper vergrößert, das Volumen in der 2. die Oberfläche jedoch in der 3. Potenz wächst.
Schlicht gesagt: ein kleiner Hund hat pro kg das er wiegt mehr cm² Körperoberfläche über die er Wärme verliert.
Nimmt man dann noch die Allensche Regel hinzu, die deutlich macht, dass auch (relativ zum Körper) größere "Anhängsel" wie etwa Ohren den Wärmeverlust erheblich erhöhen, dann  ist es ersteinmal nicht überaschend festzustellen, dass ein 1,5kg Chihuahua mit Radaröhrchen hinsichtlich der Thermoregulation andere Probleme hat als ein großer Herdenschutzhund, der im Verhältnis zum Körper auch noch recht kleine Ohren hat.
Desweiteren ist es wohl nicht umstritten, dass es in Bodennähe kälter ist und ein geringer Abstand zwischen Bauch und Boden auch ohne hohen Schnee nicht grad förderlich ist.
Es gibt also in der Tat eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, dass kleine Hunde schneller auskühlen als Große, aber man sollte meiner Meinung nach nicht den Fehler machen und den Umkehrschluss ziehen, dass große Hunde grundsätzlich nicht frieren.

4. "Der hat genug Fell!",

Das Argument, das Fell vor Kälte schützt ist ersteinmal ganz sicher nicht zu widerlegen. Dennoch kommt es weniger auf die Länge des Fells an als auf die Dichte und Beschaffenheit der Unterwolle. Mit "Beschaffenheit der Unterwolle" ist hier aber viel eher der Fettstoffwechsel der Haut gemeint. Eine Fettschicht auf der Haut, das weiß zumindest jeder Pferdehalter, schützt vor Nässe und vor Kälte. Eine dichte, durch die Talgdrüsen der Haut gut gefettete Unterwolle ist ganz sicher ein besserer Kälte- und Nässeschutz als ein noch so langes, seidiges Deckhaar. Letzteres kommt erstaunlich oft bei Hunde/Hunderassen vor die über keine sonderlich schützende  Unterwolle verfügen. Die "beste" Unterwolle hinsichtlich des Kälteschutzes kommt meiner Erfahrung nach bei Hundetypen mit "mittellangem Fell" vor, wie z.B. das Stockhaar des Schäferhundes.
Bei Hundetypen mit kurzem Fell liegt das Problem üblicher Weise nicht so sehr im Fehlen des langen Deckhaares, sondern eher darin, dass man bei diesen Hundetypen auch häufig kaum nennenswerte Unterwolle antrifft.  Während Rottweiler und Co dieses "Manko" vermutlich oft durch ihren kräftigen, gedrungenen Körperbau ausgleichen können kommen Dobermann, Dogge und Windhund schon des Öfteren ins Frösteln. Nur während man dem Windhund das sehr häufig zugesteht haben Dobermann und Dogge sehr oft das Pech, dass ihre Halter das nicht wahr haben wollen bzw Angst haben durch den Kauf einer Hundeklamotte doof da zu stehen.
Schaut man sich die kleinen, drahtigen West Highland White Terrier an, die meiner Erfahrung nach nur äußerst selten Probleme mit Kälte und Nässe haben und stellt eine schlotternde Dogge daneben, so entsteht zumindest aus meinen Beobachtungen der Eindruck, dass die Fellbeschaffenheit eine größere Rolle spielt als die Größe.

5. Wölfe tragen auch keine Mäntel!

Dieses Argument steht ganz oben auf der Top Ten Liste der Sprüche der "Hundeklamottengegner" und ich muss durchaus zugeben:
Dat stimmt schon so. Bekleidete Wölfe kommen statistisch betrachtet ausgesprochen selten vor.
Nur was das nun für den Haushund bedeutet versteh ich nicht so ganz.
Das man die Thermoregulation eines Wolfes, der  (so er in kälteren Gebieten lebt) recht groß ist, ein mittellanges "Stockhaar" mit äußerst dichter, gut gefetteter Unterwolle trägt und relativ zum Körper ausgesprochen kleine Ohren hat ohnehin nicht mit Hundetypen vergleichen kann, die morphologisch völlig anders beschaffen sind, das sollte einleuchten.
Aber auch Hunde, die sich morpholigisch nicht oder nicht deutlich vom Wolf unterscheiden sind nur sehr bedingt mit dem Wolf vergleichbar:
Der Wolf, lebt nämlich nicht, wie die meisten Hunde, ca 20 Stunden im beheizten Wohnraum und ist mit der Witterung nur für wenige Stunden am Tag konfrontiert.
Dies hat zum Einen damit zu tun, dass ein Hund der 24/7 draußen ist ein ganz anderes Winterfell ausbilden kann und zum Anderen damit, dass man sich mal klar machen muss welch erheblicher Temperaturdifferenz ein Hund, der sein Leben ca 20 Stunden am Tag bei seiner Menschenfamilie im Haus verbringt ausgesetz ist.
Viele Menschen heizen ihren Wohnraum auf Temperaturen von ca 20°C. Geht man dann Gassi, so ist es je nach Witterung beim Spaziergang mal eben 20, 30 oder sogar 40°C kälter als in dem Umfeld in dem der Hund den Großteil seiner Zeit verbringt.
Es gibt nuneinmal Hunde die das (unabhängig von Körpergröße und Fellbeschaffenheit) nicht so gut wegstecken können. Ein gesunder, mindestens mittelgroßer Hund mit "ausreichend Fell", der einen Großteil des Tages draußen lebt wird in der Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht frieren, solange es nur kalt ist, d.h. solange er sich vor dauerhafter Nässeeinwirkung schützen kann.
Aber auf die große Mehrheit der als Haustier gehaltenen Hunde trifft dies eben nicht zu. Die Mehrheit der Haushunde lebt mit der Familie (und das ist auch gut so!) im beheizten Haus und ist nur stundenweise der winterlichen Witterung ausgesetzt.

6. Was denn nun? Anziehen ja oder nein?

Wie so oft gibt es auf diese Frage keine Patentantwort, die Antwort ist individuell und hängt neben der Größe und der Fellbeschaffenheit auch noch von zahlreichen anderen Faktoren ab. Niemanden wird es wundern, dass ein sehr junger oder alter Hund ebenso wie einer in einem schlechten Ernährungszustand schneller friert. Eine weitere Rolle spielt die Aktivität. Ein junger, kleiner Terrier, der sobald die Tür aufgeht in flotter Bewegung ist (am Fahrad, Bälle Jagend, Spuren suchend, mit anderen Hunden spielend) wird möglicherweise nur für den Moment den er kurz an einer Ampel warten muss etwas frieren, während einem in die Jahre gekommenen Schäferhund, der gemütlich neben seinen Menschen herwandert bereits kurz nach der Haustür kalt sein kann.
Auch das eine bestehende oder grade überwundene Erkrankung "frieriger" macht dürfte einlechten. Neben den üblichen Infektionserkrankungen ist hier besonders auch an Erkrankungen des Bewegungsapparates zu denken. Grade für Hunde mit HD, ED, Arthrosen, diversen Wirbelsäulenerkrankungen usw kann es eine unglaubliche Entlastung sein, wenn sie bei kalter/nasser Witterung etwas übergezogen bekommen.
Und nicht zuletzt:
Die Kälteempfindung ist bei Hunden ebenso individuell wie beim Menschen! Wir heizen sehr wenig und jedes Jahr greife ich schon zur Strickjacke, während mein Mann noch im T-Shirt durchs Haus läuft.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass ein Hund es stets zeigt wenn er friert. Manche tun dies mehr, andere weniger deutlich, aber der Hundehalter, der sein Tier kennt wird die Signale zu deuten wissen, wenn er nur gezielt darauf achtet.
Manche Hunde machen es dem Halter "leicht" indem sie dastehen und so deutlich zittern, dass man sich manchmal schon fragen muss was der Hund noch tun muss um einen Pulli zu bekommen.
Andere sind da subtiler, gehen bei Nässe, großer Kälte, fiesem Winterwind, usw auf einmal ungern raus obwohl sie eigentlich gerne draußen sind.
Wieder andere gehen zwar freudig raus, werden aber nach einiger Zeit (meist sind es so 5-15 Minuten) deutlich lustlos, streben nach Hause, verzichten aufs Spielen und/oder trotten mit gesenktem Kopf daher.
Insbesondere Hunde mit Problemen rund um den Bewegungsapparat werden, wenn sie frieren oft regelrecht steif, wenn es draußen kalt ist.
Auch wiederkehrende Blasenentzündungen sollten zu denken geben, obgleich hier natürlich auch zu prüfen ist ob der Hund Tendenzen zeigt sich daheim z.B. auf kalte Fliesen zu legen.

Angemerkt sei noch, dass all diese Signale natürlich auch krankheitsbedingt sein können und es immer vom Einzelfall abhängt ob man erst ausprobiert ob es mit einer einfachen Klamotte besser ist oder ob dem die Abklärung durch den Tierarzt vorangestellt wird.

7. Was für Möglichkeiten gibt es, wo liegen die Vor- und Nachteile?

Die Möglichkeiten, die der Markt bereitstellt sind vielfältig (um nicht zu sagen unübersichtlich vielfältig) und für jedes Witterungsproblem und jeden Hund ist etwas dabei.
Vielfältig ist das Angebot nicht nur im Bezug auf die verschiedenen Funktionen und Stoffe, sondern auch hinsichtlich der unterschiedlichen Schnitte.

Funktionell/hinsichtlich des Stoffes gibt es vorallem folgende Produktvarianten:

  • Regen- und winddichte Bekleidung (meist erhältlich als Mantel oder Overall)
    • entweder als reiner Nässe-/Windschutz
    • oder zusätzlich gefüttert als wärmender Schutz vor kaltnasser Witterung
  • "Übergangskleidung", die im Wesentlichen eine zusätzliche, wärmende Luftschicht zwischen Stoff und Fell erzeugen (sowohl als Pullover, Mantel, Overall oder Jacke erhältlich
  • dicke, warme Kleidung (meist als Mantel, Jacke oder Overall erhältlich)
  • Produktgruppen, die nichts mit der Witterung zu tun haben, sondern z.B. langhaarige Hunde vor Kletten und ähnlcihen Pflanzen schützen sollen)

Bei den Schnitten würde ich vorallem folgende Variationen unterscheiden:

  • Mäntel
    • ähneln im Schnitt und der Art wie man sie anzieht den meisten Pferdedecken, sprich sie werden auf den Rücken gelegt und dann zumeist mit Gurten fixiert, in der Regel schützen sie lediglich den Rücken (incl Schultern und Hüften) vor Witterungseinflüssen. Mitlerweile sind jedoch auch Modelle erhältlich die zusätzlich zwischen den Vorderbeinen durchgeführt werden und so auch Brust und einen Teil des Bauches wärmen. Diese Modelle werden üblicherweise über den Kopf gezogen
    • Pro:
      • im Gegensatz zu anderen Schnitten erfordert das Anlegen eine deutlich geringere Kooperation Seitens des Hundes
      • da der Bauch frei bleibt gibt es beim Mantel üblicherweise keine Probleme beim Urinabsatz bei Rüden
    • Contra:
      • bei empfindlichen Hunden und solchen mit kurzem Fell/wenig Unterwolle kann sich der Schutz vorallem bei stark windigem Wetter aufgrund des erheblichen "Durchzuges" als nicht ausreichend erweisen
      • meiner Erfahrung nach eignen sich die meisten Mantelmodelle ausschließlich zum Spazierengehen, sprich: sitzen am stehenden und laufenden Hund sehr gut, sind dem Hund beim Sitzen oder liegen aber schnell unbequem und eignen sich daher nur sehr bedingt, wenn der Hund z.B. eine Weile im kalten Auto warten muss
  • Pullover
    • werden wie ihr Name vermuten läßt über den Kopf des Hundes gezogen und verfügen dann Aussparungen oder Ärmel durch welche die Vorderbeine geführt werden.
    • in der richtigen Größe gewählt (lang genug) schützen ebenso wie Mäntel Rücken, Schulterbereiche und Hüften. Durch ihre geschlossenere Form bieten sie zusätzlich einen bessern wärmenden Effekt rund um den Brustkorb und den Oberbauch.
    • je nach Bedarf gibt es unterschiedlichste Ausführungen mit oder ohne Ärmel (z.B. sind längere Ärmel bei Arthrosen im Ellenbogen für viele Hunde sehr angenehm, während ein Hund der gern und viel buddelt Gefahr läuft einen Großteil des Spazierganges mit unangenehm nassen, matschigen Ärmeln zu verbringen), mit oder ohne Bündchen an den Vorderlaufaussparungen (Bündchen können das Durchpfeifen von Wind verhindern und Brust und Bauch warmhalten auch wenn Ärmel für diesen Hund eher ungeeignet sind), mit oder ohne Rollkragen (grade Hunde mit langem, dünne Hals wie z.B. Windhunde, Dobermänner usw fühlen sich sichtbar wohl mit einem Schal oder eben einem Rollkragen am Pulli. Außerdem werden Modelle mit Kapuzen angeboten. Diese sind meiner Meinung nach jedoch eher als modischer Gag zu sehen Hunde die das Aufsetzen der Kapuze dulden oder gar davon profitieren sind mir nur sehr, sehr wenige bekannt.
    • Vorteile:
      • einmal an das Anlegen gewöhnt ist die Akzeptanz hinsichtlich des Tragens oft höher als bei Mänteln
      • gut geschnittene Pullover sind dem Hund auch im Sitzen und Liegen nicht unbequem
    • Nachteile:
      • das "Durchfummeln" der Vorderbeine durch die Aussparungen/Ärmel muss mit manchen Hunden geübt werden und kann für Hunde mit Schmerzen im Schulter- oder Elllenbogengelenk sehr unangenehm sein
      • ist der Pulli am Bauch zu lang oder liegt nicht gut an (hier kann man gut mit einem Gummizug "Nachrüsten") besteht bei Rüden das Risiko, dass sie beim urinieren den Pulli einnässen
  • Jacken
    • bis auf den Umstand, dass es Hundejacken auch in gefütterter und wind- und wasserabweisender Version gibt, liegt der einzige Unterschied zum Pullover darin, dass Hundejacken über einen Verschluss (Klett, Zipp oder Druckknöpfe) am Bauch oder Rücken verfügt. Dies erleichtert das Anlegen mitunter erheblich, ansonsten bleiben Vor- und Nachteile mit denen des Hundepullovers identisch und auch die Variantenvielfalt (Ärmel, Rollkragen, Kapuzen und Co) ist vergleichbar
  • Overalls
    • Overalls kann man sich wie "erweiterte Jacken" vorstellen. Die Verfügen zusätzlich über "Hosenbeine" und bieten daher einen ziemlich kompletten "Rundum-Witterungsschutz". Verschlossen werden sie meist über Knopfleisten oder Zippverschlüsse am Bauch oder dem Rücken. Bei Hunden mit schmerzhaften Gelenken empfielt es sich ein Modell zu wählen, welches am Rücken verschlossen wird: hier ist es "nur" notwendig den Hund in die 4 "Ärmel" zu stellen. Anschließend kann man den Overall am Hund hochziehen und über dem Rücken verschließen, jedes verdrehen der Beine entfällt. Ist ein Hund gelenkig und neigt eher zu Zappeligkeit ist das Anziehen eines Overalls mit Verschluss im Bauchbereich stressärmer.  
    • der von Overalls gebotene Witterungsschutz sollte besonders sorgfältig abgewägt werden. Ein ungefütterter Regenoverall ist bei vielen empfindlichen Hunden eine sinnvolle Ergänzung zu einem dünneren Kleidungsstück. Bei der Verwendung von gefütterten Overalls oder solchen aus dicken Stoffen muss besonders stark darauf geachtet werden, dass nicht das Gegenteil erreicht und der Hund überhitzt wird. Als normaler Kälteschutz für gesunde und noch halbwegs aktive Hunde sind solch warme Overalls in der Regel zuviel des Guten.
      Die Haupteinsatzgebiete besonders warmer Overalls sehe ich z.B. bei besonders empfindlichen Hunden die
      • an kalten Tagen im Auto warten müssen
      • in Fahrradkörben/ -Anhängern reisen
      • aus irgendwelchen Gründen einen Großteil des Spazierganges in einem Wagen gefahren werden müssen


Ich halte es für ausgesprochen wichtig sich hier viel Zeit zu nehmen, denn zuviel oder die falsche Kleidung ist für den Hund mitunter ebenso belastend wie das Frieren.

Zeigt ein Hund deutlich, dass er sich bei Nässe nicht wohl fühlt, gibt aber keinen Anlass zu der Vermutung, dass er friert, dann sollte er auch nur einen Nässeschutz bekommen. Ein gefütterter Mantel kann für einen solchen Hund sehr unangenehm sein.

Auch kenne ich Hunde, die bei Kälte und vorallem im Schnee bzw auf gefrorenem Boden wie auf Zehenspitzen laufen, sonst aber nicht frieren. Meistens kann diesen Tieren durch eincremen der Pfoten geholfen werden, manche aber fühlen sich mit Schuhen wohler. Zeigt der Hund ansonsten keinerlei Anzeichen die darauf hindeuten, dass er friert, ist eine zusätzliche Ausstattung mit Mantel, Pulli und Co auch nicht notwendig.

Wieder sind es die Tiere, die (manchmal direkt, manchmal erst nach einer Gewöhnungszeit) deutlich zeigen was ihnen angenehm ist und was nicht.

8. Sinnvolle Sommerbekleidung für Hunde, gibt es sowas überhaupt?

Kurzum:
Ja, es gibt sie, die "sinnvolle Sommergarderobe", aber sie ist deutlich seltener als die sinnvolle Winterbekleidung.

Einen Hund bei sommerlichen Temperaturen nur aus dem Grund einzukleiden, weil man es schick findet, halte ich persönlich für stark an der Grenze zur Tierschutzwidrigkeit.
Dennoch gibt es Fälle in denen auch im Sommer gute Gründe für Bekleidung sprechen können. Als Beispiele seien hier genannt:

  • der Schutz vor UV-Strahlung (Sonnenbrand, Hauttumore)
    dies kann nicht nur für Nackthunde, sondern auch für (vorallem kurzhaarige) wenig pigmentierte Hunde sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn schon tumorverdächtige Hautveränderungen aufgetreten sind.
  • Schutz vor Verletzung
    ich kenne mehre Hunde (meist Nackthunde oder Hunde mit sehr kurzem, feinen Fell), die unter Umständen, die "normalen Hunden" nichts ausmachen zu Verletzungen neigen. Hunde die wie ausgepeitscht aussehen, wenn sie mit Artgenossen getobt haben oder durchs Unterholz gekrochen sind. Bei einer derart empfindlichen Haut kann es je nach Situation durchaus sinnvoll sein eine leichte Bekleidung anzuziehen
  • Schutz vor Überhitzung
    unterscheiden muss man hier zwischen aktiver und passiver Kühlung:
    • zunächst seie hier aktive Kühlbekleidung erwähnt, die z.B. durch spezielle Kühlwesten erreicht werden kann. Bei diesen Funktionstextilien (es gibt sie auch als Halsbänder und Decken) wird ein eingenähtes Granulat mit Wasser aktiviert. Das Granulat saugt sich voll und gibt die gespeicherte Flüssigkeit bei Wärme in Form von Wasserdampf nach außen ab, hier durch entsteht Verdunstungskälte, die den Körper abkühlt.
      Ich selbst kann aufgrund eines genetischen Defektes nicht schwitzen und habe solch ein Weste, die mir praktisch ein neues Leben geschenkt hat. Bei Hunden jedoch bin ich etwas skeptisch:
      • ein Hund kann nicht wirklich äußern, wenn es ihm zu kühl ist und grade am Rücken kann das dann sehr unangenehm sein
      • bei langhaarigen Hunden halte ich es für möglich, dass die zwischen dem Fell und der Weste befindliche Luftschicht den Kühlungseffekt komplett verhindert und sogar der gegenteilige Effekt eintritt.
Dennoch gibt es Hundehalter, die mit großer Begeisterung von der Anwendung dieser Westen sprechen, insbesondere sind mir aus Agility, Zughundesport und der Rettungshundearbeit solche positiven Berichte zugetragen wurden. Noch deutlich mehr Hundehalter schwören jedoch auf die ebenfalls angebotenen Kühldecken, bei denen der Hund frei wählen kann ob, wie lange und wie vollständig er sich auf die Decke legt, bei Aktivität nutzt das natürlich nicht.
Vorallem Hundehalter die ohne Klimaanlage mit dem Hund Autofahren sprechen oft sehr begeistern von Westen und Kühldecken, dies nimmt mitunter die Panik vor einem möglichen Stau.

Auf keinen Fall jedoch stellen Kühlwesten eine Möglichkeit einen Hund bei sommerlichen Temperaturen im Auto zu lassen! Die dort entstehende Hitze kann keine Kühlweste/-decke der Welt abfangen!

    • "Funktionsbekleidung zur passiven Kühlung" kenne ich eher aus Einzelfällen und "Selbstbau":
      Einige meiner Bekannten haben dunkle Hunde mit einer unglaublich dichten Unterwolle, die auch wenn sie geschoren wurden im Hochsommer deutlich leiden. Irgendwann hat irgendwer mal angefangen, dem Hund eine Jacke aus diesen Rettungsdecken (silberfarbene Seite nach außen) zu nähen. Richtig durchdacht, mit Netzeinsätzen zur Ventilation schauen die Hunde zwar anschließend wie eine Mischung aus Silberfisch und Weltraummännchen aus, aber meiner Einschätzung nach ging es den Hunden mit dieser Weste tatsächlich besser. 

Dennoch ist zu beachten, dass jedwede Bekleidung im Sommer auch zum unerwünschtem Effekt einer zusätzlichen Wärmebelastung führen kann. Indikation, angedachte Bekleidung und Einsatz sind daher gründlichst zu prüfen und idealerweise mit einem Tierarzt zu besprechen. Auf keinen Fall kann ich dazu raten irgendeine Sommerbekleidung zu nutzen, wenn der Hund nicht beaufsichtigt wird.

9. Und was ist mit Kleidung zum Schutz von chirurgischen Nähten bzw Wunden und Läufigkeitshosen für Hündinnen?

Mir sind viele Berichte von Hunden bekannt, die sich mit einem OP-Body tatsächlich davon abhalten lassen, an eine Naht oder Wunde zu gehen. Auch einem meiner eigenen Hunde konnte ich jüngst durch eine Kombination aus Pflaster und Pullover den Halskragen nach einer Hautnaht am Rumpf ersparen, dies ist jedoch auch zu erheblichen Anteilen auf seinen Charakter zurückzuführen, bei meiner Hündin oder meinen Katzen würde ich dieses Risiko nicht eingehen.

Auch kenne ich durchaus Hundehalter, die in einem gemischten Rudel in der Läufigkeit mit Schutzhöschen arbeiten und auf diese Weise noch nie eine Trächtigkeit hatten.

Dennoch ist es einfach eine unbestreitbare Tatsache, dass weder ein OP-Body/Pullover, noch ein Schutzhöschen ein echtes Hindernis für einen Hund darstellt.
Beides ist jeder Hund zu entfernen im Stande und zwar in einem Zeitrahmen der mitunter nichteinmal groß genug ist um eben die Waschmaschine einzuschalten.
Beides kann vom Hund entfernt worden sein, ehe der Mensch auch nur von der Toilette oder aus dem Keller zurück ist.

Die Überlegung, die jeder Hundehalter, der in Erwägung zieht sich auf den Schutz solch einer Klamotte zu verlassen machen sollte ist schlicht die Abwägung von Möglichkeiten/Einfachheit der sicheren Vermeidung (z.B. eines Halskragens), gegen die Eintrtittswahrscheinlichkeit (manche Tiere neigen einfach mehr dazu als andere) und das Ausmaß des Schadens der entstehen kann (ist ja ein Unterschied ob ein Hund sich nach der Entfernung einer Warze die Fäden der Hautnaht zieht oder eine Hündin an die frisch vernähte Bauchnaht wie sie z.B. nach einer Entfernung der Gebärmutter vorläge geht).

In Abhängigkeit dessen ist dann die Entscheidung zu treffen in welchen Fällen Verlass auf solch eine Bekleidung (oder einen Verband) ist und in welchen Situationen man besser auf einen „echten Leckschutz (→ Artikel geplant) zurückgreift.

10.Fazit

Bei winterlichen Temperaturen, insbesondere in Verbindung mit Nässe ist Hundebekleidung weit nützlicher als ihr Ruf.
Sommerbekleidung und der Einsatz von „Schutzklamotten“ hingegen ist eher im Einzelfall sinnvoll und bedarf einer äußerst gründlichen Abwägung.

In jedem Fall ist sorgsam, individuell auszuwählen welcher Bekleidung ein Hund bedarf. Eine Bekleidung über den Bedarf hinaus kann dem Hund ebenso unangenehm sein/schaden, wie das Fehlen einer Bekleidung von der er profitieren würde.


Über diese Kategorie

Wie viele von Euch wissen, ist mir die Idee zu diesem Blog über die Protokollierung des Heilungsverlaufes der Pfote meines Hundes Magni gekommen.
Durch die umfassende Behandlung seiner schwer verletzen Pfote war ich gezwungen mich intensiver denn je mit dem Bereich der modernen Wundversorgung zu beschäftigen.

Das moderne Wundmanagement bietet zahllose, hervoragende Möglichkeiten die Heilung einer Wunde positiv zu beeinflussen. Leider nimmt das Nahebringen all dieser Möglichkeiten in der Ausbildung von Tiermedizinern einen beschämend kleinen Raum ein.
Selbstverständlich ist jeder Tierarzt in der Verantwortung sich hier selbst fortzubilden. Jedoch sind die Fachgebiete für die Selbiges zutrifft zahllos und die Möglichkeiten der Weiterbildung auf dem Gebiet des Wundmanagements sind ziemlich gering. Es gibt kaum Literatur zu diesem Thema, die die besonderen Gegebenheiten der Tiermedizin berücksichtigt. Ich selbst habe mich in den letzten Monaten äußerst intensiv mit dem Thema beschäftigt und notgedrunken hauptsächlich Literatur aus der Humanmedizin heranziehen können.

Ich möchte auf diesem Blog auch und vorallem ein Portal schaffen, dass Kollegen und Tierhaltern Informationen rund um die moderne Wundversorgung bereitstellt.

Hier trenne ich in dem Versuch eine gewisse Übersichtlichkeit zu erhalten im Wesentlichen in 5 verschiedene Bereiche:

  • Wundarten, Erklärung über Entstehung, Besonderheiten und grundsätzliche Behandlungen der unterschiedlichen Wundtypen
  • Wundheilung, Erläuterungen rund um die Vorgänge während einer Wundheilung
  • Wundversorgung, Konkrete, praktische Tips und Anleitungen rund um die Versorgung der einzelnen Wundtypen
  • Verbandtechniken, Bebilderte Anleitungen wie, welche Körperregion verbunden werden kann
  • Verbandmittel/Wundauflagen Produktbeschreibungen und Erfahrungsberichte

Ich hoffe sehr, dass die von mir hier gesammelten, aufbereiteten und veröffentlichen Infos in der Tiermedizin etwas ändern können. 


Besser spät als nie ;)

Ich freue mich sehr, Euch hier willkommenheißen zu dürfen! Heute Nacht konnten wir endlich online gehen.

Denni und ich haben die ganze Nacht für Euch geschuftet, Denni daran, dass der ganze Kram hier online kommt und ich daran, dass ich Euch heute und morgen die ersten Artikel hochladen kann, die ich für Euch vorbereitet habe.


Ich hoffe, dass ihr hier das Eine oder andere Informative und Unterhaltsame findet und freue mich darauf, dieses Portal für und mit Euch auszubauen. Wenn ihr einen Gastbeitrag schreiben möchtet, dann könnt Ihr Euch gerne per Email an mich wenden.

Eine Kleine Führung:

Auf der Warteliste findet ihr einen Überblick der Artikel, die ich für die nächste Zeit geplant habe, hier könnt ihr auch eigene Themenvorschläge machen.  Deutlich zu erkennen ist hier, dass die Idee für dieses Blog auch deswegen entstanden ist, weil ich durch Magnis Verletzung mehr denn je gemerkt habe, dass das Thema modernes Wundmanagement in der Tiermedizin noch viel zu wenig angekommen ist. Ich werde mir große Mühe geben, dieses Blog nicht zu einseitig werden zu lassen, aber möchte hier auch ein Portal aufbauen, dass Tierhaltern und Kollegen Infos rund um die moderne Wundbehandlung bereitstellt.

Wenn Ihr meine Arbeit hier bezahlen möchtet, dann könnt ihr das gerne tun, im Artikel Lohn und Arbeit findet Ihr Infos wie das geht.

Die unterschiedlichen Artikel sind hier in verschiedene Kategorien unterteilt. Ich plane für jede Kategorie ein paar einleitende Sätze zu schreiben. 

Eigentlich hatte ich geplant beim Onlinegehen zumindest schon mehr Infos in dem Bereich "Fraukie und Hof" zu haben, aber dummerweise hatte ich die fixe Idee mal einen umfassenden Artikel rund um das Thema "Hund und Schokolade" zu schreiben. Mit dem dadurch entstandenen Artikel bin ich selbst zwar zufrieden, aber er hat sehr viel Zeit verschlungen.

Meine Hauptintention dieses Blog zu gestalten liegt ohne Zweifel darin, dass ich das Thema "Modernes Wundmanagement" tiefer in die Tiermedizin integrieren möchte, bzw zumindest einen Anfang machen.

Ich werde mir aber große Mühe geben, die Artikel nicht zu einseitig abzuarbeiten und das Blog so zu gestalten, damit auch Leser, die kein Interesse an diesem Themenkomplex haben Spaß an diesem Portal haben.

In der nächsten Zeit werden Magnis Matschpfotenblog und dieses hier noch parallel laufen, dann wird Magnis Blog archiviertt. Es bleibt also online, wird dann aber nicht mehr fortgesetzt. 

Auf gehts! Packen wir es an!


Wie genau ist das nun mit Hund und Schokolade?

Zeichen: 37185
Zeilen: 743
Zwischensumme: 222€
Tabellen: 4
Artikelpreis: 262€
Artikel ID: 13
Wozu diese Angaben?

1. Über diesen Artikel

2. Was ist so schwierig an dem Thema?

3. Was an der Schokolade ist giftig?

4. Welche Mengen sind denn nun ganz konkret als giftig oder harmlos anzusehen?

5. Tabellen

6. Woher kommen die Werte aus den Tabellen?

7. Wie vollständig wird Theobromin aufgenommen, wie wirkt es und welche Symptome sind verdächtig?

8. Was tun, wenn der Hund Schokoalde gefressen hat? wie hilft der Tierarzt? Wie ist die Prognose?

9. Lagert sich Theobromin wirklich im Körper an?

10. Wie sieht es mit anderen Tieren aus?

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Über diesen Artikel

Warum noch einen Artikel über Schokolade?
Gibt man die Begriffe "Hund" und "Schokolade" in eine Suchmaschine ein, dann erhält man eine Menge Treffer. Die Info, dass Schokolade für Hunde (und einige andere Tiere) giftig ist, ist längst kein Geheimtipp mehr.
Nahezu jeder Hundehalter weiß, dass von dem schmackigen Genussmittel ein Risiko ausgeht und ein erheblicher Teil dieser Tierhalter kann sogar den Stoff Theobromin benennen.
Schaut man sich die Treffer der Suchmaschine aber genauer an, so wird schnell klar, dass darüber wie mittelbar dieses Risiko genau ist große Verwirrung besteht.
Ein Hundehalter, der gerade entdeckt hat, dass sein Wauzi sich in diebischer Art und Weise Zugang zu Schokolade/kakaohaltigen Produkten verschafft hat wird unter all den Informationen meistens nicht klüger.


Widersprüchliche Informationen darüber welche Dosis nun wirklich gefährlich ist und  unterschiedliche Angaben welches kakaohaltige Produkt nun wieviel Theobromin enthält verwirren mehr als das sie aufklären und die den meisten Laien fremden Begriffe wie "minimale letale Dosis" oder "LD50" machen das Chaos dann komplett.
Auch Angaben wie "soundsoviel mg/kg sind für den Hund gefährlich" und "Schokoladensorte x enthält üblicherweise soundsoviel mg/g" nutzen solch einem Halter dessen Hund sich soeben an seinen Süßigkeiten bedient hat eher wenig, denn der will jetzt gar nicht rechnen sondern wissen ob sein Hund gefährdet ist oder nicht.

Alles in allem kann man also festhalten, dass den meisten Hundehaltern bekannt ist, dass Theobromin ihren Hausgenossen gefährden kann, darüber welche Mengen wovon nun aber ganz konkret harmlos oder gefährlich sind herrscht jedoch große Unsicherheit.


Die Einschätzungen von Tierhaltern betrefflich der Giftigkeit von Schokolade bewegen sich zwischen der bedenkenlosen Verfütterung einzelner Stücke Bitterschokolade an kleine Hund und einem nächtlichen Anruf beim Tierarzt, weil der Hund eine Milchschokopraline gestohlen hatte und man nun besorgt sei, weil dies vor einem Jahr schoneinmal passiert ist und man gehört habe, dass "Schokoladengift" vom Hund nicht abgebaut werden kann und sich also ein Leben lang anreichert und aufsummiert.

Außerdem habe es schon erlebt, dass einer Hundehalterin, die ihren ausgewachsenen Schäferhund den Becher ihres soeben gefutterten Schokopuddings auslecken ließ laut zugerufen wurde, dass dies den Hund praktisch in Lebensgefahr brächte.

Deswegen habe ich die Entscheidung getroffen das Thema nocheinmal umfassen aufzurollen. So aufzugliedern, dass es möglich ist je nach situationsbedingtem Interesse die Infos zu finden, die man sucht. Die so oft genutzten Begriffe rund um Letaldosen mal aufzudröseln und zu erklären ob und wieviel sie denn nun mit dem Hund der die Schokolade klaut zu tun haben. Die Widersprüche in den unterschiedlichen Quellen bennen und diskutieren und ganz wichtig: Tabellen bieten die es einem Hundehalter ermöglichen ohne große Rechnerei zu gucken ob ihr Hund eine kritische Menge aufgenommen hat oder nicht.

Während des Schreibens habe ich diese Entscheidung oft bereut, denn die vielen zum Teil massiv widersprüchlichen Quellen sind grade bei einem Thema bei dem es um die brisante Frage "Was ist gefährlich und was nicht." geht ziemliche Stolpersteine. Dennoch hoffe ich, dass das Ergebnis meiner Arbeit dem einen oder anderen von Euch weiterhilft.

2. Was ist so schwierig an dem Thema?

Problematisch ist vorallem die Vielzahl an Quellen. Das fängt damit an, dass mir nicht bekannt wäre, dass es mal eine "Studie" gab in der konsequent Daten von Hunden die mit einer Schokoladenvergiftung beim Tierarzt vorgestellt wurden gesammelt und ausgewertet wurden. Es werden zwar immer mal Fallbeispiele angeführt, aber bei denen kann man meist schon froh sein, wenn das Gewicht des Hundes dabei steht. Um wirklich verlässliche Daten darüber zu haben ab welcher Dosierung Schokolade üblicherweise gefährlich wird müßte man Fälle von Schokoladenvergiftungen konsequent sammeln und auswerten. Zu den wichtigen Angaben würde dann nicht nur die Info gehören wieviel der Hund wog und wieviel Schokolade er gefressen hat, nein es müßte vorallem erhoben werden welche Schokolade (mit welchem Kakaoanteil) er genau gefressen hat, denn nur dann könnte man über den Herrsteller rauskriegen wieviel Kakaomasse in dem Produkt verarbeitet ist und nur dann halbwegs aussagekräftig berechnen mit welcher Theobromindosis man es überhaupt zu tun hatte.
Da Theobromin kein Stoff ist der ausgewiesen werden muss, ist die Theobromindosis der meisten kakaohaltigen Produkte nämlich gar nicht bekannt. 
Der Theobromingehalt in einem kakaohaltigen Produkt hängt hauptsächlich davon ab, welcher Anteil des angegebenem Gesamtkakaogehaltes tatsächlich auf die theobrominhaltige Kakaomasse entfält und welcher auf die Kakaobutter, welche Theobromin lediglich in Spuren enthält.
So ist es auch zu erklären, dass diverse Quellen "Bitterschokolade 70%" mit 20mg Theobromin/g angeben, während andere Quellen nur Werte von 8mg, 13 oder 15mg nennen und z.B. Rittersport (der einzige Hersteller, auf dessen Homepage die Theobromin und Coffeinwerte für jede Sorte nachlesbar sind) die Sorte "Edelbitter" (73% Kakaobestandteile), lediglich mit 6,8mg Theobromin je Gramm ausweist.
Die oft genannt und zitierten 20mg/g geben vermutlich einen theoretischen Höchstwert wieder, der erreicht würde, wenn die angegebenen 70% Kakaoanteil sämtlichst auf Kakaomasse entfallen. So lassen sich dann auch Angaben, die auf den ersten Blick etwas absurd wirken erklären:

z.B. gibt Vetpharm in ihrer Datenbank 70%ige Bitterschokolade mit den dann so oft zitierten 20mg Theobromin je Gramm an. Dieselbe Quelle nennt dann aber Vollmilchschokolade, die in der Regel um die 35% Kakao enthält, mit lediglich 2mg/g. Auf den ersten Blick erscheint es äußerst seltsam, warum die doppelte Menge Kakao zu einem 10mal so hohem Theobrominwert führen soll. Bei genauer Betrachtung und Recherche (Kakaoverordnung= Q12, Infos über die "Verkehrsauffassung" Q11, letzter Absatz und deren Bedeutung für die Zusammensetzung von Schokoladen Q13, Tabelle1)  sind diese abweichenden Annahmen darauf zurückzuführen, dass das Verhältnis zwischen Kakaomasse und Kakaobutter sich je nach Sorte ändert.
In dem Abschnitt "Annahmen" habe ich die Bestimmungen aus den genannten Quellen erfasst und Berechnungen zu den Theobrominwerten unterschiedlicher, kakaohaltiger Produkte angestellt.

Ein weiteres Problem stellt die Datenlage zu den Vergiftungsfällen. Wird ein Hund mit Verdacht auf eine Theobrominintoxikation zu einem Tierarzt gebracht, dann kann dieser eher anhand der Symptome bestimmen wie ernst die Lage ist, die Info wieviel der Hund wovon gefressen hat gibt über die tatsächlich aufgenommene Theobromindosis aus oben genannten Gründen kaum Auskunft.

Aufgrund der in den meisten Quellen genannten, angenommenen Theobromingehalte kann der Tierarzt zwar in etwa abschätzen ob eine kritische Dosis wahrscheinlich ist und entsprechend behandeln, er kann aber anhand der bereits behandelten Hunde  keine verbindliche Aussage darüber formulieren, welche Dosis erfahrungsgemäß welche Symptome auslöst, ob und wie gut sie überstanden wurde und ob ggf Folgeschäden blieben, eben weil die Dosis die der Hund tatsächlich aufgenommen hat nur erraten bzw grob berechnet werden kann.

Sämtliche, halbwegs aussagekräftigen Daten darüber, welche Theobromindosen für Tiere gefährlich sind stammen also aus der Versuchstierhaltung. Üblicherweise werden in solchen toxikologischen Studien aber primär die sogenannten Letaldosen ermittelt.
Genannt werden hier meistens:

  • die soganannte LDmin also die "Minimale letale Dosis" bei der es sich um die Dosis handelt bei der das erste Versuchstier an den Folgen der getesteten Substanz verstirbt.

  • die "LD50" ermittelt, bei dieser Dosis sind 50% der Versuchstiere an der Intoxikation verstorben.

Wie weiter unten noch ausgeführt ist, sind diese Werte für den besorgten Haustierbesitzer jedoch nur sehr bedingt aussagekräftig. Verlässliche Werte darüber, welche Dosen üblicherweise ohne Spätfolgen bleiben gibt es kaum.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Beurteilung der Giftigkeit von kakaohaltigen Produkten schwierig und ungenau ist, weil

  1. es neben den tierversuchsübliches Letaldosiswerten kaum Daten darüber gibt ab welcher Dosis überhaupt mit Problemen gerechnet werden muss und man üblicherweise auch nur raten bzw ganz grob berechnen kann welche Dosis der Hund tatsächlich aufgenommen hat.
  2. bis auf wenige Ausnahmen nur geraten/grob errechnet werden kann wieviel Theobromin in einem kakaohaltigen Produkt tatsächlich enthalten ist

3. Was an der Schokolade ist giftig?

Genaugenommen enthält Schokolade, bzw der Kakao sogar gleich 3 sogenannte Purinalkaloide aus der Familie der Methylxantine, die eine toxische Wirkung aufweisen können.
Für die Toxizität von Kakao bzw kakaohaltigen Erzeugnissen ist jedoch in erster Linie das Theobromin verantwortlich, da es als "Hauptalkaloid" den mit Abstand größten Anteil ausmacht. Die Rolle des Coffeins variert von Kakaoart zu Art so erheblich, dass dieses Nebenalkaloid zwischen 1 und 50% der Gesamtmenge an Purinalkaloiden ausmacht. In den hierzulande üblicherweise verwendeten Sorten ist der Coffeingehalt jedoch so gering, dass er für die Toxizität des Endproduktes keine Rolle spielt. Ebenso ergeht es dem dritten im Bunde, dem Theophyllin, welches aufgrund seines geringen Anteils (Quelle 1 spricht von 0,02Promille) in der Kakaofrucht hier nur der Vollständigkeithalber erwähnt werden soll.

Q1 S.951, Q15 S. 27

4. Welche Mengen sind denn nun ganz konkret als giftig oder harmlos anzusehen?

Wie bereits weiter oben erwähnt wird es hier nun richtig schwierig.

Häufig findet man zu dieser Fragestellung Angaben über die sogenannte LD50 zusammen mit dem Vermerk p.o.
Dieser Wert gibt Auskunft darüber, ab welcher Dosierung die Hälfte der Versuchstiere, an denen man die Substanz getestet hat bei oraler Gabe (also über den Verdauungstrakt) sicher an einer  Vergiftungen durch die getestete Substanz verstirbt. Im Klartext heißt das je nach Quelle, dass bei einer Versuchsanordnung in der man 100 Hunde mit reinem Theobromin "füttert" bei einer schrittweise Erhöhung der Dosis bei einer Verabreichung von 250-500mg Theobromin pro kg Körpergewicht die Hälfte der Versuchstiere an der Vergiftung verstorben ist.

Wie viele von Euch bereits ahnen:

Der Informationsgehalt dieser Information für den besorgten Tierhalter ist praktisch gleich Null, denn bei welcher Dosis Bello rein statistisch eine Überlebenschance von 50% hat löst höchstens den Wunsch zu erbrechen aus, wenn man sich vorstellt wie diese Werte ermittelt wurden, hilft bei der Überlegung ob der eigene Hund in Gefahr ist jedoch nicht wirklich weiter.

Und hier wird es nun zunehmend schwierig: Zugrunde legen kann man nun die sogenannte "minimale letale Dosis". Diese Angabe beschreibt in mg pro kg Körpergewicht bei welcher Dosis das erste Versuchstier nachweislich an der Vergiftung durch die getestete Substanz verstorben ist. Diese LDmin wird für Hunde bei Theobromin mit 100mg/kg KG und bei Koffein mit 110mg/kg KG angegeben.

Da "Gift" zwar grundsätzlich zwar eine Frage der Dosis ist, es aber auch viele individuelle Faktoren gibt die darüber entscheiden ob ein Organismus eine Substanz besser oder schlechter verträgt als seine Artgenossen, enthält aber auch der LDmin Wert für den besorgten Halter erstmal nur die Info, dass eine akute Dosis von unter 100mg/kg KG für die meisten Hunde nicht bzw nicht unmittelbar tödlich ist. 

Schön wäre es, würde die Literatur eine klare Ansage machen, bis zu welcher Dosis keine Vergiftung zu befürchten ist. Leider gibt es so eine "Unbedenklichkeitsaussage" in der Literatur nur für sehr niedrige Dosierungen. Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass man meist nur sehr grob abschätzen kann welche Dosis der Hund tatsächlich aufgenommen hat.

Um die unteren Dosisbereiche einzuordnen schreibt Vetpharm:

Milde bis moderate Symptome können bereits ab 20 mg/kg Coffein oder Theobromin auftreten, lebensbedrohliche bei 60 mg/kg.

Daraus kann man beim sonst gesunden Hund schließen, das eine Dosis bis 20mg/kg üblicherweise symptomlos bzw mit kaum wahrnehmbaren Symptomen verläuft. Als 20mg/kg benennt vetpharm auch die therapeutische Dosis, die z.B. zur Erweiterung der Bronchien, Beschleunigung des Herzschlages oder zur Steigerung der Harnausscheidung über die Niere einzusetzen wären. Im Dosisbereich von 20-60mg/kg können sich dann z.B.  zunehmend Unruhe, Herzrasen, Erbrechen, Steigerung der Atemfrequenz und Durchfall zeigen, die aber üblicherweise erst ab 60mg/kg lebensbedrohliche Ausmaße erreichen.

Q1 S.952, Q2 S. 243, Q 4 S.217, Q5, Q6, Q 22 S.19, Q7, Q15 S.125, Q21 S.1, Q23

5.Tabellen

Nachfolgend möchte ich tabellarisch darstellen, welche Mengen von welchen kakaohaltigen Lebensmitteln Hunde unterschiedlicher Gewichtsklassen aufnehmen müßten um in die genannten Dosisbereiche zu gelangen.
Bei der Beurteilung welche Schokomenge tatsächlich für Euren Hund gefährlich ist gebe ich aber zu bedenken:

  1. dass Kakaobohnen Naturprodukte sind und Gehalte an Inhaltsstoffen schwanken können.
  2. das die Empfindlichkeit auch von individuellen Merkmalen (Alter, Krankheit....) abhängt
  3. die angegebenen Theobrominwerte nicht als verlässliche Analysewerte, sondern zumeist als Annahmen betrachtet werden müssen

In der nachstehenden Tabellen gebe ich für die jeweilige Gewichtsklasse an wieviel Gramm von dem in der jeweiligen Spalte genannten Produkt gefressen werden müßten um die nachstehend genannten Dosierungen zu erreichen. Die Berechnungen beziehen sich dann auf folgende Dosierungen:

  • 20mg/kg Körpergewicht: Grenzwert bis zu dem laut Literatur üblicherweise keine Symptome auftreten
  • 60mg/kg  Körpergewicht: Grenzwert ab dem heftigere Symptome auftreten können, die unter Umständen bereits tödliche Ausmaße erreichen können
  • 100mg/kg Körpergewicht: orale, minimale letale Dosis im Tierversuch

Rechenbeispiel:

20mg Theobromin pro kg Körpergewicht wären bei einen 5kg schweren Hund eine Gesamtdosis von 100mg (20*5) als Grenzwert der "Unbedenklichkeit".  Legt man dann eine Schokoladensorte mit 2mg/g zu Grunde, dann würde ein Hund der 5kg wiegt von dieser Schokolade 50g essen müssen um die Dosis von 20mg pro kg Körpergewicht aufzunehmen.


Hund: 5kg

 Produkt - Kakaoanteil - mg Theobromin/g  - Quelle/Annahme

 20mg/kg

= 100mg/5kg

 60mg/kg

= 300mg/5kg

 100mg/kg

= 500mg/5kg

Schokoladensorten:



Vollmilchschokolade        k.A.     2,0mg/g    (Q1, Q5)
50g
150g
250g
Rittersport Edel-Vollmilch 35%    1,8mg/g    (Q8)
55g
165g
275g
Vollmilchschokolade        30%    3,0mg/g    (A1)
33,3g
100g
166,6g
Rittersport Halbbitter       50%    5,8mg/g    (Q10 17,2g
51,7g
86,2g
Halbbitter                       55%   9,25mg/g    (A1)
10,8g
32,4g
54g
Rittersport Edelbitter       73%    6,8mg/g    (Q9) 14,7g
44,1
73,5
Bitterschokolade             k.A.     8,0mg/g    (Q1) 12,5g
37,5g
62,5g
Bitterschokolade            70%   13,0mg/g    (A1) 7,7g
23g
38,5g
Bitterschokolade            70%   20,0mg/g    (Q5), (A2) 5g
15g
25g
"Hochprozentiges"         90%   26,0mg/g    (Q5)
3,8g
11,5g
19,2g
Schokoladenhaltige Erzeugnisse



Kinderriegel                  13%       0,72mg/g   (A3) 138,8g
416,6g
694,4g
Dr Oetker
Mousse au chocolat       6,2%     1,28mg/g   (A4)
78g
234,4g
390g
Ferrero Küsschen (A5)  18,35%   2.0mg/g    (A5) 50g
150g
250g

Hund: 20kg

 Produkt - Kakaoanteil - mg Theobromin/g  - Quelle/Annahme

 20mg/kg

= 400mg/20kg

 60mg/kg

= 1200mg/20kg

 100mg/kg

= 2000mg/20kg

Schokoladensorten:



Vollmilchschokolade        k.A.     2,0mg/g    (Q1, Q5)
200g
600g
1000g
Rittersport Edel-Vollmilch 35%    1,8mg/g    (Q8)
222g
666g
1111g
Vollmilchschokolade        30%    3,0mg/g    (A1) 133,3g
400g
666g
Rittersport Halbbitter       50%    5,8mg/g    (Q10 69g
206g
344,8g
Halbbitter                       55%   9,25mg/g    (A1)
43,2g
129,7
216,2g
Rittersport Edelbitter       73%    6,8mg/g    (Q9) 58,8g
176,4g
294g
Bitterschokolade             k.A.     8,0mg/g    (Q1) 50g
150g
250g
Bitterschokolade            70%   13,0mg/g    (A1) 30,7g
92g
153,8g
Bitterschokolade            70%   20,0mg/g    (Q5), (A2) 20g
60g
100g
"Hochprozentiges"         90%   26,0mg/g    (Q5)
15,38g
46g
77g
Schokoladenhaltige Erzeugnisse



Kinderriegel                  13%       0,72mg/g   (A3) 555,5g
1666,6g
2777,7g
Dr Oetker
Mousse au chocolat       6,2%     1,28mg/g   (A4)
312,5g
937,5g
1562,5g
Ferrero Küsschen (A5)  18,35%   2,0mg/g    (A5) 200g
600g
1000g

Hund: 30kg

 Produkt - Kakaoanteil - mg Theobromin/g  - Quelle/Annahme

 20mg/kg

= 600mg/30kg

 60mg/kg

= 1800mg/30kg

 100mg/kg

= 3000mg/30kg

Schokoladensorten:



Vollmilchschokolade        k.A.     2,0mg/g    (Q1, Q5)
300g
900g
1500g
Rittersport Edel-Vollmilch 35%    1,8mg/g    (Q8)
333,3g
1000g
1666,6g
Vollmilchschokolade        30%    3,0mg/g    (A1) 200g
600g
1000g
Rittersport Halbbitter       50%    5,8mg/g    (Q10 103,4g
310,3g
517,2g
Halbbitter                       55%   9,25mg/g    (A1)
64,8
194,5g
324,3g
Rittersport Edelbitter       73%    6,8mg/g    (Q9) 88,2g
264,7g
441g
Bitterschokolade             k.A.     8,0mg/g    (Q1) 75g
225g
375g
Bitterschokolade            70%   13,0mg/g    (A1) 46g
138,4g
230,7g
Bitterschokolade            70%   20,0mg/g    (Q5), (A1) 30g
90g
150g
"Hochprozentiges"         90%   26,0mg/g    (Q5)
23g
69g
115g
Schokoladenhaltige Erzeugnisse



Kinderriegel                  13%       0,72mg/g   (A2) 833,3g
2500g
4166,6g
Dr Oetker
Mousse au chocolat       6,2%     1,28mg/g   (A2)
468,7g
1406,2g
2343,7g
Ferrero Küsschen (A5)  18,35%   2,0mg/g    (A2) 300g
900g
1500g

6. Woher kommen die Werte aus den Tabellen?

Bei der Herkunft der Tabellenwerte unterscheide ich zwischen zwei verschiedenen Arten:

Die mit (Q) bezeichneten Werte stammen aus den unten mit gleicher Nummer versehenen Quellen. Die mit "A" gekennzeichneten Werte sind Annahmen von mir. Ich werde im folgenden erklären wie ich zu diesen Annahmen komme/sie berechnet habe, damit der Leser sich seine Meinung darüber bilden kann ob er sie als verlässlich empfindet oder nicht. Aufgrund der nachstehend erklärten Annahmen habe ich versucht Maximalwerte für die jeweilige Sorte zu bestimmen.

A1) Annahme 1: Theobrominwerte der üblichen Schokoladensorten.

Wie bereits erklärt  hängt der Theobromingehalt eines kakaohaltigen Produktes weniger von der Sorte der verwendeten Kakaofrucht oder dem in der Regel angegebenen Gehalt an Kakaobestandteilen ab, sondern davon welcher Anteil davon auf die theobrominhaltige Kakaomasse/Kakaopulver entfällt und welcher auf die Kakaobutter welche kaum Theobromin enthält.
Während Bitterschokolade in der Regel mehr Kakaomasse/Kakaopulver als Kakaobutter enthält ist das Verhältnis bei (Voll)milchschokolade überlicherweise andersherum. Das genaue Verhältnis dieser beiden Komponenten zueinander ist maßgeblich für die Eigenschaften der Schokolade und wird deshalb von den Herstellern ungern preisgegeben.
Auf Grundlage der Bestimmungen zur Deklaration und der Beschaffenheit von Schokoladen im Lebensmittelrecht (Q12 Kakaoverordnung) und der Zutatenlisten ist es aber möglich grob zu berechnen wie hoch der Theobromingehalt in der jeweiligen Sorte sein könnte. So habe ich nachstehend die Werte von Milch-, Zart-/Halbbitter- und Bitterschokolade einmal berechnet um im späteren Verlauf auch Produke die Schokolade enthalten einschätzen zu können. Außerdem habe ich mir erlaubt, die in den unten stehenden Quellen genannten Daten anhand dieser Berechnungen einmal zu bewerten.

A1.1. Der Theobromingehaltvon Kakaomasse/fettarmen Kakaopulver

Die meisten, der unten genannten Quellen geben für entfettetes Kakaopulver Theobrominwerte von 1-3% an. Auch Quelle 15 nennt auf S. 27 1,9-2,85% Theobromingehalt für Kakaopulver. Deswegen werde ich für meine folgenden Berechnungen die Werte aus Quelle 1 übernehmen, welche entfettetes Kakaopulver mit 2,5% Theobromingehalt, also mit 25mg je Gramm angibt.

A1.2) Der Theobromingehalt von (Alpen-)/(Edel-)/(Voll-) Milchschokolade

Der tatsächliche Wert ist bei Milchschokoladen nicht so einfach zu berechnen, da das Lebensmittelrecht zwar vorschreibt, dass mindestens 25% Kakaobestandteile enthalten sein müssen über die Verteilung (Kakaopulver-Kakaobutter) aber keine Vorschriften macht.
Vergleicht man die handelsüblichen Milchschokoladen miteinander, dann ähneln sie sich in zwei Merkmalen, die zumindest eine Abschätzung erlauben:

  1. Die meisten Handelsmilchschokoaden sind mit 30-35% Gesamtkakaoanteil gekennzeichnet
  2. üblicherweise steht die Kakaobutter in der Zutatenliste vor der Kakaomasse/dem Kakaopulver, was aussagt, dass im Produkt entweder mehr Kakaobutter als -masse enthalten ist oder die Verteilung mindestens 50/50 beträgt, wenn die beiden Bestandteile genau hintereinander aufgeführt werden. Meistens ist zwischen der Kakaobutter und der -masse/dem -pulver aber noch eines der Milchbestandteile aufgeführt, die zusammen mindestens 14% ausmachen müssen.

Ich kann also annehmen, dass eine Milchschokolade, die mit 30% Gesamtkakaoanteil ausgewiesen ist und in deren Zutatenliste die Kakaobutter vor der Kakaomasse aufgeführt ist und wo zwischen diesen beiden Bestandteilen noch eine Milchkomponente steht, der Gesamtanteil der Kakaomasse im Produkt 12% nicht übersteigt. Nehme ich für diese 12% dann einen Wert von 2,5% Theobromin an, dann kann ich errechnen, dass derart deklarierte Milchschokoladen einen Theobrominwert von 0,3% = 3mg/g eigentlich nicht überschreiten dürften. Da dieser Wert über denen in den unten genannten Quellen liegt verwende ich ihn als theoretischen Höchstwert für Milchschokoladen.

Die meisten Quellen nennen für Milchschokoladen recht einheitlich einen Wert von 2mg/g.
Rittersport gibt seine Edelvollmilch (35% Kakao) mit 1,8mg/g an (Q8), was diesem Wert ebenfalls sehr nahe kommt.

A1.3. Der Theobromingehalt von Zart-/Halbbitterschokoladen

Obwohl die Mindestanforderungen an Bitterschokoladen nicht in der Kakaoverordnung festgelegt sind, ist die Bestimmung eines möglichen Theobrominwertes einfacher als bei Milchschokolade.
Wie bei vielen anderen verarbeiteten Lebensmitteln greift bei Bitterschokoladen die sogenannte "Verkehrsauffassung". Kurz erklärt handelt es sich um eine Art verbindlichen Konsens, der die "berechtigten Erwartungen des Verbrauchers" an die Beschaffenheit und Zusammensetzung bestimmter Lebensmittel festlegt. (Q11, letzter Absatz). Nach dieser Verkehrsauffassung enthält Zart-/Halbbitterschokolade mindestens 50% Gesamtkakaoanteil und mindestens 18% Kakaobutter. (Q13, Tabelle 1)
Beim Durchforsten der im Handel angebotenen Halbbitterschokoladen zeigt sich, dass die meisten als Zart- oder Halbbitterschokolade deklarierten Produkte mit 50% oder 55% Gesamtkakaoanteil ausgewiesen sind.
Nehme ich dann an, dass eine Zart-/Halbbitterschokolade 55% Gesamtkakao hat und mindestens 18% Kakaobutter, dann bleiben im Höchstfall 37% Kakaopulveranteil im Produkt übrig.
Bei 2,5% Theobromingehalt im Kakaopulver würde eine 55%ige Halbbitterschokolade also maximal 0,925%Theobromin enthalten, das entspricht 9,25mg/1g. Da dieser Wert deutlich über dem von Rittersport für die Sorte "Halbbitter" angegebenem Wert liegt (Q10) darf zwar angenommen werden, dass die meisten handelsüblichen Zart-/Halbbittertafeln einen höheren Kakaobutteranteil und somit einen niedrigeren Theobrominwert aufweisen und der von mir Errechnete in den meisten Fällen unterschritten wird.

A.1.4. Der Theobromingehalt von Bitterschokolade

Wie bereits beim Unterpunkt "Zart-/Halbbitterschokolade" beschrieben existiert auch für "Vollbitterschokoladen" keine Definition in der Kakaoverordnung. Laut Verkehrsauffassung weist eine Bitterschokolade mindestens 60% Gesamtkakaobestandteile auf und ebenso wie die Zartbitterschokolade mindestens 18% Kakaobutter.
Die im Handel erhältlichen Bitterschokoladen weisen üblicherweise einen Gesamtkakaogehalt von mindestens 70% auf. Wenn ich von diesen 70% dann 18%, (die mindestens auf Kakaobutter entfallen) abziehe, verbleibt ein Kakaopulvergehalt von 52%. Demnach  läge der rechnerische Theobrominwert für 70%iger Bitterschokolade bei 1,3%, also 13mg/g. Dieser errechnete Gehalt liegt über den Werten, die Rittersport für die 73%ige Sorte "Edelbitter" angibt(Q9) und den 8mg/g, die Quelle 1auf S.952 für Bitterschokolade nennt.
Quelle 4 nennt auf Seite 217 als Werte für Bitterschokolade : 13,7-15,8mg/g, gibt aber keine Kakaoanteile an.
Nicht schlüssig herleiten kann ich mir die von Vetpharm in Quelle 5 genannten und so oft zitierten 20mg/g. Nur, wenn ich berechne wie die Dinge lägen, würden die vollen 70% aus Kakaopulver bestehen erhalte ich Ergebnisse, die in die von Vetpharm zitierten Bereiche passen. Dazu kommen "Fallberichte" bzw aufgrund der nichtvorhandenen Dokumentation wohl eher "Berichte" von Hunden die Bitterschokidosen symptomlos überstanden haben, die laut den Vetpharmwerten hätten tödlich sein müssen. Üblicherweise halte ich diese Datenbank (Vetpharm).für ausgesprochen zuverlässig, aber darauf, dass 70% ige Bitterschokolade, (die nicht explizit ohne oder mit extrem wenig Kakaobutter hergestellt wurde) die von Vetpharm genannten Theobrominwerte enthalten kann finde ich auch in anderer Literatur keinerlei Hinweise.
Deswegen verwende ich bei der Berechnung von Produkten mit 70%iger Bitterschokolade die von mir errechneten 13mg/g.

A2) Annahme 2: Berechnung des Theobromingehaltes von Schokoladehaltigen Produkten
Schaut man sich die Treffer, die eine Suchmaschine bei den Suchbegriffen "Hund + Schokolade" oder "Hund + Theobromin" ausspuckt genauer an, fällt schnell auf, dass es besonders häufig vorkommt, dass Hundi sich irgendeine Schokoladenspezialität organisiert und der Halter die Gefährlichkeit dann nicht einschätzen kann. Deswegen habe ich mich mithilfe der Zutatenlisten und den Annahmen 1 bemüht einmal mögliche Hausnummern in Form von Werten für einige Produkte zu berechnen, die immer wieder von Hilfesuchenden genannt werden. Gewählt habe ich mit Absicht die obere Grenze der möglichen Werte um die Wahrscheinlichkeit, das eines der Produkte mehr Theobromin enthält als von mir berechnet gering zu halten.

A2.1. Theobromingehalt von Kinderriegeln
Der Hersteller gibt den Gesamtkakaogehalt des Produktes mit 13% an. In der Zutatenliste wird der Schokoladenanteil, der 40% des Kinderriegels ausmacht, als "Vollmilchschokolade" bezeichnet, Kakaobutter steht in der Zutatenliste eine Position vor der Kakaomasse. Rechnerisch dürfte die verwendete Vollmilchschokolade als etwa 32% Gesamtkakaoanteil haben. Daher nehme ich die Werte von der Rittersport Edel-Vollmilch und berechne den Theobrominwert von Kinderriegeln mit 0,72mg/g.

Theobromingehalt in 35%iger Rittersport Edelvollmilch: 1,8mg/g
Kinderrigel besteht zu 40% aus einer vergleichbaren Schokolade, deswegen berechne ich den Theobrominwert von Kinderriegeln mit :
100% = 1,8mg/g
40% = 0,72mg/g


A.2.2. Theobromingehalt von Dr Oetker Mousse au Chocolat
Die Zutatenliste nennt 2 verschiedene Kakaoprodukte, nämliche ganz konkret 4,8% fettarmes Kakaopulver und 4,0% Vollmlichschokolade, die in ihrer Zusammensetzung wieder in etwa der Rittersport entspricht i(Kakaobutter, den Milchbestandteil Vollmilchpulver und dann Kakaomasse). Für das fettarme Kakaopulver kann also ein Theobromingehalt von 2,5% angenommen werden. Also 25mg/g während ich für die Vollmilchschokolade 2mg/g annehme.
Bei dieser Rechnung komme ich für die Mousse auf einen Theobrominwert von 1,28mg/g.
100% = 25mg/g
4,8% = 1,2mg/g

100% = 2mg/g
4%  = 0,08mg/g

Gesamt: 1,28mg/g

A2.3. Theobromingehalt von Ferrero Küsschen
Auch bei Ferrero Küsschen werden zwei verschiedene kakaohaltige Produkte in der Zutatenliste aufgeführt:
31% Milchschokolade und 15% Halbbitter. Um eine Abschätzung zu haben verwende ich für die Berechnung die 2mg/g aus den unten genannten Quellen für die Vollmilchschokolade und 9,25m/g aus Annahme 1 für die Halbbitterschokolade. So ergibt die unten stehende Berechnung einen Wert von 2mg/g und die Annahme, dass eine höhere Dosis in Ferrero Küsschen nicht zu vermuten ist.


Milchschokoladenanteil von 31%
100% = 2mg/g
 31% = 0,62mg/g

Halbbitterschokoladenanteil von 15%
100% = 9,25mg/g
15%= 1,38mg/g

Gesamt:
0,62mg/g + 1,12mg/g = 2mg/g

Q1 S.951, Q4 S 217, Q5, Q7, Q15 S. 27, Q23

7. Wie vollständig wird Theobromin aufgenommen, wie wirkt es und welche Symptome sind verdächtig?

Theobromin ist wie auch Coffein und Theophyllin gut wasserlöslich und muss als "sehr gut resorbierbar" eingestuft werden. Zwar sinkt die Vollständigkeit der Resorption mit steigender Reinheit, so wird Theobromin aus Schokolade zu etwa 20% weniger resorbiert als reine Theobrominlösung. Aber im großen und Ganzen muss damit gerechnet werden, dass die Dosis Theobromin die im gefressenen Produkt enthalten ist auch annähernd komplett in den Blutkreislauf gelangt.

Q4 S. 217, Q6, Q7, Q18 S. 135

Die drei natürlich vorkommenen Methylxanthine, zu denen neben dem Theobromin auch Coffein und Theophyllin gehören, wirken auf zweierlei Wegen auf den Organismus ein:

  • Entspannung der glatten Muskulatur (Artikel über unterschiedliche Muskelgewebe geplant), insbesondere der Muskelschicht in Blutgefäßen und Bronchien, was zu einer Erweiterung führt. Die durch diesesn Effekt gesteigerte Durchblutung der Nierengefäße führt z.B. zu einer erhöhten Harnproduktion.
  • Stimmulation des zentralen Nervensystems und der Herztätigkeit, dieser Effekt ist u.A. für die Erregungszustände, die Steigerung der Herzfrequenz und die Erhöhung der Muskelspannung, welche zu Zittern und Krämpfen führt verantwortlich

Erste Symptome treten üblicherweise 2-4 Stunden nach der Aufnahme auf, häufige Symptome sind:

  • Magen/Darmtrakt:
    • Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, durch Steigerung der Peristaltik über das ZNS
  • direkte Wirkungen durch Stimulation des ZNS
    • Schwitzen/Hecheln/Fieber
    • Unruhe/Erregungszustände/Hyperaktivität
  • Herz-Kreislauf
    • gesteigerte Herzfrequenz
    • Herzarrhytmien
  • Niere
    • gestigerte Harnausscheidung durch Erweiterung der Nierenblutgefäße
    • gesteigerter Durst
  • Muskulatur:
    • Steifheit
    • Hyperreflexie
    • Lähmungen der Hinterhand
    • Ataxie
    • Tremor (Muskelzittern)
    • Krämpfe
  • Lunge:
    • Erweiterung der Bronchien (Bronchodilatation)
    • Steigerung der Atemfrequenz
  • Blutgefäße
    • Verengung (Konstriktion) der zerebralen (dem Gehirn zugeordneten) Blutgefäße
    • Erweiterung (Dilatation) aller übriger Blutgefäße
  • Andere, mögliche Symptome
    • Depression/Apathie
    • Koma
    • Tod durch Herzkreislaufversagen (üblicherweise innerhalb von 6-24 Stunden nach Aufnahme)
Q2 S. 243, Q: 4, S. 217, 5, 6, Q14 S.121, Q15 S.125, Q16 S.244, Q18 S. 135, Q19, S.43, Q 23

8. Was tun, wenn der Hund Schokolade gefressen hat? wie hilft der Tierarzt? Wie ist die Prognose?

Da es kein spezifisches Gegengift gibt, welches man bei einer Theobrominvergiftung einsetzen kann um dem Patienten zu helfen ist es immer sinnvoll sofort einen Tierarzt zu kontaktieren, wenn man begründeten Verdacht hat, dass der Hund eine Dosis aufgenommen hat, die gefährlich werden könnte. Dem Tierarzt sollte dann telefonisch mitgeteilt werden, welche Schokoladenmenge der Hund aufgenommen hat, wenn möglich, welche Theobromindosis man vermutet, wie lange die Aufnahme zurück liegt, ob der Hund irgendwelche Vorerkrankungen hat und ob bereits Vergiftungssymptome zu beobachten sind. Der Tierarzt wird dann mit dem Halter besprechen ob er es für sinnvoll hält den Hund zu behandeln, ob eine gute Beobachtung durch den Halter ausreichend ist oder ob er sogar vollständig Entwarnung geben kann.
Das Vorgehen bei der Behandlung unterscheidet sich gravierend, je nachdem wie lange die Schokoladenaufnahme zurückliegt und ob bereits Vergiftungserscheinungen sichtbar sind:

  1. Vorbeugende Maßnahmen
    Liegt die Aufnahme weniger als 2 Stunden zurück, besteht eine Chance, durch folgende Maßnahmen die Aufnahme des Theobromins in den Blutkreislauf zu verhindern oder zumindest zu reduzieren:
    • Auslösen von Erbrechen:
      befindet sich die Schokolade zumindest noch zum Großteil im Magen, dann besteht die Möglichkeit, dass der Tierarzt dem Patienten eine Spritze verabreicht, die Erbrechen auslöst um die Schokolade wieder hinauszubefördern bevor sie in den Darm transportiert wird wo die Aufnahme des Theobromins ins Blut erfolgen würde.
      Nachdem der Magen ausreichend entlehrt ist spritzt der Tierarzt ein Gegenmittel, welches den Brechreiz wieder "ausschaltet". Da dieses erzwungene Erbrechen den Kreislauf massiv belasten kann ist es nicht zu empfehlen diesbezüglich ohne Rücksprache mit dem Tierarzt selbst zu experimentieren. Wenn der Tierarzt hinsichtlich des Kreislaufs des Patienten Bedenken hat kann er empfehlen anschließend noch eine Infusion zu verabreichen
    • Magenspülung:
      Ist aufgrund des zeitlichen Ablaufes davon auszugeben, dass die gefressene Schokolade sich noch vollständig oder großteils im Magen befindet, erreicht man aber mit dem ausgelösten Erbrechen nicht die gewünschte Entlehrung des Magens, so kann dies an der Klebrigkeit der Schokolade liegen (Q5). In diesem Fall kann der Tierarzt eine Magenspülung vornehmen. Hierzu wird jedoch üblicherweise eine Narkose oder zumindest eine Sedation (Narkose+Sedation) erforderlich
    • Verabreichung von Aktivkohle
      Wenn anzunehmen ist, dass bereits ein Teil der Schokolade vom Magen in den Darm weitertransportiert wurde, dann besteht die Möglichkeit die Resorption des Theobromins durch die Gabe von Kohletabletten zu reduzieren. Wenn der Halter Kohletabletten in der Hausapotheke hat, kann mit dem Tierarzt besprochen werden ob sie, wenn die Aufnahme einer geringeren Theobromindosis vermutet wird, daheim gegeben werden können und anschließend eine Beobachtung durch den Halter ausreichend ist oder ob bei höheren Dosen bereits vor der Fahrt zum Tierarzt Kohletabletten gegeben werden sollen.
  2. Möglichkeiten bei der Behandlung bereits vorhandener Vergiftungssymptome
    Zeigt der Patient bereits Vergiftungssymptome, besteht die Behandlung darin den Kreislauf zu stabilisieren und die Symptome zu mildern. Das kann von Patient zu Patient stark variieren. "Üblich" ist neben Infusionen die Behandlung von Erbrechen (z.B. mit MCP), bei  Muskelzittern, Krämpfen und Unruhe kann der Patient sediert werden, unter Umständen kann es notwendig werden den Patienten zu beatmen. Auch die Gabe von Herzmedikamenten kann angezeigt sein, desweiteren muss vorallem wenn der Hund größere Mengen Schokolade gefressen hat kontrolliert werden ob keine Verstopfung vorliegt. 

Prognose:
Wie gut die Prognose ist, hängt maßgeblich davon ab wie schnell die Aufnahme auffällt bzw wie zügig Gegenmaßnahmen getroffen werden. Am Besten stehen die Chancen ohne Frage, wenn die Aufnahme so früh festgestellt kriegt, dass der Hund einem Tierarzt vorgestellt werden kann bevor Vergiftungssymptome zu erkennen sind. Im optimalen Falle kann durch das Herbeiführen von Erbrechen oder eine Magenspülung noch verhindert werden, dass das Theobromin aus dem Magen in den Darm und darüber in den Blutkreislauf gelangt. Ist die Aufnahme bereits etwas mehr als 2 Stunden her, zeigt der Patient aber noch keine Symptome, so kann die Theobrominaufnahme im Darm durch die Gabe von Aktivkohle ggf noch abgeschwächt werden, außerdem kann der Patient in solchen Fällen beim Tierarzt beobachtet werden und im Falle einer Vergiftung rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden ehe der Organismus schon geschädigt wurde.
Zeigt der Patient bereits ernste Vergiftungssymptome, so ist die Prognose als vorsichtig bis schlecht zu bewerten.

Q2 S. 243, Q4 S. 217, Q6 (Toxizität), Q7, Q16 S245, Q21 S. 2 , Q23

9. Lagert sich Theobromin wirklich im Körper an?

Auf diese Frage muss deutlich mit "jain" geantwortet werden. Aber der Fall liegt hier etwas komplizierter:
Zwar stimmt das Gerücht, dass Theobromin im Hund niemals abgebaut wird und sich praktisch ein Leben lang aufsummiert nicht.
Der Abbau ist jedoch deutlich langsamer als z.B. bei Menschen. Dadurch kann Theobromin
kumulativ wirken, sich also aufsummieren, wenn es schneller "nachgefüllt" als abgebaut wird. Andere Quellen sprechen aber auch von einer Art "Toleranzbildung" zumindest langfristigerer Verabreichung von Coffein im Bezug auf einzelne Auswirkungen. Verlässliche Infos darüber ob diese Toleranzbildung vor Vergiftungserscheinungen schützen kann gibt es aber nicht.
Festhalten kann man also, dass Einzeldosen, die für sich genommen nicht giftig werden sich durchaus über einige Tage hinweg addieren können. Der Zeitraum indem solch eine Aufaddierung möglich ist dürfte aber gering sein. Es ist also nicht möglich, dass sich ein Hund mit einer additiven Dosis vergiftet obwohl die letzte Aufnahme schon Wochen oder Monate zurückliegt.

Q3 S. 136, Q4 S.217, Q14, S.121

10. Wie sieht es mit anderen Tieren aus?


Wennn es um Theobrominvergiftungen geht, dann liegt der Fokus der Diskussion üblicherweise auf dem Vergiftungsrisiko für Hunde. Für Katzen findet man zwar Hinweise darauf, dass Methylxanthine in ähnlicher Dosis giftig wirken wie bei Hunden, in der Praxis scheinen Schokoladenvergiftungen bei Katzen allerdings selten bis gar nicht vorzukommen, was dem Umstand zuzuschreiben ist, das Katzen seltener dazu neigen größere Schokoladenmengen zu verputzen. (Q7) Stellt man bei der eigenen Katze eine Vorliebe für Schokolade fest, sollte man diesem Verlangen mit ähnlicher Vorsicht begegnen, wie man es bei einem kleinen Hund täte.

Für einige andere Tierarten finden sich folgende Angaben

 Tierart  Dosis  Anmerkung
 Maus  akute LD50 837mg/kg(orale Aufnahme)
Q6
 Ratte akute LD50 1265mg/kg(orale Aufnahme) Q6
Kaninchen
akute LD50 1265mg/kg(subcutane Injektion) Q6
"Hase"
chronische Toxizität: erhöte Sterblichkeit bei 1%-1,5% Theobromingehalt im Futter über 120 Tage
Q15, S.128
Geflügel
enthält die Futterration einen Theobrominanteil ab 7,5%, ist mit wirtschaftlichen Einbußen (vermindertes Wachstum, schlechtere Legeleistung) zu rechnen
Ab 10-30% Theobrominanteil im Futter treten 5 Tage nach dem Verfüttern Todesfälle auf
Q6,
Q15(S.128+
S. 135)
Schweine
ab 2,5% Kakao-Restprodukte im Futter: Verdauungsstörungen
ab 8% Todesfälle
Q15 S. 128
Kälber
bei 5-10% Kakao-Restprodukte Vergiftungssymptome
Q15 S. 128
Kühe
In einem Versuch verminderte sich die Milchleistung bei Kühen, die eine Woche lang täglich je 1kg Kakaoschalen gefressen hatten, diese Leistungsminderung gab es im Gegenversuch mit enttheobrominierten Kakaoschalen nicht
Q15 S. 128
Pferd

"Eine tägliche Aufnahme von 5 g Theobromin ist beim Pferd tödlich"
(Die Quelle macht keine weitere Aussage dazu ob die Dosis bei einmaliger Gabe tödlich ist oder bei regelmäßiger Gabe über mehrere Tage hinweg)
Grundsätzlich sind
Methyxantine in der Pferdepraxis aber eher ein Dopingproblem

Q6

Q20 S.65

Weitere Infos (z.B. zu Studien rund um die Wirkung auf Fortpflanzung) auch in Q1 ab Seite 951 und Q6

11. Fazit

Das Thema bleibt schwierig, zumal  berichtete Fallbeispiele und die genannten Dosen kaum noch weiter auseinander gehen könnten. Zwar sind die Angaben über Letaldosen verhältnismäßig einheitlich, aber die Fallbeispiele weichen zum Teil massiv ab. So beschreibt z.B. Q5 in 8.2. folgendes Fallbeispiel:

Zwei Englische Bulldoggen (Rüde und Hündin, beide 2 Jahre alt) haben je ein Stück Kuchen mit Schokoladenglasur gefressen (etwa 20-30 g Schokolade). Symptome: Kollaps, Schaum vor dem Maul, Konvulsionen, Tod innerhalb weniger Minuten nach Einlieferung. Sektion: Keine auffällige Veränderungen
(Quelle: Stidworthy et al, 1997)

Setze ich die beiden Hunde mit je 20kg an, dann komme ich, selbst wenn ich für je 30g gefressene Schokolade die 26mg/g ansetze, die Schokolade mit 90% Kakaoanteil enthalten könnte an, dann komme ich auf eine Dosis von

30*26mg Theobromin = 780mg/Hund und bei einem angenommenen Gewicht von 20 kg auf eine Dosis von 39mg/kg Körpergewicht, die in dem hier beschriebenen Fall tödlich gewesen sein soll. Leider ist es mir bisher nicht gelungen an die genannte Quelle zu kommen, vielleicht gibt die darüber Aufschluss, ob Vorerkrankungen vorlagen oder sonst noch eine andere Todesursache in Frage kommt.  Denn interessanterweise entstammen die oben genannten Werte, die erst bei Dosen ab 20mg/kg überhaupt mit Symptomen rechnen und erst ab 60mg/kg die Möglichkeit tödlicher Folgen in Betracht ziehen aus der gleichen Quelle (Q21, S.1.)
Quelle 4 gibt auf 217 zwar die "übliche" LD50 von 150-300mg/kg an, räumt aber gleichzeitig ein: "Dosen unter 300mg/kg können ohne offensichtliche Effekte verlaufen"

Im Schnitt würde ich persönlich bei den Mengen aus dem Fallbeispiel der beiden Bulldoggen nicht mit einem tödlichen Ausgang rechnen, aber auch keineswegs annehmen, dass eine Dosis von 300mg/kg ohne Folgen bleibt. Außerdem bleibt es trotz stundenlanger Rechnerei ein Rätsel, wieviel Theobromin welche Schokoladensorten nun wirklich enthalten. Ein Freund hat mal bei einem Labor angefragt, wie hoch die Kosten für Analysen sind und bekam die Aussage, dass mit etwa 160 Euro (netto) je Probe zu rechnen sei.
Da es schon notwendig wäre etwa 10 marktübliche Sorten zu vergleichen käme man also auf knapp 2000 Euro. Das ist vielleicht mal ein Projekt für die Zukunft, aber im Moment einfach zu teuer.

Als Fazit kann ich mich darauf festlegen, dass die Toxizität von Schokolade und anderen kakaohaltigen Produkten zwar tatsächlich nicht unterschätzt werden darf, ein Grund zur Panik aber üblicherweise tatsächlich nur bei der Aufnahme von "Richtig großen Mengen" oder bei  Bitterschokolade angezeigt ist und hier vorallem kleine Hunde gefährdet sind.
Aber auch wenn alles darauf hindeutet, dass kleinere Mengen (Milch)Schokolade bei gesunden Tieren vollständig harmlos sind gebe ich zu Bedenken, dass viele Tiere eine Vorliebe für Nahrungsmittel entwickeln, die ihnen vertraut sind.
So kann z.B. ein Hund, der mal in Herrchens Reisetasche guckt was da so drin ist möglicherweise eher dazu verleitet werden, die darin befindliche Schokolade zu nehmen, wenn er gelegentlich bei der Eliminierung von Schokoladenvorräten behilflich sein durfte.

Während die meisten Hunde sich jedoch auch für Schokolade interessieren dürften, wenn sie nie zuvor welche gekostet haben, sehe ich persönlich diese Gewöhnung bei Katzen sehr kritisch, beobachte ich bei meinen eigenen Katzen doch, dass sie neue Futtermittel meist erst akzeptieren, nachdem ich diese explizit als essbar vorgestellt und beworben habe.

Da es kein spezifisches Gegengift gibt und die Prognose bei schwereren Vergiftungen selbst unter intensiver, tiermedizinischer Behandlung als vorsichtig bis schlecht zu bewerten ist kann ich nur dazu raten, auch bei einem gesunden Hund, einen Tierarzt zumindest telefonisch zu kontaktieren, wenn in Abgleich mit den oben aufgeführten Tabellen nahelegt, dass eine Dosis von 50-60mg/kg Körpergewicht gefressen wurde.

12. Literaturverzeichnis

1 ) Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. 6. Drogen (1994)

2 ) Klinische Diätetik für Kleintiere, Band 1 (2002)

3 ) Ernährung des Hundes: Grundlagen - Fütterung - Diätetik Helmut Meyer,Jürgen Zentek (2010)

4 ) Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günther Schwarz:  Praktikum der Hundeklinik: Begründet von Hans G. Niemand  (2011)

5 ) Methylxanthine - Kleintier, Uni Zürich (Stand 10/2013)

6 ) Theobromin, Uni Zürich (Stand 10/2013)

7 ) Dr. med. M. Waitz:  Schokoladenvergiftung bei Hunden und Katzen

8 ) Produktpass: Rittersport Edelvollmilch

9 ) Produktpass: Rittersport Edelbitter

10 ) Produktpass: Rittersport Halbbitter 

11 ) Grundlagen des Lebensmittelrechts 

12 )  Kakaoverordnung 

13 ) Warengruppe Schokolade

14 )  Fritz Rupert Ungemach,Reinhard Kroker,Wolfgang Löscher: Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren (2010)

15 ) Cordula Schaarschmidt: Theobromin - Zur Geschichte und Gegenwart eines Wirkstoffs (2008)

16 ) Daniel Demuth,Jacqueline Kupper: Giftige Pflanzen für Klein- und Heimtiere (2010)

17 )  H. Robert Horton: Biochemie, das Basislehrbuch (2008) 

18 ) Hans-Hasso Frey:  Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin (2007)

19 )  Achim Dieter Gruber,Wolfgang Baumgärtner: Allgemeine Pathologie für die Tiermedizin (2011)

20 )  Olof Dietz,Bernhard Huskamp: Handbuch Pferdepraxis (2006)

21 ) C.F. Agudelo, Z. Filipejova, P. Schanilec: Chocolate ingestion-induced non-cardiogenic pulmonary oedema in a puppy: a case report (2012)

22 ) Heinz Lüllmann,Klaus Mohr,Lutz Hein: Pharmakologie und Toxikologie (2010)

23)  Intoxication du chien par le chocolat

"Wie genau ist das nun mit Hund und Schokolade?" vollständig lesen

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Wundarten1: Epitheliale Wunden (aktualisiert: Bilder wieder eingefügt)

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Artikelpreis: 69,50€
Artikel ID: 11
Wozu diese Angaben?

Epitheliale/oberflächliche Wunden


Definition:

Als epitheliale Wunden werden Verletzungen bezeichnet, die nur die Epidermis und keinerlei tieferen Hautschichten betreffen. Bei ungestörtem Heilungsverlauf heilen diese Wunden ohne Narbenbildung, also unter vollständiger Reparation ab. Dies bedeutet, dass die Hautschicht, welche den Wundbereich von den Wundrändern her abdeckt sämtliche Funktionalität der zerstörten Epidermis wieder herstellen kann.


Abbildung1: epitheliale Wunde an der Rute einer Hündin durch Auflecken und Beknabbern nach (bereits abgeheiltem) Insektenstich


Um diesen Verletzungstyp anschaulicher zu machen, habe ich zwei schematische Grafiken erstellt:
Abbildung 2 ist eine schematische Darstellung des Aufbaus der Haut: Haare, Talg- und Schweissdrüsen habe für eine bessere Übersicht nicht dargestell. Eine exaktere Beschreibung des Aufbaus der äußeren Haut könnt ihr in einem gesonderten Artikel nachlesen (in Vorbereitung, wird dann hier verlinkt)


 Abbildung2: Schematischer Aufbau der Haut



Wie der Name "oberflächliche Wunde". bereits vermuten läßt sind bei diesem Wundtyp nur die beiden Schichten der Epidermis betroffen.  Durch eine oberflächliche Verletzung der, in der Lederhaut endenden, Blutgefäße kann es zu kleinen, punktförmigen Blutungen kommen. Aufgrund der dicht unter dem Wundgrund liegenden freien Nervenenden können epitheliale Wunden sehr schmerzhaft sein.
Hier eine schematische Darstellung:


Abbildung3: epitheliale Wunde(Schema)

Genese/Entstehung:

Bereits bei der üblichen Herrkunft dieser einfachen Wunden zeigt sich ein gravierender Unterschied zwischen Mensch und Tier:
Während solche oberflächlichen Wunden bei Menschen in den meisten Fällen als Schürfwunde (also durch die Reibung der Haut über eine raue Oberfläche) auftreten, dürften sie bei Tieren u.A. aufgrund der deutlich besseren Verschieblichkeit der Haut und den zusätzlichen Schutz durch das Fell deutlich seltener durch Abschürfung entstehen.

Die meisten mir bei Tieren bekannten epithelialen Wunden sind selbstbeigebracht, beispielsweise durch Kratzen, das intensive Belecken oder leichtes Beknabbern einer Körperregion; etwa als Reaktion auf Juckreiz, Schmerz oder psychische Anspannung.
Als Ursachen kommen neben psychischen Ursachen u.A. Parasitenbefall, Infektionen der Haut, Allergien, Schmerzhaftigkeit der tiefer liegenden Strukturen (z.B. Gelenke) in Frage. 
Ein häufiges, klinisches Bild stellt die sogenannte Leckdermatitis (über Leckdermatosen schreibe ich ggf nochmal einen gesonderten Artikel) dar.

Therapie: 

Die zu empfehlende Therapie hängt maßgeblich von der Herkunft der Wunde, ihrer Größe, einer eventuellen Infektion und dem Verhalten bzw den Haltungsbedingungen des Patienten ab.
Neben der Wunde an sich ist die Ursache zu klären und zu behandeln.

Insbesondere kleine, oberflächliche Wunden heilen (ggf nach erfolgter Wundreinigung) ohne weitere Versorgung unter Schorf ab. Soweit die Theorie und in der Humanmedizin im weitesten Sinne auch die Praxis.
Diese unproblematische Abheilung ist aber nur möglich wenn folgende Vorraussetzungen erfüllt sind:

  • es darf keine kritische Kolonisation oder Infektion vorliegen
  • der Patient und mit ihm zusammenlebende andere Tiere dürfen die Wunde nicht belecken, beknabbern oder sie wieder aufkratzen
  • die Wunde muss so lokalisiert sein, dass sie bei den Haltungsbedingungen des Patienten keiner andauernden, weiteren Verschmutzung, mechanischer Belastung oder Neubesiedelung mit Infektionserregern ausgesetzt ist

Während diese Vorraussetzungen bei Menschen häufig erfüllt sind ist hier selbst bei größeren, epithelialen Wunden meist keine Behandlung zwingend notwendig. Eine Abdeckung von epithelialen Wunden erfolgt bei Menschen eigentlich nur dann, wenn sie sich an Stellen befinden an denen Narbenbildung aus kosmetischen Gründen unerwünscht ist oder wenn sie so lokalisiert sind, dass Kleidung anhaftet oder surch Wundsekret verschmutzt wird.
In der Tiermedizin zwingt allein die Tendenz vieler Tiere zum Belecken der Wunden häufig zu mindestens zu einem Leckschutz.
Auch wenn die Maniulation der Wunde durch den Patienten häufig bereits durch einen Leckschutz  unterbunden werden kann, sollte zumindest bei größeren Wunden eine Abdeckung der Wunde mit einer modernen Wundauflage in Erwägung gezogen werden, die Vorteile liegen auf der Hand:

  •  praktische Aspekte:
    • der Patient kann auch dann nicht ohne Weiteres an die Wunde gelangen, wenn ihm der Leckschutz einmal abgenommen wird
    • Artgenossen/anderen Tieren wird der Zugang zur Wunde verwehrt
    • eine Verschmutzung/mechanische Belastung der Wunde wird vermieden
    • Wundsekret wird von der Wundauflage aufgenommen und verschmutzt nicht das Umfeld des Tieres/Tierhalters
  • Vorteile des feuchten Wundmileus durch modernes Wundmanagement gegenüber der trockenen Heilung unter Wundschorf:
    • Wundschorf wird leicht ungewollt von der Wunde gerissen, öffnet die Wunde dann wieder für Infektionserreger und verzögert die Heilung
    • Die Neubildung von Zellen und deren Einwanderung in das Wundgebiet werden durch Wundschorf stark ausgebremst und erfolgen im feuchten Wundmileu deutlich schneller (manche Quellen sprechen von 40% schnellerer Heilung bei feuchtem Wundmileu, Andere gar von 100%)
    • im Gegensatz zu modernen Wundauflagen bietet Wundschorf keinen zuverlässigen Schutz vor dem Eintrag von Infektionserregern
    • Wundschorf ermöglicht keinerlei Kontrolle der Wunde während der Heilung, Wundinfektionen fallen oft erst spät auf (etwa wenn die Wundumgebung Anzeichen einer Entzündung zeigt)
    • überschüssiges Wundexsudat, welches von modernen Wundauflagen gebunden oder abgeleitet wird kann sich unter dem Wundschorf ansammeln und einen Nährboden für Infektionserreger bilden
    • bei feuchter Wundheilung entsteht weniger Juckreiz, der Patient wird weniger zur Manipulation verleitet
    • bessere Heilungsergebnisse (stark verminderte Narbenbildung auch bei größeren Defekten) erhöht den Erhalt der Funktion der verletzten Bereiche

In der Humanmedizin sind bei epithelialen Wunden Hydrokolloide (Link folgt) Mittel der Wahl.
In der Tiermedizin, kann ich nur unter Berücksichtigung einiger Aspekte zu diesen Auflagen raten:
Hydrokolloide erzeugen eine sogenannte Okklusion, einen Abschluss, der eine mehrtägige Wundruhe erforderlich macht und darüber hinaus für infizierte Wunden kontraindiziert ist. Da das Infektionsrisiko aufgrund des größeren Eintrages an Infektionserregern (z.B. durch Speichel) bei Tieren oftmals höher ist, hat es sich für mich bewährt die Wunde zunächst ca 2-3 Tage lang antiseptisch und nichtokklusiv zu versorgen und  täglich zu kontrollieren. Anschließend kann auf Hydrokolloidverbände oder andere Auflagen und längere Tragedauer gewechselt werden.  Welche Wundauflagen geeignet sind hängt maßgeblich von der Exsudatmenge ab. Viele Wundauflagen Hersteller bieten ihre Wundauflagen zusätzlich in einer "Version" mit Silber, PHMB oder einem anderen antiseptischen Wirkstoff an, die bei kritischer Kolonisation gewählt werden kann.

lokale Wundtherapeutika (links mit Erläuterungen folgen):

  • Hydrogele (bei zu geringer Exsudation/drohender Austrocknung)
  • antiseptische Wundspüllösungen: Prontosan, Octenillin (zur Reinigung der Wunde)
  • antiseptische Wund- bzw Hydrogele: Prontosan, Octenisept

Wundauflagen (Verlinkungen folgen):

  • schwache Exsudation (Wunde muss vor drohender Austrocknung geschützt werden)
    • Hydrokolloid (Kontraindikationen beachten!)
    • Hydroballance
    • Hydrogel
    • hydroaktive Wundgazen
    • Schaumstoff (bei gleichzeitiger Hydrogelverwendung)
  • mäßige Exsudation (Wunde ist ausreichend feucht)
    • Vliesauflagen mit Aluminiumbedampfung/-beschichtung
    • Wunddistanzgitter
    • Schaumstoffauflagen
    • Hydrokolloide
    • Rondopad
  • starke Exsudation (überschüssiges Exsudat muss gebunden werden)
    • Alginate
    • Hydrofiber
    • Schaumstoffauflagen
    • Rondopad
  • infizierte, kritisch kolonialisierte oder Wunden mit schlechter Heilungstendenz
    • Alginate + AG
    • TenderWet
    • Cutimed Sorbact
  • bedingt geeignete Wundauflagen ("besser als nichts")
    • imprägnierte Wundgazen
    • ggf mit passiver Sekundärauflage zur optimierung des feuchten Klimas
  • kontraindizierte Wundauflagen (völlig ungeeignet)
    • alle passiven Wundauflagen ohne "Antihaftbeschichtung" (Mull, Vliesstoff, ..)

Bei infizierten und infektionsgefährdeten Wunden muss stets der behandelnde Tierarzt konsultiert und in die Therapieentscheidung miteingebunden werden!

Siehe auch:  Wundversorgung: oberflächliche Wunden (folgt)

Quellen:

Wild, Thomas: Manual der Wundheilung (2011)

Voggenreiter, Gregor: Wundtherapie - Wunden professionell beurteilen und erfolgreich behandeln (2009)

Lippert, Hans: Wundatlas Kompendium der komplexen Wundbehandlung(2012)

Anette Seidel: Fortbildung - moderne Wundversorgung

Michael Nerlich,Alfred Berger: Tscherne Unfallchirurgie: Weichteilverletzungen und Infektionen, Band 6 (2002)

Striebel, Hans Walter: Operative Intensivmedizin: Sicherheit in der klinischen Praxis (2007)

Vasel-Biergans, Anette: Wundauflagen für die Kitteltasche (2010)

Wasserstoffperoxid und Sonnenblumen

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Artikel ID: 05
Wozu diese Angaben?

Es gibt so Tage....
an denen die gesamte Belegschaft einer Tierarztpraxis ihren Job hasst.
Dieser Tag war so einer.

Eigentlich begann er wie jeder Andere und ich machte meinen Rundgang durch die Praxis. An diesem Tag war keine Vormittagssprechstunde, weil 2 zeitaufwändige Operationen anstanden.
Während meine Cheffin mit der ersten Operation begann, richtete ich die Instrumente für die Nächste; als das Telefon klingelte.

Aus dem Höhrer vernahm ich ein kaum verständliches Schluchzen und brachte ersteinmal ein paar ruhige Worte an, innerlich mehr als froh grade ausnahmsweise mal nicht unter Zeitdruck zu stehen.
Wenige Worte später erkannte ich unsere Kundin Frau Bach, deren Pudel Max regelmäßig die Praxis aufmischte, im guten Sinne.

An diesem Morgen war Max unbemerkt aus der Terrassentür entwischt und durch das nicht richtig verschlossene Gartentor spaziert. Als er auf der anderen Straßenseite seinen guten Freund, den Briefträger sah zischte Max los, direkt vor ein Auto.
Ein wenig tröstete es mich, dass aus der zittrigen Erläuterung des Frauchens hervorging, das Max sofort tot gewesen sein muss. Wenigstens kein schmerzhafter, qualvoller Tod auf dem Beifahrersitz, während Herrchen/Frauchen mit durchgetretenem Gas noch versucht zum Tierarzt zu gelangen, wie es leider keine Seltenheit ist.
Das ist dann nicht nur schlimm für das Tier, sondern auch traumatisierend für den Halter.

Mäxchen auf jeden Fall liege nun in eine Decke gewickelt in ihrem Hauswirtschaftsraum, der Briefträger (wohl ein Freund der Familie) habe verhindert, dass sie ihn nocheinmal ansieht, er sei blutverschmiert und "völlig zerfetzt" wodrunter ich mir gar nichts vorstellen konnte und wollte.
Sie habe schon mit dem Tierbestatter, der die Einäscherung organisieren würde telefoniert, aber der könne Mäxchen erst am Abend abholen und sie könne es nur schwer ertragen ihr "zerfetztes Mäxchen" solange im Haus zu haben, außerdem machte sie sich verständlicher Weise Sorgen um ihre Kinder.
Zwar empfehlen wir grundsätzlich eher auch Kindern den Abschied von ihrem toten Kameraden zu ermöglichen, aber selbst bei intakten Leichen gibt es Kinder, die das nicht so gut verkraften und der Anblick eines überfahrenen, blutverschmierten Pudels ist wirklich weit weg von dem wovon ein Kind friedlich Abschied nehmen kann.
Wir vereinbaren, dass Mäxchen den Rest des Tages bei uns in der Praxis verbringen und dann abends vom Bestatter bei uns abgeholt werden soll. Wenig später erscheint Frau Bach in Begleitung eines blutverschmierten, kreidebleichen Briefträgers, der mir ein, in eine große Decke eingewickeltes, Mäxchen überreicht.
Die Halterin übergibt mir noch eine Tüte mit Mäxchens Lieblingsdecke, gegen die ich die vollgeblutete "Packdecke" austauschen könne, falls der Bestatter ihn so nicht mitnähme.
Meine Cheffin nimmt Halterin und Briefträger mit in die Teeküche und läßt beide bei einem Kaffee ein bischen zur Ruhe kommen ehe sie sich bei dem Gedanken sie heimfahren zu lassen wohl fühlt.
Nach der zweiten Op fährt meine Cheffin wie üblich ihre Tochter von der Schule abholen und daheim das Essen vorbereiten, um dann zur Nachmittagssprechstunde zurückzukehren.

Meine Aufgabe besteht in diesen Stunden darin, den OP und die Instrumente schnellstmöglich wieder einsatzbereit zu machen, falls ein Notfall kommt, dann habe auch ich Zeit für ein Mittagessen.
Nachdem der OP wieder verfügbar ist möchte ich mich auch eben von Mäxchen verabschieden. Als ich die "Packdecke" abwickel merke ich, dass die Hundehalterin nicht übertrieben hat. Das einst mehr oder weniger weiße Pudelchen ist blutverkrustet, hat die Augen weit aufgerissen und am Köpfchen klaffen zwei hässliche Wunden.
So werde ich das Mäxchen nicht auf seine letzte Reise schicken, das ist mal sicher.
Aus dem "Übungsschrank für Angestellte" besorge ich mir ein bischen abgelaufenes Nahtmaterial, aus dem Lager hole ich Wasserstoffperoxid. Die praxisübliche 3%ige Zubereitung bleicht nicht, eigenet sich aber hervoragend als Blutlöser.

Langsam, aber für meine minimalen Fähigkeiten gar nicht so übel, nähe ich Mäxchens Wunden zu, mit Hilfe von ziemlich viel Wasserstoffperoxid und Leitungswasser wasche ich das Blut aus seinen Locken.
Nachdem ich ihn trockengerubbelt, etwas gefönt und ein bischen gebürstet habe schaut er schon wieder eher nach Mäxchen aus.
Einige Tropfen Sekundenkleber schließen seine Augen für immer zu einer friedlichen Miene (ein Trick dessen ich mich auch gerne bediene, wenn verstorbene Tiere von ihren Haltern mitgenommen und daheim bestattet oder selbst zum Einäschern gebracht werden). Als ich ihn dann schließlch in seine Lieblingsdecke kuschel bin ich zwar immernoch hungrig, kann den Gedanken, dass Mäxchen nie wieder mit dem Ball in der Schnute zur Türe reingeturnt kommen wird aber deutlich besser akzeptieren, dafür reicht dann auch ein Notfallmüsliriegel.

Da gegen Ende der langen Dienstagnachmittagssprechstunde erfahrungsgemäß weniger los ist und nicht selten der Lebensgefährte meiner Cheffin mit anpackt endet mein Dienst etwa eine Stunde vor Sprechstundenende, an Tagen wie diesen kann es mir eh nicht schnell genug gehen bis ich meine eigenen Fellgesichter wieder in die Arme schließen kann.

Bevor ich gehe halte ich noch mit dem Tierbestatter telefonisch Rücksprache und erinnere meine Cheffin daran, dass er Mäxchen wie üblich etwa 10 Minuten nach Sprechstundenende abholen wird.

Daheim gehts erstmal los, mit meinen Jungs entlang der Rennstrecke, alle traurigen Gedanken sind fort, sobald die Jungs rennen und mir der Wind durchs Gesicht streicht.

Als ich mich für diesen Beruf entschied fürchtete ich mich vor Einschläferungen, das hat sich schnell geändert. Zu oft bin ich froh, dass es bei alten/leidenden Tieren diese Möglichkeit gibt sie in Frieden gehen zu lassen und grad bei älteren Tieren, die ein gutes Leben haben komme ich sehr gut damit klar, sogar wenn es meine eigenen sind.
Als Tierarzt/Tierarzthelfer arbeitet man nunmal viel mit alten/kranken Tiere und die sterben nunmal auch irgendwann.

Aber dagegen, dass es mich aus der Bahn wirft, wenn ein junges/gesundes Tier so sinnlos sein Leben lassen muss kann und will ich nichts tun, dennoch gehört es dazu auch mit soetwas fertig zu werden und am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder freundlicher aus.

Auf Arbeit geht alles seinen gewohnten Gang, vormittags freie Sprechstunde, Mittags Papierkram und bloß das Essen nicht vergessen und Nachmittags die Terminsprechstunde. Kurz vor Sprechstundenende reinige ich auf Station die Boxen, als die Türe aufgeht und ich meine Cheffin höre, wie sie sagt "Hier ist sie."

Als ich mich umdrehe steht Mäxchens Halterin vor mir, weinend mit einer Schachtel Pralinen in der einen und einer Sonnenblume in der anderen Hand. Wortlos nimmt sie mich in die Arme, schaut mich an und presst ein "Danke" über ihre Lippen. Dann reicht sie mir Pralinen und Blume, legt mir kurz die Hand auf die Schulter, schenkt mir ein trauriges aber warmes Lächeln und geht wieder.

Ich hingegen stehe etwas verdattert da, weiß nicht so recht wie ich das einordnen soll und verstehe ehrlich gesagt nur Bahnhof.
Ich spule den Vortag nochmal ab, morgens hat sie mich angerufen, da hab ich mir zwar Zeit genommen, aber das war nu nichts Besonderes. Als sie Mäxchen brachte war es meine Cheffin die erstmal Kaffee machte und als ich Mäxchen "hübsch" gemacht habe war sie längst wieder weg. Zwischen meinem Feierabend und Mäxchens Abholung war sie meines Wissens auch nicht nochmal in der Praxis, warum auch? Für die "Aufbewahrung" bis zur Abholung durch den Bestatter fallen keine Kosten an, die sie hätte zahlen können und dass sie Max nochmal sehen wollte schließe ich völlig aus zu entschlossen klang ihr "Ich behalte ihn im Herzen wie er war."
Dass ich ihn etwas "aufgehübscht" habe konnte sie eigentlich überhaupt nicht wissen.

Zum Glück ist es in der Praxis grad ruhig und so tapere ich mit meiner Sonnenblume, den Pralinen und einem vermutlich noch immer extrem "Nulldurchblick-Gesicht" in die Teeküche und frage meine Cheffin ob sie mich nicht mal aufklären könne, ihre Erklärung leuchtet ein:

Frau Bach hatte den Bestatter "vorgewarnt", ihm beschrieben, dass er einen weißen Pudel abholen solle, dem man sehr deutlich ansehe, dass er unter ein Auto gekommen sei.
Er hatte folglich auch einen entsprechenden Anblick erwartet, etwa den, der sich mir beim Öffnen der Decke geboten hatte.

Meine Cheffin erzählt mir weiter, dass er sichtlich verunsichert fragte ob das sicher der Hund der Frau Bach sei.
Da es nicht völlig ungewöhnlich ist solche Tiere nochmal zu waschen war meine Cheffin da weniger überascht und meinte nur, dass sie den Hund kenne, sich sicher sei und ihre Angestellte den kleinen Mann wohl für seine letzte Reise etwas schick machen wollte.

Während Frau Bach uns gegenüber nur gesagt hat sie wolle Mäxchen gar nicht tot sehen, sondern ihn lebend in Erinnerung behalten, hat sie dem Bestatter gegenüber wohl eingeräumt, dass sie es lieber hätte, wenn sie und die Kinder sich verabschieden könnten, grad ihr Jüngster sei damit, dass Pudelchen "einfach weg" sei sichtlich überfordert. Aber die vom Briefträger beschriebenen Wunden, die aufgerissenen Augen und das viele Blut ließen ihr keine Wahl.

Nachdem nun also dieser Bestatter (ein guter, kluger Mann) Mäxchen in sein Auto getragen und dort nocheinmal begutachtet hatte, zückte er sein Handy und rief Frau Bach an um ihr mitzuteilen, dass Mäxchen in der Praxis von den Spuren dieses Unfalls befreit worden sei und nun einen friedlichen, schlafenden Eindruck mache, ihre Adresse läge ohnehin auf seinem Weg und wenn sie ihm einen Kaffee koche käme er gern noch eben rum, damit die Familie Abschied nehmen kann.

So ist es dann auch geschehen und scheinbar hat es gut getan. Schon seltsam, was ein paar Nadelstiche, Wasserstoffperoxid und Sekundenkleber erreichen können, wenn man einen so aufmerksamen Tierbestatter hat.

Ich hoffe er hat auch Pralinen bekommen

und eine Sonnenblume.

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Oft muss ich schmunzeln, wenn ich in Foren lese "Spende für den Erhalt/Betrieb des Forums!", denn tatsächlich sind die eigentlich anfallenden Kosten für den Betrieb eines Forums oder Blogs eher gering. Was nicht gering ist, ist der Arbeitsaufwand, wenn man eine Plattform nicht nur bereitstellt, sondern auch selbst mit Inhalten füllt. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich dieses Blog so gestalten kann, dass zumindest die Aussicht darauf besteht, dass mir ein Teil der Arbeit, die ich hier reinstecke vergütet wird aber ohne den Lesern, die nichts zahlen etwas vorzuenthalten. Auch wollte ich unter allen Umständen das Wort "Spende" vermeiden, denn eine Spende ist immer etwas, das man ohne direkte Gegenleistung erhält und mit dem Annehmen von Spenden habe ich mich schon immer mehr als schwer getan. Lieber nenne ich das Kind beim Namen und gebe zu, dass ich für mich und meine Tiere Rechnungen zu zahlen habe, mein Studium Geld kostet und ich seit ich mich entschieden habe Tierärztin zu werden generell erhebliche Summen in meine (Aus)Bildung investiert habe und weiterhin investiere.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt Bücher zu schreiben, aber bisher setzten sich immer die Zweifel durch. So z.B. die reine Problematik, dass ich ein Buch entweder selbstveröffentlichen, also den Druck vorfinanzieren muss oder aber die Rechte an einen Verlag abgeben was es mir dann unmöglich macht Abschnitte, die ich für wichtig halte öffentlich zugänglich im Netz zu veröffentlichen. Immer hängten sich meine Gedanken auch daran auf. dass Bücher wie ich sie schreiben möchte (Ratgeber) doch immer zu spät zur Hand sind und jedes "Hätte ich DAS mal so vorher gewußt..." für eine Menge Ärger steht, den Mensch und Tier ausbaden müssen. Einer weiterer Grund warum ich lange darüber nachgedacht habe Bücher zu schreiben ist der, dass mir ständig und von allen Seiten gesagt wurde und wird: "Niemand bezahlt etwas, das er auch umsonst haben kann".
Ist das wirklich so? Probieren wir es doch einmal aus.
Eine "Paywall" würde gegen alles verstoßen an das ich "glaube" und deswegen habe ich mir die Existenz dieses Blogs so vorgestellt:
Ich schreibe bis auf Weiteres je nachdem wieviel ich schaffe mindestens einen Artikel in der Woche. Das werde ich immer und unter allen Umständen tun und auch völlig unabhängig davon ob meine Leser bereit sind die Artikel zu bezahlen. Über jeden Artikel, der über eine kurze Bemerkung hinausgeht werde ich schreiben wieviel der Artikel kosten würde, außerdem bekommt jeder Artikel eine ID. Wenn Euch der Artikel gefällt/weiterhilft und ihr mich für meine Arbeit bezahlen möchtet, dann könnt ihr einen Betrag Eurer Wahl entweder per Paypal oder Überweisung zahlen. Schreibt dazu immer Euren Namen und die ID des Artikels für den ihr bezahlen möchtet. Per Email sendet ihr mir dann Eure Daten zu und erhaltet nach Zahlungseingang ein Quittung mit ausgewiesener Mehrwehrtssteuer. Die Untergrenze „ein Artikel/Woche“ setze ich deswegen, weil ich hier niemanden "erpressen" möchte: ich werde also nicht weniger schreiben, weil keine Zahlungen eingehen, kann aber mehr von meiner Zeit, die ich sonst in andere „Geldverdiensachen“ stecken müßte, mit recherchieren und schreiben verbringen sollten die Artikel auch entsprechend vergütet werden. Mit irgendwas muss ich das Stopfen der Mäuler und mein Studium finanzieren, dat ist einfach so.
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